Die Frau von Hilazon Tachtit – eine Schamanin?

Insgesamt 28 Bestattungen wurden im israelischen Hilazon Tachtit entdeckt. Die Höhle in der Galilearegion diente vor 12.000 Jahren als Bestattungsplatz. Eine Bestattung der Natufienkultur fällt dabei ganz besonders ins Auge. Es handelt sich um das Grab einer ca. 45 Jahre alten Frau, die gehbehindert war und in ihrem Leben sehr hart gearbeitet hat. Dennoch war ihr Grab besonders reich ausgestattet. So fanden sich zum Beispiel mehr als 50 Schildkrötenpanzer bei dieser alten Dame. Aber auch Adlerknochen, sowie Knochen und Schädel unzähliger weiterer Tiere. Das Tierknochen bei Bestattungen gefunden werden ist dabei relativ Normal, deuten sie doch darauf hin, dass es eine Art Totenmahl geben hat. Das Besondere ist, dass bei diesem einen Grab die Knochen unangetastet sind. Sie haben keine Nagespuren, sondern sie wurden kunstvoll an der Toten und um die Tote herum drapiert.

Aufgrund dieser Ungewöhnlich reichen Ausstattung, aber auch der Gestaltung des Grabes kann man davon ausgehen, dass es sich hier um eine Ganz besondere Frau gehandelt hat. Deswegen wird sie als Schamanin gedeutet. Gerade ihre Behinderung ist in diesem Zusammenhang sehr auffällig. Denn für eine Frau mit verkrüppelten Beinen ist sie verdammt alt geworden. Trotz ihrer Behinderung hatte sie einen hohen Rang in ihrer Gemeinschaft und den hat sie sich vielleicht als Schamanin oder Beraterin erarbeitet. Besonders fällt aus, dass diese Frau die erste Person war die auf diesem Bestattungaplatz beigesetzt wurde. Vielleicht betrachten wir hier also die Begründerin einer Gemeinschaft. Es deutet also einiges Darauf hin, dass sie den Rang einer Schamanin gehabt haben könnte, und deswegen wird sie von einigen Wissenschaftler*innen auch so angesprochen. Genau werden wir dies allerdings nie erfahren.

Literatur:

Andrea Zeeb-Lanz und Andy Reymann, Sonderbestattungen – Bizarre Gräber, die sich nicht Einordenen lassen?. In: Löwenmenschen und Schamanen – Magie in der Vorgeschichte, Archäologie in Deutschland 16/2019 Sonderheft, Darmstadt 2019.

A 12,000-Year-Old Shaman From Hilazon Tachtit, Israel & The Emergence Of Religion