Ausflugstipp – Das Holstentormuseum

Lübeck ist eine Stadt, die Geschichtsbegeisterte auf Norddeutschlandtour definitiv erkunden sollten, denn das Herz der Hanse hat einst hier geschlagen. Am bekanntesten, ist das Holstentor, ein ehemaliges Stadttor des Lübecks aus dieser Zeit, in der starke Wallanlagen einen Ort des Handels schützten. Es ist heute unweit des Bahnhofs, leicht zu finden, kein Wunder, ist es doch Bestandteil des UNESCO-Welterbes und damit ein Must-see für alle Kulturinteressierten auf Nordtour. Das tolle ist: Man kann das Holstentor nicht nur von außen ansehen, denn im Inneren befindet sich ein Museum, dass sich der Stadtgeschichte und dem Tor selbst widmet. Ich möchte euch mitnehmen zu einem Ausflugstipp in ein einzigartiges Kulturerbe:

Eine Frau mit braunen Locken steht vor dem Holstentor. Sie trägt eine Jeansfarbene Jacke und zieht sich die Kapuze ins Gesicht, denn es regnet.

Als ich Lübeck für euch erkundet habe, musste sich das norddeutsche Wetter natürlich von der besten Seite zeigen, und des regnete nur so darauf los.

Der Eintritt kostet 8 €. Das wäre für ein normales Ortsmuseum etwas teuer, aber immerhin ist man ja auch in dem historischen Gemäuer und dafür lohnt sich der Eintritt zusammengefasst dann wirklich. Bemerkenswert ist, man läuft in der Ausstellung in dem Tor umher und quetscht sich dabei die Wendeltreppen entlang.

Ein enges Geziegeltes Wendeltreppenhaus.

Es sieht schon toll aus, diese Wendeltreppe. Aber: Sie ist eng.

Das führt dazu das es hier starke historische Vibes gibt, man kann die Geschichte der Mauern die einen umgeben mehr als spüren. Diese Treppenhäuser sollte man aber auch mit einkalkulieren, wenn man an Klaustrophobie leidet, denn es ist echt eng, vor allem wen einem jemand entgegenkommt. Cool ist, das Gefühl, das man für das Holstentor bekommt: Zum Beispiel kann man zum Teil bis in die obersten Stockwerke gehen, aber: Von innen wirkt das alles gar nicht hoch.

Eine Schießscharte im Holstentor, die Wand verläuft sich zur Öffnung hin verjüngend, damit man diese Schießscharte überhaupt nutzen kann. Eindrucksvolle 3 Meter Dicke Wände umgeben das winzige Loch durch das Licht fällt.

Es ist bemerkenswert, wie Dick die Mauern sind.

Denn man ist durch die 3 Meter dicken Stadtormauern gut geschützt im inneren, aber auch irgendwie abgeschottet. Es ist ein Erlebnis, sich diese Mauerdicke bewusst zu machen, wenn man eine der bis heute erhaltenen Schießscharten erkundet, oder sich Fenster ansieht. Besonders an diesem Museum ist, dass die Ausstellungsräume in der Nazizeit erschaffen wurden. Nach dem Krieg wurde ein Militärmuseum im Inneren abgebaut und 1950 in ein neues Museum zu Lübecks Stadtgeschichte umgebaut. Das Museum wurde immer wieder überarbeitet, zuletzt zwischen 2002 und 2005.

Eine große Runde Halle mit einer Galerie. Alles ist in Ziegelbauweise erreichtet.

Man darf die Galerie heute betreten, und von hieraus, in der Luft frei schwebende Schiffsmodelle bewundern.

Es ist heute also ein recht normales Stadtmuseum, aber eben mit einer ganz besonderen Stadtgeschichte. Die im Fokus steht. Aber ein architektonisches Element erinnert noch stark an die Nazizeit. Eine Halle im Nordturm, in der Schiffe aufgehängt sind. Man hatte das Tor so umgebaut, dass eine eindrucksvolle Galerie die Halle noch imposanter erscheinen lässt und das Gebäude glorreicher wirkt als im historischen Original. Später wurde dieser imposante Raum einfach für die Präsentation der Ausstellungsinhalte umgenutzt.

