Octopusse auf Keramik

Octopusse – sind einfach sensationelle Tiere. Das sehe nicht nur ich so, auch die Minoer hatten in der Bronzezeit offenbar eine gewisse Zuneigung zu den intelligenten Meerestieren. Aber was steckt eigentlich hinter den vielen mit Octopussen bemalten Töpferwaren dieser Zeit? Ein Blick auf griechische Töpfe:

Eine runde gelbe Keramikflasche die mit einem Octopus bemalt ist. Der Ocopus ist in schwarz auf das Gefäß aufgezeichnet.

Eine Oktopusflasche aus der Neuen Palastzeit (Ausgestellt im Nationalmuseum Herklion)

Schon früh in der minoischen Kultur sind Oktopoden (das ist der korrekte Plural von Oktopus) zu beobachten. Sie finden sich bereits ganz zu Beginn auf der Keramik der bronzezeitlichen Kultur. Zunächst als stilisierte Darstellung mit vielen Kringeln, anstelle der acht Arme. Gegen 1900 v. Chr. entwickelte sich diese erste Keramik mit Oktopusbemalung auf Kreta. Ein Motiv, das diese Welt lange begleiten sollte. Als 200 Jahre später ein Erdbeben die Region erschüttert beginnt eine zweite große Phase bei den Minoern, in der sie ihre Siedlungen und Paläste auf den alten Grundmauern neu aufbauen. Diese Epoche wird die Neue Palastzeit genannt. Und in dieser Zeit wurde die Octopuskeramik richtig populär.

Oktopoden finden sich in dieser Zeit neben anderen maritimen oder floralen Motiven auf allen möglichen Keramiken. Hier sehen wir beispielsweise Vorratsgefäße. (Aufgenommen im Nationalmuseum Heraklion)

Man nennt es maritime Keramik, denn es gibt auch andere Meeresmotive, die in dieser Zeit auf Keramiken gezeigt werden. Aber der Oktopus ist ein Motiv, dass sich in ganz besonderer Weise zeigt. In der neuen Palastzeit ist er oftmals sehr natürlich dargestellt. Er findet sich auch auf den verschiedensten Gegenständen. Im Alltags-, im Prunk- oder auch rituellen Kontext. Es ist ein allgegenwärtiges Bild in dieser Zeit. Funde aus Ägypten zeigen, diese Keramik ist so edel, sie wurde exportiert. Ein weiterer Hinweis auf diesen Export sind Oktopuskeramiken, die im Hafen von Knossos gefunden wurden. Die wunderschönen Oktopusdarstellungen fanden sogar ihren Weg in die frühe Produktpiraterie. So gibt es den Fund einer melischen Töpferwerkstatt, in der offenbar versucht wurde die Keramik zu imitieren. Allerdings gelingt dies im Vergleich der Qualität nur ungleich schlechter.

Eine Keramik mit einem kleinen Octopus, der in Rot auf den Gelben Ton aufgemalt ist.

Diese Keramik wurde im Hafen von Knossos geborgen (Aufgenommen im Nationalmuseum Heraklion)

Im Laufe dieses Zeitabschnittes, in der minoischen Kultur, verändern sich die Oktopusdarstellungen nach und nach, dabei bleiben sie aber sehr naturalistisch. Doch während zum Beispiel die Saugnäpfe ursprünglich als Kreis mit einem innenliegenden Punkt gezeigt wurden, werden sie im späteren Verlauf der Kultur nur noch als Punktreihe gezeichnet. Es ist die Erste Entwicklung dieses Motivs hin zu einer eher stilistischen Darstellung.

