Leckeres aus der Bronzezeit – Aus dem Kochtopf der Minoer

Die Frage, was die Menschen lange vor unserer Zeit denn eigentlich so gegessen haben, ist nicht immer leicht zu beantworten. Aber es gibt immer wieder Funde, bei denen man mehr entdeckt. Und manchmal findet man sogar richtig viele kulinarische Spuren der Vergangenheit: In dem Palast von Malia z.B. – hier wurden auch Privaträume entdeckt und einige extra angelegte Vorräte eines sehr vielfältigen

Ein Großer Phitao, das ist ein reich verziehrtes ca 2m hohes Keramikgefäß, zwischen Ruinen aus rotem Stein.

Ein Großer Phitos, gefunden innerhalb des privateren Bereiches des Palastes von Malia.

Speiseplans. So lässt sich zeigen, es haben Menschen in diesem Palast gelebt und sie haben zum Teil bestimmte Sachen besonders gerne gegessen. Da bei dieser bronzezeitlichen Kultur, den Minoern, wirklich viele Vorratsgefäße (Pithoi) bekannt sind und man auch Umwelttechnisch die Umgebung untersuchen kann, lässt sich rekonstruieren, was denn in einem Palast so auf die edle Tafel gekommen ist.

Landschaft und Landwirtschaft bei Malia

Tatsächlich hat sie die Landschaft in Kreta seit der Bronzezeit kaum verändert. Die Pflanzenwelt ist ähnlich geblieben. In der Jungsteinzeit wurden auf der Insel weiträumig Wälder abgeholzt. Von diesem Kahlschlag hat sich dieser Flecken Erde bis heute nicht wieder erholt. Die Böden erodieren dadurch, das heißt: Ihre Qualität wird schlechter,

Eine Landschaft mit halbverdörrten grünen Pflanzen auf Roten Sandhügel, im Hintergrund Berge

Ein Blick in die Landschaft in der Umgebung von Malia.

weil es nicht mehr die richtigen Bäume gibt, die Wind und Sonne davon abhalten den Boden zu zerbröseln. Das Klima auf der Insel hat sich allerdings verändert, seit der Zeit der Minoer. Die Temperaturunterschiede zwischen den Jahreszeiten waren in ihrer Zeit geringer. Dafür gab es aber mehr Niederschlag. Dieser ist auf Kreta wenig berechenbar. Je weiter man nach Osten kommt, umso weniger regnet es, da sich die Wolken an den Bergen verfangen und dort abregnen. Und das sind alles Faktoren, die die Landwirtschaft und damit auch die Nahrungsmittel beeinflussen.

Was findet man nun essbares auf dieser sonnigen Regeninsel im Mittelmeer der Bronzezeit?

Bei einem Blick in die Küche gibt es drei Hauptlebensmittel zu entdecken. Weizen und Gerste waren schon vor der Bronzezeit beliebt und bleiben es auch in der Zeit der Minoer. In ihrer Küche findet sich dann aber auch Hafer. Äußerem ist Weinanbau auf Kreta ab der Bronzezeit bekannt. In Gournia konnte eine gesamte Werkstatt aufgefunden werden, welche zur Weinproduktion errichtet wurde. Anscheinend waren die Winzer*innen bei der Arbeit gestört worden, als ein Tsunami diese Stadt verschüttete. Teile der Werkstatt standen bei der Ausgrabung noch an Ort und Stelle, und so kann heute sogar der Produktionsprozess nachvollzogen werden.

Die Ruienen von Gournia Türmen sich auf. Es handelt sich um etwa Kniehoh Hasuruienen die inn Berghang hoch klettr und so im Hintergrund immer höher liegen. Die Mauerreste bestehen aus Grauem Stein.

Von einem Tsunami verschüttet, aber für die Archäologie Goldwert – Die Siedlung Gournia.

Außerdem fanden sich in den Töpfen dieser Kultur Hülsenfrüchte, Pistazien, Feigen und Mandeln. Das Klingt schon lecker. Die Frage ist aber, welches Gemüse gab es zu dieser Zeit – Ein Problem bei solchen Analysen ist: Gemüse verrottet so stark, dass es auch mit modernen Methoden kaum nachzuweisen ist. Aber aus Schrifttafeln ist bekannt, die Minoer bauten Salat, Sellerie, Zwiebeln, Knoblauch und unterschiedlichste Kräuter an. Möglicherweise gab es in dieser Zeit auch schon Sesam und Kümmel.

Eine jungs Frau mit weiser Haut und Blauem Zopf. Sie trägt ein orangenes langes Kleid mit blauen strefen und Pflückt safran.

Die Safranernte gezeigt auf einer Wandmalerei in Akrotiri. (Bild: Le Musée absolu)

Diese beiden Nahrungsmittel sind allerdings nur aus Importlisten bekannt. Sie wuchsen also nicht auf der Insel. Safran ist dagegen ein bekannteres minoisches Produkt. Eines der berühmtesten Wandmalereien der Bronzezeit zeigt eine Minoerin bei der Safranernte. Dieser ist allerdings nicht nur Nahrungsmittel, er kann zum Beispiel auch als Farbe verwendet werden. Das heißt, der Beleg, dass Safran geerntet wurde, sagt uns leider nicht, wofür man ihn verwendet hat.

