Was uns Nuckelflaschen verraten

Natürlich gab es Mütter und Kinder in der Vor- und Frühgeschichte, sonst gäbe es uns nicht. Aber wie sie gelebt haben, unter welchen Umständen Kinder groß gezogen wurden und was für Babyausstattungsgegenstände überhaupt bekannt waren, das sind alles relativ neue Fragestellungen der Archäologie. Derzeit wird zu dem Thema Mutter-Kind Beziehung in der Bronze und Eisenzeit in einem Projekt an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften geforscht.

Ein Untersuchungsgegenstand sind dabei diese Babynuckelflachen aus der Bronze- und Eisenzeit Österreichs. Nuckelflaschen werden sowohl im Siedlungskontext als auch in Kindergräbern entdeckt. Durch das Auftreten dieser kleinen Keramik in Kindergräbern, entstand schließlich der Verdacht, dass es sich um Nuckelflaschen handelt. Experimentell-Archäologische Versuche zeigten dann, dass Babys tatsächlich aus diesen Flaschen gefüttert werden können. Die Analyse der Ablagerungen auf der Innenseite der Nuckelflaschen hat gezeigt, dass Babys mit Schafs- Ziegen- und auch Kuhmilch gefüttert wurden. Außerdem wurde ein Brei aus Tierfett in drei Nuckelflaschen entdeckt.

Ein Foto von Katharina Rebay Salisbury, die ine Keramik in der Hand hält.

Katharina Rebay-Salisbury forscht in einem Team an der Mutterrolle und in diesem Zusammenhang wurden auch die Nuckelflaschen betrachtet. (Foto: © Carsten Gutschmidt Ausschnitt aus der TV-Doku “Mächtige Männer – Ohnmächtige Frauen? Neue Fakten aus der Vergangenheit”, die am 12. Juli um 19:30 im ZDF bei Terra X zu sehen sein wird).

Aber was bedeutet nun diese Entdeckung, dass es Nuckelflaschen gab für die Betrachtung der Bronzezeit? Es erweitert klar den Interpretationsrahmen. Oftmals wird davon ausgegangen das die frühkindliche Versorgung in vorgeschichtlichen Zeiten von Müttern übernommen wurde. Sie waren die einzigen die ein Baby satt machen konnten, und zwar durch Stillen. Diese Annahme wird durch Fundstücke wie Nuckelflaschen zwar nicht direkt widerlegt, aber es wird die Möglichkeit eröffnet darüber hinausgehend zu argumentieren. Sie ermöglichen die Interpretation, dass auch andere Mitmenschen diese frühe Versorgung von Kindern übernommen haben. Zum Beispiel wird die Vorstellung einer Vaterrolle sehr viel realistischer. Oder auch eine Arbeitsteilung, vielleicht sogar von noch mehr Mitgliedern eines Haushalts oder eines Dorfes, bei der Versorgung eines Kleinkindes. Auf der anderen Seite sind Utensilien die auch anderen das Versorgen der Kinder ermöglichen auch ein Hinweis darauf, dass eine Mutter ihre Aufgabe auch abgeben konnte. Sie konnte dadurch mehr Identitäten haben als die bloße Mutterschaft. Wahrscheinlich ist, dass die Versorgung von Kleinkindern auch in der Bronzezeit schon anstrengend war. Möglicherweise wurden Aufgaben deswegen nicht nur von einer Person  ausgeübt. Oder wie ein Sprichwort sagt: “It taks a Village to raise a Child”.

Literatur:

Hunting for molecules in feeding vessels

Sampling prehistoric baby bottles 2.0