Ein etwa 1m hohes Vorratsgefäß aus Ton. Die Gelbbraue Keramik ist schwarz mit einem Octopus bemalt. Dieser hat dabei garkeine Saugnäpfe

Aus dieser späteren Phase stammt auch dieses Vorratsgefäß. Der Oktopus wird hier ganz ohne Saugnäpfe gezeigt, aber immer noch in einer sehr natürlichen Bewegung. (Aufgenommen im Nationalmuseum in Heraklion)

Die Neue Palastzeit endet gegen 1450 v. Chr. bei einer weiteren Naturkatastrophe. Der Vulkan Thera hat weite Teile der minoischen Gebiete verwüstet. Die Kultur soll sich nie wieder von diesem Ereignis erholen. Doch der Oktopus überlebt dieses Ereignis. Aber: Vermutlich ändert sich in dieser Zeit die Bedeutung des Meerestieres. So finden sich die Tentakeltiere in der Hauptsache auf Bestattungegefäßen den sogenannten Larnax.

Ein solcher Larnax aus einer frühen Phase dieser kulturellen Entwicklung

Ab dem 13. Jahrhundert v. Chr. werden dann auch Sirupflaschen hergestellt, auf denen Oktopusse abgebildet sind. Der Herstellungsort ist bekannt. Eine Töpferwerkstatt in Chania konnte Archäologisch nachgewiesen werden. Die Beobachtung der Sirupflaschen dieser Zeit zeigt, der Oktopus wird zunehmend stilisierter und weniger natürlich gezeigt. Die Darstellung der Arme erinnert zunehmend eher an das, was wir heute als Mäander kennen, und nicht mehr an eine natürliche Darstellung der Tentakeln. Es gibt dabei keine wirkliche Richtlinie wie die Oktopusse auf der Keramik dargestellt werden, aber immer noch gilt: Die kretische Oktopuskeramik war qualitativ ein sehr hochwertiges Produkt.

Eine Spätminoische Sirupflasche mit einer Octopusbemalug. Di Flasche ist Linsenförmig, und hat eien engen Hals mit zwei Henkeln. Der Octopus ist als silisirter Körper gzeigt, von dem arme Abgehen, die sich als wellig dünne Form über die Gesammte Keramik ziehen.

Eine Sirupflasche mit einem stark stilisiertem Oktopus. (Aufgenommen im Nationaluseum Heraklion)

Aber auch an diesen Sirupflaschen zeigt sich der Bedeutungswandel des Okopusmotives in der ausgehenden Bronzezeit. Denn 96% solcher Sirupflaschen wurden im Grabkontext als Beigabe gefunden. Die anderen 4% sind Funde, welche direkt in den Ruinen der Töpferwerkstätten gefunden wurden. Der Oktopus ist nun also nicht mehr Teil des Alltages der kretischen Bevölkerung. Anstelle dessen entwickelt er sich zu einem Begleiter des Todes. Man kann hier vielleicht interpretieren, dass es sich um eine Vorstellung handelt, welche mit dem Leben nach dem Tode zusammenhängt. Vielleicht gehen die Menschen dieser Vorstellung nach, nach ihrem Ableben über oder in ein Meer. Wirklich Überprüfen lässt sich das nicht. Aber auch die Vorstellungen vom Tod in benachbarten Kulturen dieser Zeit haben immer wieder maritime Elemente. Nicht umsonst sprechen wir beim Ableben bis heute davon über den Fluss Jordan zu gehen. Vielleicht liegt für die Minoer die Welt der Toten ja hinter dem Meer?

Ein Larnax, also ein Betattungsgefäß aus dr minoischen Bronzezeit mit einer Stilisierten Ocotpusbemalung. Zwei Oktopusse sid zu sehen, die mit jeweils ur 4 Armen gezeigt werden.

Ein weiteres Grabgefäß mit Oktopusbemalung. (Aufgenommen im Nationalmuseum Heraklion)

Literatur:

Lucia Alberti, THE FUNERARY MEANING OF THE OCTOPUS IN LM IIIC CRETE*. In: Studies in Mediterranean Archaeology for Mario Benzi, Oxford 2013.

J.A. Sakellarakis, Heraklion – Das archäologische Museum, Athen 2006.

Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Im Labyrinth des Minos – Kreta  – Die erste europäische Hochkultur, München 2000.