Caral-Supe verdammt clever in Südamerika

Es ist ca. 3000 vor Chr., in Europa bauen neolithische Siedler die ersten Megalithgräber, in Ägypten entstehen die ersten Pyramiden und in Asien beginnt sich die Induskultur zu formieren. Während dessen passiert auf der anderen Seite der Welt gewaltiges. Die Heilige Stadt Caral-Supe im heutigen Peru wird errichtet. Knapp 3.000 Einwohner leben in einer Metropole die gebaut wird, in einer Zeit ohne Metall, ohne das Rad, noch nicht einmal Keramik ist diesen Menschen bekannt.

Luftbild der Stadt Caral. Eine Wüstenlandschaft aus Bräunlichen sand in der sich baustruckturen abzeichnen. Es handelt sich um ein sehr großes unüberschaubares Gebiet.

Die Stadt Caral von Oben (Bild: Ministerio de Defensa del Perú (CC BY 2.0)).

Die Siedlung Caral ist sehr günstig gelegen. Nur etwa 25 km von der Pazifikküste entfernt liegt sie im Schwemmland des Flusses Rio Supe. Am Flussufer findet sich fruchtbarer Boden am Rande der peruanischen Halbwüste.

Handel, der Antrieb von Caral

Durch die Küstennähe und den Fluss gibt es Fisch. Aus dem Inland und den Andenregionen kommen Händler*innen in die Stadt. Sie handeln mit Baumwolle, aber auch mit Feldfrüchten. Kürbisse kommen so in den Ort. Und diese sind nicht nur eine wichtige Nahrungsergänzung, sondern auch die einzige Form von Keramik, also Aufbewahrungsgefäß, dass die Einwohner*innen von Caral kennen.

Im Hintergrund sind Braune Große Sanddünen und Berge zu sehen, im Vordergrund die Flache Grüne Landschaft in der sich die Ruienen von Caral erstrecken.

Die Ruinen von Caral in der Ebene des Rio Supe (Bild: Thayer (CC BY-SA 3.0)).

Gleichzeitig verkaufen die Bewohner*innen von Caral eigene Produkte. Sie sind frühe Meister*innen der Konservierung. Beispielsweise Trockenfisch gelangt über diesen Handelsplatz in die Anden.

Ein besonderer Punkt bei dieser Kultur ist: das Bewässerungssystem.

Die Felder der Umgebung können dadurch bestmöglich genutzt werden. Die Ernte ist gut. Analysen der Knochen aus Bestattungen, die in Zusammenhang mit Caral stehen, zeigen eines deutlich: Die Leute waren verdammt gut ernährt. Das Bewässerungssystem, durch das all das möglich wird, ist möglicherweise eine Erfindung aus Caral. Bislang ist kein älteres Vorbild für diese Wirtschaftsweise in Südamerika bekannt. Es scheint selbst das Vorbild zu sein. Möglicherweise leben in Caral die Vorgänger der Nazca und/oder der Inka. Das Wassersystem funktioniert so gut, dass sich nach und nach noch mindestens 27 weitere Städte in der Umgebung gründen, die alle nach diesem Vorbild funktionieren.

Blick auf einige Monumentalbauten von Caral. Zu sehen sind Riesengroße Gebäudestruckturen, und ein gewaltieger Kreisrunder Hof mit einer dicken Ummauerung.

Gewaltige Bauten werden durch diese florierende Wirtschaft möglich (Bild: MI PERÚ (No Copyright)).

Eines ist deutlich. Diese Kultur ist älter als die großen südamerikanischen Kulturen. Es handelt sich um die älteste bekannte durchdifferenzierte Siedlung in ganz Südamerika. Durchdifferenziert heißt hierbei: Es gab eine Stadt mit einer Hierarchie, die sich in den Baustrukturen äußert. Hierzu gehört zum Beispiel ein deutlich abgegrenzter Tempelbezirk. Hier finden sich Hunaca, bis zu 4 m große Megalithe aus Granit neben 6 eindrucksvollen Pyramiden. Die Größte ragt gut 20 Meter in die Höhe. Auf dem Dach der Pyramide befindet sich ein Altar an dem Zeremonien durchgeführt wurden. Einige in diesem Zusammenhang gefundene Idolfiguren, aber auch ein Altarfeuer in dem Schneckenhäuser und Fischgräten gefunden wurden sprechen bis heute davon. Besonders ist dabei: Die Pyramiden sind erdbebensicher gebaut. Im Inneren der Baustruktur wird alles mit Seilen zusammengehalten, die sich in Perus trockener Halbwüste bis heute erhalten haben.

Im Vordergrund ist eine Große Steinsäule zu sehen, und im hintergrund führt ein mein Steinen begrenzter Weg zu einer Pyramide.

Ein solcher Großstein vor einer der 6 Pyramiden (Bild: Vicente (Pixabay Lizenz)).