Die Ausstellung

Das Tor entstand zur Zeit der Hanse im 15. Jahrhundert. Es ist Bestandteil ganz verschiedener Phasen der Geschichte Lübecks und einige davon werden in der Ausstellung gezeigt. Besonders toll sind in dem Museum große Modelle, bei denen man sich die alte Stadt Lübeck in voller Pracht vorstellen kann.

Ein aus Holz gebautes Modell der Stadt Lübeck von weitem

An so einem Modell kann man sich gar nicht sattsehen. Selbst wenn man ewig davor steht, hat man noch nicht alles gesehen. Aber: wer das Modell gut betrachtet hat, kann sich danach besser bei einem Spaziergang durch Lübeck zurechtfinden.

Aber es gibt auch viele Kleinigkeiten zu entdecken, wie lübecker Heiligenfiguren, oder auch kleine Büchsen zum Sammeln von Geldern für gute Zwecke. Besonders gruselig ist ein Bereich, der sich mit Folter beschäftigt. Eine Streckbank wird dabei beispielsweise gezeigt. Und es scheint mir so, dass die Ausstellungsräume manchmal nicht ganz zusammenpassen. Zum Beispiel die Thematisierung von Folter in dieser Form wirkt eher wie dazugestellt, aus einem ganz anderen Museum.

Ein Holzschild mit der Aufschrift Hure. Ein weiteres mit der Aufschrift Hurenwirtin. Daneben zahlreiche verschiedenartige Eisenfesseln für Arme, Beine usw.

Wobei, zugegeben: Diese Schandschilder und Fesseln aus dem 18. und 19. Jahrhundert erzählen wiederum eine interessante Geschichte aus Lübecks Vergangenheit.

Das ist ein bisschen schade, weil man mit mehr Kontext die Zusammenhänge besser begreifen könnte. So wurde das Holstentor ausgebaut, zu Zeiten der Hexenverfolgung. Ein Hexenturm wurde damals in Lübeck erreichtet. Diesen gibt es heute nicht mehr. Und so ist es historisch korrekt dieses Thema an einem Ort zu zeigen der Gleichzeitig für die Sicherheit in Lübeck steht.

Zusammengefasst gesagt

Insgesamt muss ich sagen. Es gibt nicht den einen Ausstellungsinhalt, den ich für besonders interessant halte. Vielmehr ist die Gesamtkomposition des Museums in den historischen Mauern schön. Man kommt nicht her, um Geschichte zu entdecken, sondern man kann sie förmlich atmen. Da ist es ein bisschen schade, dass die Nazis das Tor von innen Umgebaut haben. Die Stockwerkhöhen befinden sich nicht mehr in der Originalhöhe. Damit sollte die Architektur damals eindrucksvoller gestaltet werden, heute führt es dazu, dass der authentische Charme verloren gegangen ist. Man sieht das deutlich bei der Positionierung der Schießscharten, welche viel zu hoch oder zu tief liegen beim Erkunden. Der authentische Blick nach außen ist dadurch verschwunden. Davon abgesehen wird in dem Museum aber die Chance ergriffen, eine möglichst gute Ausstellung zu zeigen. Deswegen kann ich dieses kleine Museum dennoch mit den Worten, dass man hier Geschichte atmen kann, empfehlen.

Ein Schiff hängt inmitten einer Runden Halle. Es ist gut ausgeleuchtet. Alles wirkt harmonisch.

Andererseits muss man sagen: Gerade durch diese Umbauten werden Inszenierungen wie diese möglich.

Im Vergleich kann ich mich an kein andres Museum erinnern, das auf so engen Raum ein einzigartiges Kulturerbe mit einer Ausstellung verbindet. Zwar gibt es viele historische Museen, an historischen Orten. Besonders schön ist zum Beispiel das Wasserschloss Werdringen in Hagen, oder aber, das Pfahlbaumuseum Lago die Ledro, direkt neben dem Fundplatz der Originalfunde. Aber die Vergleiche hinken, denn das Holstentor hat eine ganz eigene ganz besondere Symbolkraft, die vor allem Marzipanfans wie ich kennen.

Eine hölzerne Marzipanform, und ein in Salzteig gegossenes Druckergebnis. Das Motiv stammt aus dem 17. Jahrhundert. Es zeigt ein Essen des Lübecker Rates.

