Was ist Miss Jones? Und wie wird hier gearbeitet?

Dieser Text war ursprünglich gedacht als ein vierter „in eigener Sache Text“ über Dinge, die nach der Sommerpause 2020 anders laufen sollen, oder aber über die ich nachdenke, ohne eine richtige Antwort gefunden zu haben. Aber, ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass das, was ich sagen möchte, besser mit einer Art Blick hinter die Kulissen zu erklären ist. Denn, immer wieder finde ich Rückmeldungen von euch, aus denen ganz klar wird: Einige verstehen diesen Blog irgendwie anders als ich. Eine Quelle für Missverständnisse. Also hier einmal eine Erklärung, die das ganze entschärfen soll:

Was ist Miss Jones?

Im Grunde ist das hier nichts weiter als ein Blog, den ich, Geesche Wilts, betreibe neben meinem bald endlich abgeschlossenen Archäologie Studium. Es ist dabei nicht ganz ein Onlinetagebuch, sondern geht darüber hinaus. Ich zeige euch hier Sachen, die ich so entdecke, während ich mich mit Archäologie beschäftige und an denen ich meistens großen Spaß habe. Und: Fehler passieren mir natürlich, aber das gar nicht mal so häufig. Was du hier liest, ist also keine Plattform auf der ich meine eigene Forschung zeige, sondern, wenn ich aktuelle Forschungen erkläre, dann zeige ich die Forschung anderer Leute. Es hilft dir, oder dem Forschungsprojekt also gar nichts, wenn du mir Verbesserungsvorschläge für diese Forschungen schickst, oder dich bei mir über die angewandten Methoden beschwerst.

Das heißt aber auch, dass hier ist keine Plattform, die dazu geeignet ist, dass du hier deine nächste wissenschaftliche Arbeit veröffentlichst. Ich find es zwar schön, dass ihr immer wieder eure Abstracts bei mir einreicht. Es schmeichelt und es ist ein Zeichen dafür, dass ihr diese Homepage als sehr fundiert anseht. Aber das hier ist kein Science Journal. Es ist eine populärwissenschaftliche Plattform. Und natürlich freu ich mich, wenn du Lust hast deine Arbeit hier für ein breites Publikum zu zeigen. So wie zum Beispiel meine Innsbrucker Kollegin Elisabeth Waldhart, oder auch Jana Esther Fries. Auch Meinungsbeiträge wie von Yasmin Frommont sind hier passend. Aber eine richtige wissenschaftliche Reaktion mit Gutachtern und einem Peer Review, dass kann ich hier nicht leisten. Also melde dich gerne mit deinem Gastbeitrag, aber bedenke dies dabei.

Und noch etwas: hier bloggt eine Studentin und keine Professorin. Das heißt, ich bin weder besonders anerkannt, noch ehrwürdig. Aber: Das bedeutet nicht, dass man sich mir gegenüber aufspielen muss nach dem Motto: Ich erkläre der dummen Studentin die Welt. Mein Vorschlag ist also: Treffen wir uns in der Mitte und lasst uns normal miteinander reden. Das ist nicht schwer, denn hier schreibt für dich in ganz normaler Mensch und vermutlich bist du auch ein ganz normaler Mensch. Und ich nehme euch alle gerne mit, zu den nächsten Reisen, Abenteuern oder auch Fundstücken.

Wie wird hier gearbeitet?

Diesen Punkt möchte ich nochmal unterstreichen. Denn ich bin zwar wie schon gesagt ein normaler Mensch, der ganz einfach für alle die es interessiert kleine und große Artikel rund um die Archäologie schreibt. Doch manchmal gab es auch Missverständnisse über die Arbeitsweise. Also ein Blick darauf was ich so tue, um einen Artikel zu schreiben:

Die allermeisten Artikel gehen damit los, dass ich ein Museum gehe, oder eine Reise mache. Vor Ort versuche ich möglichst viele tolle Fotos zu machen und mir haufenweise Literatur zu besorgen. Denn meist gibt es Vorort spezifische Bücher zu den jeweiligen Themen, die man sonst vergebens sucht. Dafür spare ich mir oft ein extra Bücherbudget zusammen; aber für die richtig guten Bücher reicht es nie. Auf Kreta war mein Budget beispielsweise mit 350 € verdammt schnell erschöpft. Hinzu kommt; Ich reise mit dem Rucksack. Das heißt ich muss die Bücher die ganze Zeit tragen, oder aber teuer mit der Post zwischen durch irgendwo hinschicken. Aber: Was tut man nicht alles, um die beste Literatur zusammenzubekommen. Das heißt aber auch: Manchmal kann ich für euch nicht aus der besten Literatur zitieren, weil diese zu schwer oder zu teuer war.

