Von mittelalterlichen Wasserleitungen

Etwas was bei Bauarbeiten in Städten relativ häufig gefunden wird, sind Wasserleitungen aus dem Mittelalter. Es handelt sich dabei nicht unbedingt um Gegenstände, welche immer gleich aussehen. Die Wasserversorgung wurde in den verschiedenen Städten des Mittelalters ganz unterschiedlich gelöst. Und auch die Leitungssysteme selber unterschieden sich dabei. Es ist eine Wissenschaft für sich, das zu erforschen. Ich hatte einmal das vergnügen, mit einem Übergangstück einer Wasserleitung aus Hamburg konfrontiert zu werden. Eine aus Blei gearbeitete Übergangstelle, an der zwei ausgehöhlte Baumstämme zusammengesteckt wurden ein bisschen wie Lego. Im Hamburg des Mittelalters waren diese Wasserleitungen nur unter Planken versteckt, sodass man nur einige Holzstücke hochnehmen musste, um ein defektes Stück Leitung auszutauschen. Bei einem Wasserrohrbruch konnte so schnell Abhilfe geschaffen werden.

Blick in einen Ausgehöhlten Baumstamm. Der Stamm ist Stark vergangen. Das Loch in der Mitt ist ausgefressen und unrund.

Ein Stück mittelalterliche Wasserleitung aus Innsbruck. (Ausgestellt im Stadtmuseum Innsbruck)

Ab 1540 werden z.B. in Innsbruck solche Wasserleitungen aus ausgehöhlten Baumstämmen verlegt. Und auch wenn es nicht so aussieht, es gab genormte Maße, für diese Rohrleitungen. Offenbar hat dieses System gut funktioniert. Es war bis 1825 in Betrieb und wurden erst dann von Eisenrohren ersetzt. Oft überraschen Funde wie diese. Gilt doch landläufig die Auffassung, dass das Wissen über Strukturen wie Wasserleitungen nach der Antike, verloren gegangen sei. Tatsächlich verhält es sich anders. Die antike Strukturierung der Gesellschaft gibt es im Mittelalter nicht mehr. Dadurch auch die Vereinheitlichung bestimmter baulicher Strukturen. Es werden also keine genormten Wasserleitungen mehr in einem riesigen Einflussbereich errichtet. Doch das Wissen ist in dieser Zeit noch vorhanden. Es wird sehr individuell an die Gegebenheiten der Städte angepasst umgesetzt. Ganz ohne Ingenieurhandbücher. Und von daher regional unterschiedlich. Und so sahen die Wasserleitungen von Hamburg und Innsbruck ganz unterschiedlich aus, aber es gab sie und in jedem Bereich sogar genormt.

Das Rad einer Wassermühle. Ein Holzkonstruckt in einem Kanal.

Wassermühlen waren auch in der Industrialisierung lange wichtig. Diese hier ist der Antrieb eines Kupferhammers (Ausgestellt im Freilichtmuseum in Hagen).

Eine mittelalterliche Stadt ist meist sogar stark vom Wasser abhängig. Die Versorgungssysteme dienen dabei meistens nicht direkt den Privathaushalten. Viel mehr werden vorrangig die Handwerksbetriebe versorgt. Beispielsweise Bierbrauer brauchten in ihrer Produktion Wasser. Doch es gibt nicht nur Wahren welche Wasser als Zutat enthalten, sondern auch in Form von Energie. Aber auch Kanäle werden angelegt, um Wassermühlen zu betreiben. Sie sind die Motoren der mittelalterlichen Industrie. Betriebe die notwendig sind, damit in der Stadt das Leben erblühen kann. Manchmal ist das auch mit Problemen behaftet. Aus Stralsund ist beispielsweise schriftlich überliefert, dass 1418 ein Wanderwasserbauer ein kompliziertes Wasserversorgungssystem in der Stadt installierte. Als dieser weiter zog zerfiel sein System sehr schnell, da es im Ort niemanden gab, der wusste wie man es repariert. Und wenn wir ehrlich sind: Ohne Wasser funktioniert bis heute nichts in unserer Gesellschaft. Dabei ist ein eigener Wasseranschluss mit sauberen Wasser gar nicht so selbstverständlich wie es in unserem Alltag wirkt – Es steckt eine lange Geschichte und viel Knowhow dahinter.

Literatur:

Teile dieses Textes basieren auf den Informationen, die ich bei einer Führung in den Wasserwerken Hamburg erhalten habe.

M.Gechter: Die Wasserversorgung im Mittelalter. In: Geschichte der Wasserversorgung, Band 4. Mainz 1991.

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