Im Norden Europas hat sich in der Bronzezeit eine ganz besondere Bestattungsform herausgebildet: Baumsärge. Für die Archäologie besondere Funde – wahre Glücksfälle der Forschung. Es handelt sich um ausgehöhlte Baumstämme, meistens Eichen. Die Baumstämme wurden aufgeschnitten und in der Mitte des Baumes wurde eine verstorbene Person platziert. Doch nicht nur das macht diese Bestattungen besonders, diese Bestattungen sind wahre Zeitkapseln aus der Zeit vor 3000 Jahren.
Bei Baumsärgen handelt es sich um Luxusbestattungen in der Bronzezeit.
Die Baumsärge waren oft auf eine Art Steinbett gelegt, und dann wurde ein Hügel über ihnen aufgeschüttet, auf denen zur Befestigung Gras wuchs. Nicht nur das Aushöhlen des Baumes war arbeitsintensiv – auch der Bau der Grabkammer, der Steinsetzung und das Aufschütten des Hügels bedeutet für die Gemeinde ein Kraftakt.

Die Darstellung einer Baumsargbestattung im begehbaren Grabhügel im Steinzeitpark Dithmarschen. Hier wird wirklich gut erklärt, wie so ein Grabhügel aussieht. (Bild: Geesche Wilts (CC BY-NC 3.0 DE))
Es sind also besondere Menschen, die auf diese, ganz besondere Weise geehrt wurden. Nicht jeder hatte die Möglichkeit, ein so reiches Begräbnis zu bekommen. Das wird immer auch wieder an den meist kostbaren Beigaben, die in diesen Gräbern platziert wurden, deutlich. Und auch noch an etwas anderem:
Die Position der Bestattung:
Oftmals liegen solche Baumsärge zentral in den Grabhügeln dieser Zeit, die immer größer wurden, weil mehr und mehr Bestattungen rund um eine solche Erstbestattung gemacht wurden. Man hat also erst eine ehrwürdige Person auf diese Art bestattet. Und dann auf dem gleichen Hügel eine weitere Person. Dabei hat man den Hügel ein bisschen mehr aufgeschüttet. Und dann noch eine und noch eine und immer so weiter. Jedes Mal wurde der Hügel gewaltiger. Aber in Zentrum blieb das Erste, das scheinbar wichtigste, Grab bestehen.

Eine rekonstruierte Brandbestattung auf einem Steinbett aus dem begehbaren Grabhügel im Steinzeitpark Dithmarschen (Bild: Geesche Wilts (CC BY-NC 3.0 DE)).
Die Ideen, warum man das so gemacht hat, sind vielfältig. Sie gehen von einer mythischen Gründerfigur, in dessen Nähe man beerdigt werden wollte, bis hin zu der Idee, dass so im Tode Familien wieder vereint wurden. Genau weiß man das nicht. Klar ist, der Ruhm, der zentral bestatteten Person muss außergewöhnlich gewesen sein. Aber auch die Nachbestattungen waren aufwendig. Dabei handelt es sich also auch vmtl. um Personen, die nicht ganz unwichtig gewesen sind. Leider sind es oft Urnenbestattungen, die man viel schwerer untersuchen kann.
Woher kennt man diese Bestattungen?
Weit verbreitet ist diese Art der Luxusbestattung vor allem im heutigen Dänemark, und in Schleswig-Holstein. Grabhügel sind noch viel Weiter verbreitet, aber Baumsärge findet man vor allem im Norden. Die ältesten bekannten Niederlegungen dieser Art stammen aus der Zeit um 1.400 v. Chr. einen Boom erlebte diese Bestattungsform in den folgenden 50 Jahren. Und diese Zeiträume lassen sich ganz genau feststellen. Und zwar anhand sog. Dendrodaten. Das heißt übersetzt Holzdaten. Um diese Daten zu erfassen, werden bei einem Holzstück die Jahresringe untersucht.

Hier ist das einmal im Museum in Buxtehude gezeigt: man Jahrringe im Holz genau zuordnen (Bild: Geesche Wilts (CC BY-NC 3.0 DE)).
Dadurch kann man das Fälldatum eines Baumes bestimmen, und zwar auf das Jahr genau (Wie das funktioniert, kannst du hier nachlesen). Aber nicht nur, weil man so genau das Datum von einer Bestattung erfahren kann, lieben wir in der Archäologie Baumsärge. Durch das chemische Milieu in einem solchen Baumsarg erhalten sich viele Überreste, die dort eingeschlossen wurden, besonders gut. Das erlaubt uns einen besonderen Blick auf die nordische Bronzezeit.
Was erhält sich denn in einem Baumsarg, was sonst verloren geht?