Wieder zu Hause habe ich dann bergeweise Fotos. Pro Stätte zwischen 500 und 800, es können aber auch mal 2000 werden. Es folgt das Aussortieren. Man merkt bei älteren Artikeln habe ich das weniger gut hinbekommen. Mittlerweile habe eine halbwegs aufgeräumte Festplatte mit haufenweise Bildern. Nach und nach sortiere ich diese Bilder. Und beginne Artikel zu schreiben. Diese nenne ich Hauptartikel. Meistens sind das Museumskritiken oder ähnliches. Aus meiner Bildersammlung suche ich dann einige wenige aus, mit denen man dieses Museum gut zeigen kann. Zurück bleibt ein riesengroßer Stock an Fotos aus Museen. Auch diese sortiere ich wieder und wenn mir z.B. ein Objekt auf einem dieser Fotos gefällt, oder aber, ich mich Frage was das eigentlich ist, dann schreibe ich dazu noch kleine Artikel. Die nenne ich Nerdbeiträge.

Rund um dieses Grundkonstrukt bewegt sich Miss Jones. Natürlich gibt es hier viel mehr: Neue Forschungsergebnisse, Buchtipps, Gedanken, Kommentare usw. Alle Beiträge eint aber eins: der Schreibprozess. Und für diesen heißt es Bücher lesen. Nicht selten habe ich selber von dem Thema, über das ich schreiben will, zuvor noch nie etwas gehört. Das heißt ich durchforste die Bücher, die ich zu Hause habe, und durchforste das Internet. Und wenn es möglich ist, durchforste ich dann noch die Bibliothek. Am Anfang ist jeder Artikel nur eine Stichpunktliste mit den Sachen, die ich bei meiner Recherche gefunden habe. Dann ordne ich meine Stichpunkte sinnvoll und mache euch dann einen schönen Artikel draus. Fertig. Öfters mal gibt es soviel zu interessantes nach der Literaturrecherche zu erzählen, dass ich noch viele kleine Nebenartikel schreiben kann, weitere Nerdbeiträge entstehen dann.

Aber: Es kann gut sein, dass es eine gute Literatur gibt, die ich nicht kenne. Vielleicht, weil ich sie übersehen habe. Oder, weil sie in der Bibliothek verliehen war als ich sie gesucht habe. Was ich damit sagen möchte: Wenn ich einen Artikel schreibe, heißt das nicht, dass ich gar keine Ahnung habe, denn immerhin ich habe dieses Fach studiert und mir eine Grundlage an Basiswissen angeeignet. Es heißt aber auch nicht, dass ich nur über Dinge schreibe, in denen ich total hochkompetent bin. Ich bin keine Fachfrau auf allen Gebieten, die ich hier zeige. Deswegen schlage ich ja alles noch einmal für euch nach. Und solltet ihr vielleicht einmal eine bessere Literatur kennen, freue ich mich immer über Zuschriften.

Ich hoffe, dass diese kleine Erklärung darüber was ich hier tue und wie ich es tue ein wenig Klarheit bringt. Dass Missverständnisse jetzt ausgeräumt sind. Bleibt noch eine Frage: Warum tue ich das alles eigentlich? Ganz einfach: 1. Glaube ich daran das es sinnvoll ist Bildung und Wissen zu teilen, denn meiner Meinung nach sind diese beiden Schätze eng mit einer emanzipierten Gesellschaft verbunden. Und 2. Liebe ich es einfach die zwei Herzen in meiner Brust schlagen zu lassen. Lange wusste ich nicht wie ich mich zwischen Archäologie oder meiner Schreibwut entscheiden soll. Jetzt tue ich einfach beides und dass für alle, die Spaß daran haben.