Natürlich gibt es in der neolithischen Stadt auch Wohnbezirke. Analysen zeigen, es wird in weiß, gelb und rot bemalten Häusern gelebt. Sehr häufig gibt es in diesem Ort Feuerstellen. Feuer für kulturelle Anlässe sind genauso wichtig in Caral, wie Feuer zu den verschiedensten alltäglichen Zwecken, wie zum Beispiel beim Haltbarmachen von Lebensmitteln. Für die Archäologie ist das ein Glück denn an verkohlten Resten lässt sich eine Radiokarbondatierung durchführen. Sie zeigt: Die meisten Feuer stammen aus der Zeit um 2600 vor Chr.

Das rätselhafte Ende der Kultur

Wann die Kultur verschwindet, ist bislang nicht ganz klar. Aber es zeigt sich: Die Kultur ändert sich im Laufe der Zeit. In einer letzten Bauphase werden die Pyramiden erweitert. Runde Amphitheater entstehen dabei im Kultbezirk. Welche Funktion diese hatten bleibt genauso unbekannt, wie der Grund, warum die Siedlung und auch die anderen Siedlungen dieser Kultur schließlich verlassen werden.

Eine runde massive Baustruktur hebt sich vom Wüstenboden ab. Es handelt sich um eine mehrere meter dicke mauer, die etwa 1 meter hoch ist.

Es sieht unglaublich toll aus. Aber es ist ein Rätsel, wofür man diese Rundbauten braucht (Bild: Navarro (No Copyright)).

Bis zum Schluss blieb die Ernährungslage in der Region überwältigend gut. Von daher gibt es verschiedene Ideen warum diese Art zu leben aufgehört hat. Evtl. kommt es zu einer Überbevölkerung, die das Leben in dieser Art Siedlung sehr unangenehm macht. Eine andere Idee ist, dass das Wetterphänomen El Ninio möglicherweise eine Zeit lang sehr stark ist. Die Stadtbewohner beginnen das Leben in den Anden vielleicht deshalb zu bevorzugen. Ein Krieg oder eine gewaltsame Auseinandersetzung lässt sich nach derzeitigen Forschungsstand ausschließen. Es gibt keinerlei Spuren, die darauf hinweisen. Den Einwohner*innen von Caral ist eine Objektgruppe anscheinend gänzlich fremd: Waffen. Dafür finden sich in dieser Siedlung auffällig viele Flöten. Alleine 32 Querflöten aus Pelikan- und Kondorknochen sind Archäologen bislang bekannt. Es stellt sich die Frage: Lebt im Neolithikum Perus eine Kultur, die lieber musizierte als sich zu streiten?

Im Hintergrund verschwinden die Anden in den Wolken. Im Forderung dind die Ruinen von Caral zu sehen. Eine Strasse führt in Richtung von Pyramieden, davorgelagert ist ein bereich mit vielen kleinen Gebäuden und eine Prachtstrasse führt aus dem Bild heraus.

Das Leben in Caral war gut. Es bleibt ein Rätsel warum der Ort verwunden ist (Bild: Zanuccoli (CC BY-SA 2.0)).

Es bleibt in Bezug auf diese Kultur spannend, denn: Die Erforschung der Siedlungen ist noch nicht sonderlich weit fortgeschritten.

Viele offene Fragen beschäftigen die Forschung.

Es handelt sich vermutlich um einige der interessantesten Rätsel der Archäologie. Aber bislang ist weder diese Stätte, noch die 27 anderen bekannten Orte dieser Zivilisation in der archäologischen Fachwelt sonderlich groß bekannt. Die Kultur hat bislang noch nicht einmal einen Namen, sondern wurde nur grob dem Präkeramikum zugewiesen. Das sind alle Kulturen weltweit die neolithische Züge haben, also sesshaft sind, und Ackerbau betreiben, aber noch keine eigene Keramik entwickelt haben. Seit 2006 ist Caral UNESCO-Weltkulturerbe. Angesichts dessen, dass die Bewohner von Caral unfassbar clever gewesen sein müssen, um diese Art Stadt in einer so frühen Zeit zu bauen, ein definitiv verdienter Titel. Zu hoffen bleibt, dass eine Zeit kommt, in der diese Kultur mehr Aufmerksamkeit von der Forschung bekommt.

Anmerkung:

Dieser Beitrag entstand für den Miss Jones Adventskalender 2020. Aufgrund der Corona-Einschränkungen ein Adventskalender, der zum Träumen an Fremde Orte anregen soll. Eine Vorfreude auf die Zeit nach der Pandemie. Ich stelle hier ausschließlich Orte vor, an denen ich selber noch nicht war, wo ich aber selber gerne einmal hin möchte.

Literatur:

https://www.geo.de/magazine/geo-epoche/10699-rtkl-peru-amerikas-aelteste-stadt-entdeckt?SDSID=

https://www.peru.travel/de/masperu/caral-die-wiege-der-altesten-zivilisation-amerikas

https://whc.unesco.org/en/list/1269/

https://science.sciencemag.org/content/292/5517/723

https://www.latinamericanstudies.org/caral-maps.htm

Die Ruinenstadt von Caral – 5000 Jahre alte Frühkultur