St. Peter in Wien ein Ort mit vielen skurrilen Details

Es ist das 9. Jahrhundert. In Wien soll Karl der Große eine Kirche gegründet haben. Doch mehr als das Gerücht gibt es nicht als Beleg für diese Kirchgründung. Die erste urkundliche Erwähnung des besagten Sakralbaus stammt aus dem Jahr 1137. Im 16. Jahrhundert ist diese dann abgebrannt. 1676 wurde dann ein Neubau beschlossen. Doch Wien wurde von der Pest geschüttelt. 1679 legte der Habsburger Kaiser deswegen ein Gelübde ab. Ein Versprechen ein prächtiges Gotteshaus zu bauen, nach der Pest. 1702 war es dann so weit. Der Bau eines barocken Kirchengebäudes wurde begonnen.

Ein Marmorrelief das eine Szene mit vielen Menschen zeigt. Karl der Große sitzt auf einem Thron während zwei männer ein großs Kreuz aufrichten.

Angebliche Gründung der Kirche durch Karl den Großen seit 1906 an der Außenmauer des Barockbaus dargestellt. Das Relief stammt von Peter Weyr.

Lukas von Hildebrandt ist der Baumeister des neuen topmodernen Barockbauwunders. Barock war dabei mehr als nur ein reich verschnörkelter Baustil.

Die politische Seite des Barock

Es handelt sich um eine Gegenreaktion auf die Reformation und calvinistische Ideen. Architektonisch wurden diese Ideen umgesetzt als Weiterentwicklung der Renaissanceformen. Dies kann man als reaktionäres Prachtaushängeschild der katholischen Kirche verstehen. Anders gesagt: Es geht um die fürstliche Repräsentation der Kirche. Ein wichtiger Teil dieser Baukunst ist die Mauergestaltung. Dabei gibt es nicht nur eine detailreiche Ausgestaltung der Wände, sondern auch Tricks der Architekten, welche dazu führen, dass der Bau noch gewaltiger aussieht, als er eigentlich ist. Und das im Rahmen einer verspielten Ausgestaltung.

Eine Riesengroße grüne Kupferkuppel. Auf der mitte der Kuppel ist ein kleiner Leuchtturm, ebenfalls mit einer Kuppel ausgestattet.

Die gewaltige Kuppel der St. Peterskirche in Wien.

Dabei ist bei aller Verspieltheit die Kirche in einer strengen Symmetrie angelegt. Diese gilt als architektonisches Gleichnis. Ein Symbol der Ordnung, die sich ebenso aus absolutistischer Ordnung und göttlicher Ordnung ergeben soll. Machtsymbole der politischen Verhältnisse der Entstehungszeit dieses Kirchengebäudes.

Ein konservativer Kirchenbau nach neuestem Schick

Durchgesetzt nach allen Formen der Mode dieser Zeit. Typisch dafür ist auch: der Grundriss der Kirche. Die Kuppel ist in der Form einer Ellipse angelegt. Diese Kuppel ist gewaltig, im Verhältnis zum gesamten Bau. In diesem Zusammenhang hat die Kirche kaum mehr ausgeprägte Seitenschiffe. Im Kirchenbau vorangegangener Zeiten waren diese meist ein wichtiger Bestandteil gewesen. Im barocken Gedanken steht nun die Kuppel im Vordergrund. Und so wird in der Wiener St. Peter Kirche in der Kuppel auch die Dreifaltigkeit dargestellt. Dieser ist der Bau nämlich gewidmet.

Die Kuppel der St. Peter Kirche in Wien von Innen. Sie ist Ausgeklidet mit einer Art Woklenfresko. In diesem Frsko spielen sich hundert klinere Szenen ab. In der Mitte fliegt ein Adler über dem Gesammtbild

Die Kuppel der St. Peterkirche von innen.

Gemalt wird das Kuppelfresko von J.M. Rottmayr, in der Zeit zwischen 1713 und 1714. Es zeigt die Krönung Marias durch Gottvater, Gottsohn und dem Heiligen Geist. Maria steht bei der Verehrung in dieser Kirche an zweiter Stelle. Deswegen ist sie hier oft dargestellt. Die St. Peterkirche ist tatsächlich der erste Ort in Wien für Marienandachten gewesen.

