Eine nackte Frau an der Kirchenmauer

Es ist eine seltsame Darstellung, dafür, dass man sie vor allem in Kirchen findet. Eine nackte Frau, die ihre Beine spreizt und den Blick auf ihre Vulva freigibt. Manchmal zeigt sie auf die Vulva und in einigen Darstellungen hält sie ihre Schamlippen präsentierend in den Händen. Die Figur, die immer wieder an Kirchenwänden so dargestellt wird, trägt den Namen Sheela Na Gig (Ausgesprochen: Sheela Na Ghee). Diese Art der Darstellung, taucht im Zeitalter der romanischen Kirchenarchitektur erstmals auf und ist von daher gut 1.000 Jahre alt. Auch in normannischen Kirchen ist diese Figur zu finden. Oftmals in luftigen Höhen, als Relief an den Kirchenwänden. Verbreitet ist die mittelalterliche Sheela Na Gig in West- und Mitteleuropa. Die meisten dieser Darstellungen gibt es allerdings in Irland. In England, Frankreich und Spanien gibt es Regionen, in denen die nackte Frau ebenfalls immer wieder auftaucht.

Steinreleif das eine Sheela Na Gig zeigt. Die Glatzköpfig Frau ist Nackt, und hält ihre Schamplippen umklammert.

Sheela Na Gig an der St. Mary and St. David Church in Kilpeck (Foto: Pryderi (CC BY-SA)).

Die Interpretationen, was mit dieser Figur gemeint ist, sind dabei vielfältig. Ob Relikt eines Vorchristlichen Fruchtbarkeitskults, Schutz vor dem Teufel, oder aber ein Hinweis auf sexuelle Enthaltsamkeit. Es gibt kaum eine Idee, die noch nicht zu dieser Darstellung wiedergeben wurde. Nur nachweisen lässt sich von diesen Bedeutungen keine. So bleibt es ein Rätsel, was die ungewohnt freizügige Darstellung uns sagen will. Es scheint tatsächlich seltsam unvereinbar mit dem Christentum zu sein, eine so exhibitionistische Figur ausgerechnet an einer Kirche darzustellen. Und so wurden diese Frauendarstellungen auch, im weiteren Verlauf der christlichen Geschichte Europas, oft entfernt. Das bedeutet, es hat einmal sehr viel mehr Darstellungen von Sheela Na Gig gegeben. Und nicht nur das. Auch Darstellungen von nackten Männern, mit der gleichen Freizügigkeit und einem erigierten Penis sind erhalten. Nur sind diese noch seltener.

ine Sheela na Gig als Säulenkapitell. Sie hält ihr Beine nach obenmit dn hänn Fest, und zeit so den Kirchenbesuchern ihre Vulva.

Eine Sheela Na Gig als Säulenkapitel in Spanien (Foto: Colegiata de Cervatos (CC BY)).

Erschwert wird das Erforschen dieser Figur auch durch die Forschungsgeschichte. Die männlichen Kirchenforscher des 19. Jahrhunderts waren leicht beschämt diese Figur beim Namen zu nennen. Übersetzt bedeutet Sheela Na Gig, nämlich so viel wie Cäcilia mit dem Loch. Und das ist in diesem Zusammenhang eine direkte Beschreibung des weiblichen Geschlechtsorgans. Ein solch prüder Umgang mit einem historischen Phänomen hilft bei der Erforschung selten weiter. Es führt eher dazu, dass eine eigene Sichtweise auf etwas bezogen wird. Dadurch wird eine Interpretation verfälscht. Um wirklich herauszubekommen, was die Sheela Na Gig bedeutet, müssen wir eine Zeitreise machen. Leider geht das nicht, von daher bleibt nur, zu beschreiben, wie wunderschön und super unerwartet der Brauch war eine Frau mit gespreizten Beinen in Kirchen darzustellen.

Hinweis: Unter dem folgenden Link findest du eine Datenbank mit 3D-Scanns von vielen Sheela Na Gig Darstellungen: https://www.digitalheritageage.com/sheelanagig3d

Literatur:

Eamonn P. Kelly: Shela-Na-Gigis in the National Museum of Ireland, together with a brief description of their origin and Function. In: Irish Antiquities 31: Essays in Memory of Joseph Raftery, Dublin 1998.

Home

https://www.britannica.com/art/Sheela-Na-Gig

About Sheelas

https://www.researchgate.net/publication/337768875_Is_there_a_Sheela-na-gig_in_St_Saviour%27s_Church