Radnadeln

Radnadeln sind eine wunderschöne Fundgruppe aus der Bronzezeit. Sie finden sich zwischen 1.600 und 1.300 v. Chr. in Gräbern. Diese Nadeln werden in dieser Zeit verwendet, um die Kleidung zusammenzuhalten. Es sind die Vorläufer der Fibeln, die ungefähr so funktionieren wie Sicherheitsnadeln. Radnadeln sind nur eine Form von Gewandnadeln, aber sie sind vielleicht die schönsten Vertreterinnen mit dieser Funktion. Allgegenwärtig war der Brauch, dass Frauen ihre Kleidung mit zwei solcher Nadeln verschlossen, Männer hingegen nur eine Nadel nutzten. Diese Gewandverschlüsse wurden nicht überall gleich getragen, dienten manchmal auch als Haarschmuck und sie sehen auch nicht überall gleich aus. So gibt es verschiedene Typen, die sich in der Gestaltung des Rades unterscheiden. So ein Rad kann eine Größe von 6 cm haben, also sehr groß sein. Die Nadel selber hat eine Länge von manchmal über 20 cm. Das bedeutet, es handelt sich um sehr große Objekte und Experimente Zeigen, dass nicht ganz klar ist, wie sie genau sie Kleidung zusammen hielten.

Die meisten dieser Nadeln wurden gegossen. Dabei ist auffällig wie weit diese Objekte verbreitet sind. Man findet sie fast überall in Mittel-, Nord- und Osteuropa. Auch z.B. im Griechenland der Bronzezeit können Radnadeln beobachtet werden, aber sehr sehr selten. Vermutlich handelt es sich um Importe aus dem Norden. Da sich diese Nadeln voneinander unterscheiden, zumindest in Bezug auf kleine Details, kann man manchmal sehen, wenn eine Person mit einer Radnadel aus einer weiter entfernten Region bestattet wurde. Die Bestimmung dieser Regionen ist nicht immer einfach, da sich zum Beispiel ein Nadeltyp aus einer heute ungarischen Region sehr mit einem Nadeltyp aus dem deutschsprachigen Nordseeraum ähnelt. Findet man so eine Nadel in einer dritten Region ist also nicht ganz klar, wo sie herkommt. Tatsächlich sind Radnadeln also sehr weit verbreitet, und gelten deswegen auch als Indikator für die Kontakte, die es in der Welt vor 3600 Jahren gab. Und diese scheinen sehr weiträumig gewesen zu sein.

Literatur:

Florian Ruppenstein, Einfache Radnadeln als Indikatoren europaweiter  Fernbeziehungen zur Zeit der Deponierung der Himmelsscheibe von Nebra, Halle 2010.

https://www.lwl-landesmuseum-herne.de/blog/radnadeln

https://nat.museum-digital.de/index.php?t=objekt&oges=74029

https://st.museum-digital.de/index.php?t=objekt&oges=39701

https://blog.landesmuseum-kassel.de/2016/06/10/verschlusssache-nadeln-aus-der-bronzezeit/

Anmerkung: Aufgrund der Coronakrise sind derzeit einige Bereiche der Bibliotheken geschlossen und Literatur ist teils nicht frei zugänglich. Deswegen habe ich für die Erstellung dieses Artikels auch auf Uniaufzeichnungen zurückgegriffen.