Spuren von Geheimbünden in Wien, oder nur ein Teil der Mode?

Ein interessantes Detail in der St. Peterkirche habe ich selber tatsächlich erst entdeckt, als ich mir die Fotos nach dem Besuch ansehen habe. Eine Darstellung vom Auge Gottes. Waren die Illuminaten beim Kirchbau dabei und haben ihre Spuren hinterlassen? Sicher nicht! Der Geheimbund entstand als Idee, die Gedanken der Freimaurer extremer umzusetzen, aber erst gut 70 Jahre nachdem dieses Ornament in der St. Peterkirche angefertigt wurde. Die Illuminaten scheiden also an dieser Stelle aus. Haben aber vielleicht die Freimaurer ihr Symbol in die absolutistische Machtdemonstration gemogelt?

Das Auge in einem Dreiek umgeben von einer Elpise mit Strahlen. Das goldornamet ist vor einm Blauen Grund, es zeigt das Allsehed Auge Gottes.

Leider etwas unscharf. Das Auge Gottes. Ich habe es erst auf einem größeren Überblicksbild entdeckt, ich bitte deswegen die Bildqualität zu entschuldigen.

Die erste richtige Freimaurerloge in Wien gründet sich offiziell erst etwa 10 Jahre nachdem diese Kirche errichtet wurde. Das heißt natürlich nicht, dass es nicht schon zuvor im Geheimen das Gedankengut gegeben hat – und 10 Jahre sind ein vergleichsweise geringer Zeitabstand. Aber was ist das für ein Gedankengut, von dem hier geredet wird? Freimaurer sind Vertreter von Werten, welche in dieser Zeit nicht öffentlich gesagt werden können. Deswegen bieten Geheimorganisationen einen gewissen Schutz. Bei diesen Werten handelt es sich z.B. um: Toleranz, die Gleichheit der Menschen – also ein Gegenstück zu den absolutistischen Gedanken mit dem diese Kirche gebaut wurde. Das allsehende Auge Gottes ist ursprünglich ein christliches Symbol. Es ist in der Zeit als die Kirche errichtet wird modern. In dieser Zeit entstanden auch die ersten Freimaurerlogen. Sie haben dieses Symbol in ihre Bildsprache überkommen. In der St. Peterkirche handelt es sich um Gold vor blauen Grund. Die Farbe Blau gilt als Symbol der Freimaurer. Letztendlich ist es aber nur ein kleines Detail der Geschichte, was nicht überprüft werden kann. Zuggeben, die Idee, dass die Errichtung der Propagandakirche, die eine vorangegangene Pestepidemie instrumentalisiert, auf diese Art von einem oder zwei freidenkenden Revoluzzern ad absurdum geführt wurde, ist charmant. Überprüfen lässt sich das allerdings nicht. Matthias Steinl, der Bildhauer, der die Kanzel erschaffen hat, auf der sich das Symbol findet, scheint jedenfalls keine Verbindung zu einer solchen Organisation gehabt zu haben.

Die Reliquien der St. Peter Kirche

Der Reliquinschrein mit dem Heilign Benediktus in der St. Peterkirche. Der Leichnahm befindet sich in einem gläsernden sarkophag. Über ihm Ist ine Darstllung der Maria mit kind, in Form von der Ratgeberin. Dahinter befindet sich ein Großes nur halbforografiertes Gemälde, das einen Erzengl Zeigt, der andere niederringt. Links und Recht der Gesammtszenerie befinden sich zwei weitere Marmorfiguren, si verkörpern zwei weitere Erzengel