Und natürlich wird im Holstentor auch auf das berühmte Lübecker Marzipan hingewiesen. Und z.B. diese historische Marzipanform gezeigt.

Ich kann also jedem, der sich für die Hanse, das Mittelalter, die norddeutsche Geschichte oder aber Weltkulturerbestätten interessiert nur empfehlen, das Tor nicht nur von außen, sondern auch von innen zu betrachten. Denn das ist ein Erlebnis, woran man sich immer wieder erinnern wird. Aber ich muss sagen: Ich war auch als Schülerin einmal mit meiner Klasse dort und erinnere mich daran, wie wir durch das enge Tor gewuselt sind, alles war laut und vor lauter Pubertät hat niemand irgendwas verstanden. Diesen Ort sollte man alleine oder in kleinem Kreis besichtigen, einfach, weil es so eng ist. Wenn man dann Glück hat, hat man die Ruhe auch mal in einem Ausstellungsraum ganz für sich alleine zu sein und die Atmosphäre zu genießen. Hinter den drei Meter dicken Mauern ist das ganz einzigartig und erschafft wirklich unvergessliche Momente. Und die lohnen sich.

Das Holstentor von weitem.

Nächsten Freitag geht es hier mit der Entstehung des Holstentors weiter!

Nicht zuletzt, wenn man die Geschichte des einzig verbliebenen mittelalterlichen Stadttors kennt. Und genau darum soll es hier in den nächsten Wochen gehen, denn das war Teil 1 meiner neuen 5-teiligen Serie! Nächste Woche möchte ich euch hier erzählen, wie dieses Wahrzeichen entstanden ist! Ihr dürft gespannt sein.

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Literatur:

Wulf Schadendorf: Das Holstentor – Symbol der Stadt Gestalt, Geschichte und Herkunft des Lübecker Tores, Lübeck 1977.

Schlagwort: Holstentor-Museum. In: Lübeck-Lexikon – Die Hansestadt von A – Z, Antje Graßmann (Hrsg.), Lübeck 2006.

https://www.monumente-online.de/de/ausgaben/2005/5/bollwerk-hanseatischer-macht.php

6 Gedanken zu „Ausflugstipp – Das Holstentormuseum

  1. Danke für den schönen Bericht. Ich hatte zuletzt öfter in Lübeck zu tun, und bin häufig am Holstentor vorbeigekommen (mit dem Bus, und wenn ich etwas Zeit hatte, zu Fuß). Dabei muss ich jedesmal an diese Streckbank denken. Ich war auch mal mit der Schulklasse dort, dritte oder vierte Klasse, also Mitte der 1970er Jahre … wir waren einfach nur ungeheuer fasziniert, ich wusste bis dahin nicht, dass Menschen sich so etwas antun.

    Als Kinder konnten wir das nicht wirklich erfassen, was das bedeutet, und fanden das vor allem irgendwie witzig, wie eine Kuriosität. Heute bedeutet es abgrundtiefen Schrecken für mich, das schlimmste, was Menschen einander antun können, bis heute …

    Ich hatte mir öfter vorgenommen, mir diese Streckbank nochmal anzusehen, mich interessiert, wie das präsentiert und eingeordnet wird, und wie es heute bei mir ankommt. Das werde ich sicher noch einmal machen, danke für die Anregung 🙂

    Den Eintritt finde ich auch sehr teuer, ich würde mir wünschen, dass wir der englischen Tradition folgen, dass alle Mussen umsonst sind (zumindest ja die großen Londoner Museen).

    Das Hansemuseum in Lübeck ist auch sehr sehenswert, und hat mir gut gefallen. Ich hatte mich dort sogar mal als Museumsführer beworben (Quereinsteiger), wurde aber leider nicht genommen. viele Grüße, Dampier ^^

  2. Ich habe mit einer brasilianische Freundin die Folterkammer besichtigt. “Wurden hier früher die Sklaven gezüchtig?” war ihr Frage.

    In Brasilien wurde die Sklaverei übrigen 1888 abgeschafft. 57 Jahre, bevor dies in Deutschland geschah. Die Frage war also gar nicht so abwegig.

  3. Pingback: Holstentor – wie ein Wahrzeichen entstand | Miss Jones

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