Das Egtved Mädchen – eine ca. 16 Jahre junge Frau, die eine ehrenvolle Bestattung in einem Baumsarg erhalten hatte (Bild: FinnWikiNo (( CC BY-SA 3.0).
Textilen – So sind zum Beispiel manchmal die Kleidungsstücke erhalten, mit denen die Menschen beigesetzt wurden. Textilien erhalten sich unter anderen Umständen besonders selten, und gehören von daher zu den größten aller archäologischen Schätze. Die bekannteste Bestattung dieser Art ist vermutlich das Mädchen von Egtved. Bei dieser Bestattung hatte sich beispielsweise ein Minirock erhalten. Aber auch das Haar der Verstorbenen, welches dann noch weitergehend analysiert werden konnte. Gegen 1.200 v. Chr. verschwand dann der Brauch, Tote so niederzulegen. Es begann die Zeit der Brandbestattungen. Die Urnen wurden aber weiterhin bei den alten Hügeln beigesetzt. Und so kommt es, dass Archäologen an solchen Fundplätzen die Lebensgeschichten vieler Abschnitte der nordischen Bronzezeit finden. Und das konzentriert auf einen Fundort – zumindest, wenn die Grabhügel erhalten sind.
Warum sollten sie denn nicht erhalten sein?
Zu Beginn der Archäologie, waren es meistens Familien aus dem Bürgertum, die sich mit der Vergangenheit beschäftigten. Es gab viele Familien, die am Sonntag Ausflüge zu alten Grabhügeln machten, und anfingen als Freizeitvergnügen in ihnen herum zu buddeln. Bis heute kann man das oft sehen. Viele Grabhügel sind getunnelt, haben einen Kegelförmiges Loch von oben, oder sind anders beschädigt worden. Die Frühen Archäologiebegeisterten des 18ten und 19ten Jahrhunderts wollten natürlich an die Hauptgrabkammer gelangen, weil sie da den größten Schatz vermuteten. Damals hatte Archäologie noch weniger mit Wissenschaft als mehr mit Schatzsuche und Grabräuberei zu tun.

Grabhügel aus der Bronzezeit im Steinzeitpark Dithmarschen – dieser Hügel hier ist auch beschädigt, ein ganzes Stück seiner Unterkante wurde vom einem Pflug wegrasiert, in der Zeit bevor dieser Hügel zum Museum gehörte (Bild: Geesche Wilts (CC BY-NC 3.0 DE)).
Dabei sind viele Fundkomplexe auseinander gerissen worden, und viele Funde, vor allem aber Zusammenhänge, sind für immer verloren gegangen – man kann heute davon ausgehen, dass es im Grunde keine Grabhügel mehr gibt, die nicht geplündert oder gestört wurden. Aber andererseits, war das auch der Beginn der Archäologie. Nur hat man dabei halt sehr viele Erkenntnisse für immer zerstört. Aber es gibt auch andere Schäden – Grabhügel, die nicht bemerkt wurden, um im Laufe der Jahrtausende weg gepflügt wurden zu Beispiel – deshalb gibt es heute sehr viel weniger dieser Monumente, als einmal angelegt wurden, und jeder einzelne Hügel ist ein Denkmal. Man versucht sie zu erhalten, indem in der Regel Untersuchungen und Grabungen an Grabhügeln nur in absoluten Ausnahmefällen erlaubt sind.
Literatur:
Reallexikon der germanischen Altertumskunde 26, Schlagwort: Sarg und Sarkophag.
http://www.landesarchaeologen.de/fileadmin/Dokumente/Dokumente_Kommissionen/Dokumente_Grabungstechniker/Grabungstechnikerhandbuch/11_2_Norddeutschland_Version_2016.pdf
https://www.scinexx.de/news/geowissen/raetsel-um-bronzezeit-tote-geloest/
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Sehr interessanter Artikel, danke.
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Ich lese sehr gerne, was du schreibst und freue mich, dass du bei bluesky bist.I Gibt es einen anderen Weg als Paypal, um dich zu unterstützen?
Doris
Derzeit leider nicht.