Innen größer als Aussen – das Raumwunder der Innsbrucker Spitalskirche

Im 13. Jahrhundert wurde vor den Stadttoren Innsbrucks, ein Spital gebaut. Es diente vor allem als eine Art Altersheim. Man darf sich in dieser Zeit kein Pflegeheim im heutigen Sinne vorstellen. Stattdessen es handelte sich um eine Art Altersstift, in das sich Reiche Stadtbürger lange vor dem Alter einkauften. Dadurch waren Institutionen wie Spitäler im Mittelalter oftmals sehr Reich. Im 14. Jahrhundert kam dann ein Friedhof hinzu. Bereits 1398 wird auf diesem Gelände in Schriften eine kleine Kapelle erwähnt die zu diesem Gebäudekomplex gehört. 1509 wird der Friedhof dann vergrößert und1596 die Kapelle umgebaut. Aus dem ehemals zweischiffigen Bau, wird die dreischiffige Elsbethenkapelle. 1698 erschüttert ein Erdbeben Innsbruck. Viele Gebäude in der Stadt stehen seit dem Schief. Einige Müssen damals abgerissen werden. Dazu gehört auch die alte Kapelle. Bis auf einig wenige Mauern, wird der Bau gegen 1700 dem Erdboden gleich gemacht. 1705 Eröffnet an dieser Stelle dann ein neuer, prachtvollerer und modernerer Sakralbau.

Die Spitalskriche von Innsbruck aus extremer Froschperspektive. Die Kirche ist Rosa gestrichen. Eine Reihe runder Fenster ist zu sehen. Und ein Turm mit einem grünen Zwiebeldach aus Kupfer.

Die Rosa Farbe hat die Kirche aber erst seit einer Sanierung im Jahre 1992.

Der neue Sakralbau wurde errichtet von Johann Martin Gumpp dem Älteren, einem sehr anerkannten Baumeister, der seine Spuren auch an anderen Bauwerken Innsbrucks hinterlassen hat. Die Kirchenbauer wahr bei der Gestaltung sehr trickreich. Der Baugrund, den das Erdbeben hinterlassen hatte, war klein. Und entgegen der Kirchenbaumode dieser Zeit im Grundriss nahezu Quadratisch. Eigentlich handelt es sich deswegen um einen einschiffigen Bau. Doch durch die Strukturierung des Innenraumes wird eine Dreischiffigkeit angedeutet. Der Raum wirkt durch innenarchitektonische Tricks größer als er eigentlich ist. Hinzu kommt: Der Chor der Kirche ist durch eine Stufe zu betreten. Hier ist die Decke etwas heruntergezogen. Dadurch wirkt es so, als gäbe es auch hier einen weiteren Raum, zu dem eine Wand eingerissen wurde. Das wurde aber absichtlich so gebaut, da dadurch alles größer wirkt.

Der Innenraum dr Innsbrucker Spitalskirche. Ein Gang in der Mitte, links und rechts gesäumt von Holzbänken führt zu dem Chor. Dieser Ist mit Stuck und drei Barockaltären ausgestattet.

Von innen wirkt die Kirche weder klein, noch quadratisch.

Der Stuck und die Gestaltung der Kirche sind dabei sehr in der Mode ihrer Zeit verhaftet, in der besonders Engelsfiguren beliebt sind. Wer sich diesen Bau einmal ansieht, für den habe ich den Tipp sich auf die Suche nach den kleinen geflügelten Kindern zu machen. Sie finden sich immer wieder versteckt in der Innengestaltung wie in einem Suchbild. Daneben gibt es viele Muscheln, Fruchtkörbe, Schalen, Blätter und Ranken. Alles in allem sind die Details sehr verspielt.

Ein Engel sitzt auf einem kleinen Vorsprung. Eine Kleine Marmorfigur die ein kleinkind zeigt mit goldenen Flügeln.

Ein Beispiel ist dieser kleine Engel.

1856 wurde der Friedhof dann verlegt, um das Krankenhaus zu erweitern. Nur wenige Jahrzehnte Später, 1890, wurde Bau dann aber zu einer Schule umfunktioniert. Das Gelände lag zu dieser Zeit längst nicht mehr vor den Stadttoren. Innsbruck florierte und hatte sich ausgedehnt – Die Ort war um die Spitalkirche herum gewachsen, die so mitten im Zentrum eines zweiten Stadtkerns stand. Innsbruck hatte sich also weit über die mittelalterlichen Grenzen hinaus ausgedehnt. In dieser Zeit des Stadtwachstums werden auch die Häuser in der Umgebung aufgestockt. Dadurch wirkt die Kirche, die ursprünglich die Nachbarschaft überblicken konnte heute wie eine Miniatur zwischen den großen Stadthäusern. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche dann beschädigt. Dies betraf in der Hauptsache das Dach. Von den alten Deckenfresken ist deswegen heute nur noch eines erhalten. Die anderen Deckenfresken stammen aus der Zeit zwischen 1959 und 1962. Sie werden von Hans Andre neu gestaltet.

Ein Deckenfresko gerahm von aufwendigem Stuck. Das Fresko zeigt ein Szenerie mit viln Figuren, die zu einem Jesus hinauf Sehnen. Dieser ist mit einem sonnenartig scheindnen Heiligenschein ausgestattet.

Dieses Fresko zeigt die Bergpredigt. Gut zu sehen ist auch: Der Kunststil des Bildes passt nicht zu dem barocken Stuck, der es umgibt.

Trotz der Schäden aus dem Krieg ist die Kirche heute wieder gut hergerichtet und der alte Stil lässt sich gut erkennen. Ich kann nur sagen, falls ihr mal in Innsbruck seit, nehmt euch eine halbe Stunde Zeit für das Innsbrucker Raumwunder. Es ist beeindruckend und im Gegensatz zu anderen historischen Orten Innsbrucks weniger touristisch frequentiert.

Literatur:

https://www.dibk.at/Media/Pfarren/Innsbruck-Altspitalkaplanei-Hl.-Geist/Kurzbeschreibung-der-Kirche

https://gis.tirol.gv.at/kunstkatasterpdf/pdf/116120.pdf

http://www.innsbruck.antonprock.at/website/sehenswuerdigkeiten/spitalskirche.html