Experimentelle Archäologie ist eine besondere Art der Herangehensweise an archäologische Funde. Man versucht dabei oft, die Herstellungsweise zu erfahren. Eine Gruppe alter Freunde von mir aus Uni-Zeiten beschäftigt sich auf diese Art und Weise mit Bronzeguss. Dazu gehört auch mein alter Kumpel Ilian – ihr kennt ihn schon aus einem Gastartikel – oder von dem gemeinsamen Versuch herauszufinden, ob ein Goldarmreif von einem Flohmarkt Raubkunst ist. Und Ilian hat mich eingeladen, für sein Projekt zu fotografieren. Was ich dort gemacht habe – Serienbilder von Gussversuchen. Ein Beispiel:
Das Tolle ist, und das kannst du selbst einmal versuchen: Wenn man sich den Gussversuch Bild für Bild ansieht, kann man danach versuchen zu analysieren, was schiefgelaufen ist. In diesem Beispiel hat das Metall so sehr gespritzt, dass das meiste Metall daneben liegt. Die Frage ist dann: Warum? Die Idee des Projekts ist nämlich, die Technik immer weiter zurückzudrehen und herauszufinden, wie Bronzeguss zu der Zeit funktioniert hat, als er erfunden wurde – das ist nämlich ein ungeklärtes Rätsel. Weitere Bilder von Bronzegussversuchen (die Bilder aus dem Artikel findest du nicht im Buch, sondern sie gehören zu unseren Erinnerungen):
Es wird also getüftelt und geguckt, was funktioniert. Am besten ist es immer, wenn man am Ende sagen kann: So war es auf keinen Fall. Denn wenn man etwas sicher ausschließen kann, dann hat man ein Ergebnis. Bei allem, was funktioniert, steht nämlich am Ende immer nur ein: Es könnte so gewesen sein, vielleicht war es aber am Ende der Jungsteinzeit auch ganz anders. Meine Freunde aus der Bronzeguss-AG arbeiten an dieser Fragestellung jetzt schon seit mehreren Jahren – und nun haben sie ein Buch gemacht, und ich durfte dafür fotografieren:
Und das ist eine wirklich tolle Erinnerung. Wir haben im Steinzeitpark Dithmarschen eine tolle Zeit gehabt. Nicht nur, dass wir zusammen im Museum gewohnt haben – wir haben auch rund um die Uhr gemeinsam gewerkelt. Okay, zugegeben, irgendwann war ich komplett fertig mit der Welt, und brauchte dringend eine Zeit für mich. Aber es war so schön, als Team mit meinen ehemaligen Kommilitonen zusammenzuarbeiten, dass ich richtig stolz auf das Ergebnis bin. Meine Fotos sind zweitrangig – denn meine Freunde haben ein, fachlich gesehen, wirklich starkes Buch verfasst. Vor allem, wenn man bedenkt, dass alles mit einer Studi-AG begann. Letztendlich gilt aber für dieses Projekt, wie so oft: Archäologie ist Teamarbeit – und darauf kommt es an.

In diesem Haus im Steinzeitpark Dithmarschen hatten wir übrigens unser Lager – wie man so ein Haus nachbaut, das kannst du hier nachlesen (Alle Bilder: Geesche Wilts (CC BY-NC 3.0 DE)).