Der Heilige Benediktus

Die St. Peter Kirche wurde 1722 fertiggestellt. Also im Zeitalter des Barock und zu diesem gehörte, nicht nur das all sehende Auge Gottes, sondern Teile der katholischen Praxis wurden modernisiert. Dazu gehört die Neuaushandlung der Idee Reliquien zu zeigen. 1733 werden in diesem Sinne zwei Skelette von Kardinal Kollonitsch nach Wien gebracht. Die Skelette stammen aus Rom – es soll ich um Märtyrer handeln – was sich allerdings nicht belegen lässt. Die beiden Toten stammen aus dem 3. Jahrhundert, also aus der Zeit in der Christen in Rom noch verfolgt wurden (Lese zum Beispiel mehr über die Verehrung von Frauen die sich damals geopfert haben). Im Barock wurden die Katakombengräber der frühen Christen ausgeräumt, und als Reliquien verehrt. Die Idee dahinter war, dass diese Menschen mit Christus lebten. Den Skeletten werden in der Reliquienverehrung Namen gegeben, die sie im echten Leben nicht hatten. Angelehnt an katholische Heilige, die so stellvertretend dargestellt werden. Sie werden in Vitrinen drapiert und nach dem modischen Geschmack des Barock gekleidet. Was auf mich pietätlos wirkt, soll hier für die himmlische Herrlichkeit stehen.

Ein Blumenstraus mit blaun Blumen steht vor einem gläsernen Sarkphag. Hier kigt kunstvoll drapiert in Skelett, das in in Juwlenbesetztes Kostüm eingpasst wurde

Der Heilige Donatus

An dem Reliquienschreins des katholischen Gewitterheiligen Donatus, findet sich dann noch eine Spur des neusten Kapitels der St. Peter Kirche. Das Vorsatzbild zeigt den heiligen Josefmaria Escrivá, Gründer des Opus Dei.

Was ist Opus Dei?

Opus Dei wurde 1928 in Madrid gegründet, nach einer angeblich göttlichen Eingebung. Dabei ging es darum, dass jeder im Alltag Gott begegnen könne, wenn er nur nach göttlicher Vollkommenheit strebe. Mit diesem Gedanken gründet sich Opus Dei als Priester und Laienorgaistation, die heute Einflussreich ist und konservative Gedanken vertritt. Die Mitglieder sollen ihr gesamtes Leben heiligen, z.B. durch Askese. Die Gruppierung steht dabei in der Kritik. Beispielsweise wegen schmerzhafter Bußpraktiken und einem Elitedenken, der Werten wie Mündigkeit und Gleichberechtigung entgegensteht. Dieser katholischen Gemeinschaft werden immer wieder sektenartige Strukturen unterstellt. Teils hat daran aber der Film von Dan Brown einen Einfluss der eher in die Welt der Hollywoodgeschichten gehört. Aber teils gibt es tatsächlich Aussteiger*innen, die Hilfe bei Sektenberatungen etc. gesucht haben. 1970 hat die Katholische Kirche die St. Peter Kirche an Opus Dei übergeben, die diese seit dem betreibt, verwaltet und nutzt. Ich persönlich finde diese Kirche sehr schön. Man sollte mal hereinschauen, wenn man in Wien ist. Um zu Staunen und um sich die Geschichte begreifbar zu machen. Aber ich war ebenso froh mich von diesem skurrilen Ort wieder entfernen zu können.

Zum Abschluss noch ein paar weitere eindrücke von der Pracht dieser Kirche:

Literatur:

Anmerkung: Dieser Artikel entstand während er Corona-Krise weswegen eine Fachbibliothek nicht aufgesucht werden konnte.

Wilfried Koch, kleine Baustilkunde, München 2001.

Peterskirche Wien – Ein kleiner Kirchenführer

https://www.stadt-wien.at/wien/kirchen/peterskirche.html

https://www.monumente-online.de/de/ausgaben/2018/5/Waldsassen-HeiligeLeiber.php

http://www.peterskirche.at/home/

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Illuminaten

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Freimaurer

https://www.kirche-und-leben.de/artikel/opus-dei-was-ist-das-eigentlich

https://www.deutschlandfunk.de/opus-dei-umstrittene-priesterorganisation-bekommt-neuen.2852.de.html?dram:article_id=377090

https://www.heiligenlexikon.de/BiographienD/Donatus_von_Muenstereifel.html

https://austria-forum.org/af/AEIOU/Peterskirche

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Peterskirche

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