Und was wurde so zubereitet?

Der Blick in minoische Töpfe zeigt, bei der Zubereitung und in der Ernährung ganz allgemein hat Olivenöl eine Hauptrolle übernommen. Vermutlich dienten die Kerne der Oliven zusätzlich als Brennstoff. Der Fund einer Werkstatt lässt den Schluss nahe, dass Olivenöl auch für die Körperpflege verwendet wurde und beispielsweise als Basis für Parfüm. Außerdem finden sich in den Töpfen: Erbsen, Bohnen und Linsen. Bestimmte Spuren in der erhalten minoischen Keramik weisen darauf hin, dass es außerdem Bier aus Gerste und Honigmet gab. Vor allem überrascht aber die hohe Menge an Fleisch die in dieser Zeit verzehrt wurde:

Dabei haben z.B. Stiere doch eigentlich eher eine eher kultische Funktion (Das Bild zeigt den Stiersprung in Knossos).

Die Minoer hielten vor allem Schafe und Ziegen. Diese dienten nicht nur als Fleischlieferanten, sondern sie lieferten Milch und man konnte auch Käse herstellen. Auch Rindfleisch kam auf den Teller. Wobei Rinder auf Kreta vor allem als Zugtiere dienten und kultisch verehrt wurden. Zudem gibt es Schweinefleisch. Dem Anschein nach ist eine jungsteinzeitliche Schweinegruppe auf der Insel verwildert. Ihre Nachfahren, halbwilde Hausschweine, wurden dann von den Minoern gejagt. Sie

Ein Nachter Junge mit roter Haut und einem Loorbeerkranz der in jeder Hand ein Bündel mit ganz vielen Fischen hält

Besonders bekannt ist auch diese Darstellung eines Fischerjungen aus Akrotiri (Bild: Le Musée absolu)

dienten nicht nur als Fleischlieferant, sondern ihre Hauer wurden verwendet, um fein gearbeitete Siegel zu schnitzen. Zu weiteren Jagdtieren gehörten Rehe, Hasen und Vögel wie Rebhühner, Wachteln und Tauben. Das bekannteste Wildtier auf dem Speiseplan ist allerdings die Agrimi, eine Wildziegenart, die noch bis vor wenigen hundert Jahren auf der Insel gejagt wurde. Sie sind schon auf minoischen Wandmalereien zu sehen. Entweder in Landschaftsdarstellungen, oder ihre Jagt wird direkt gezeigt. Dieser bereits reichhaltige Speiseplan wurde ergänzt, mit dem was das Inselleben kulinarisch noch so zu bieten kann. Zum Beispiel landeten Schnecken auf dem Teller, die gerade in Mallia auch zur Purpurgewinnung verwendet wurden, und

natürlich Meeresfrüchte. Fische, Krustentiere, Octopusse und Muscheln befanden sich vermutlich nicht nur auf wunderschön bemalten Keramiken, sondern auch immer wieder in ihnen. Untersuchungen von Biologen an Funden aus Gournia belegen den Verzehr von verschiedenen Fischarten. Es handelt sich dabei sowohl um Fische die in Küstennähe anzutreffen sind, als auch um Fische die auf hoher See gefangen werden müssen. Dies gibt Aufschluss darüber, das die Minoer mit verschiedenen Techniken gefischt haben.

Und was gab es zum Nachtisch?

Ein süßer Bestandteil auf minoischen Tellern war Honig. Linear-B-Schriften berichten von Bienenkörben. Gut einerseits war Honig zwar eine beliebte Opfergabe, aber es handelt sich auch um eines der bedeutendsten Süßungsmittel der Bronzezeit. Außerdem konnte man Met damit machen. Nur ein Getränk von mehreren. Und neben den Bereits erwähnten alkoholischen Getränken, ist sehr wahrscheinlich, dass die Minoer bereits Tee tranken.

Dunkle aber bunte bemalte Teetassen.

Diese Kamares-Keramik könnte man schon fast als modernes Tee-service verkaufen

 

Kräutertees aus regionalen Kräutern werden vermutet, zubereitet in einer Keramik, welche unweigerlich an eine Teekanne erinnert. Wirklich nachweisen lässt sich das aber bislang nicht. Aber es zeigt sich eines: Der Speiseplan war anspruchsvoll und vielfältig. Ich glaube, jeder von uns hätte etwas entdeckt, was dem eigenen Geschmack entspricht. Um aber das echte kulinarische Feeling zu haben, müsste man eine Zeitreise machen und sich zum Essen einladen lassen. Denn die Intensität in der ein Gericht z.B gewürzt wurde, dass lässt sich heute nicht mehr erforschen. Trotzdem hoffe ich, euch ist wenigstens zwischendurch ein bisschen das Wasser im Mund zusammengelaufen, denn ganz klar ist: Die Minoer wussten, was sie lecker fanden.

Literatur:

Reiner Albertz ua., Frühe Hochkulturen, Ägypert – Sumerer – Assyrer – Babylonier – Hethiter – Minoer – Phöniker – Perser, Berlin 2003.

j. Lesley Fitton, Völker der Antuke – Die Minoer, Stuttgart 2004.

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