Das Casino auf der Roseninsel: Ein Ort, an dem Geschichte, Kunst und Königsträume sich begegnen

Im Starnberger See liegt die Roseninsel liegte ein historisch interessanter Ort. Hier gibt es schon Spuren von Pfahlbauten aus der Vorzeit, die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Im 19. Jahrhundert wurden hier auch Spuren aus römischer Zeit entdeckt, und zwar bei Bauarbeiten. Und diese Bauarbeiten wurden damals durchgeführt, um einen weiteren Ort zu errichten, der Geschichte schreiben sollte:

Das Casino auf der Roseninsel

Damals wird das Casino errichtet. Der Sommersitz der königlich bayrischen Familie.1850 kauft König Maximilian II die 2,56 ha groß Insel einer Fischerfamilie ab. Zunächst war die Idee, hier eine Studentenstiftung anzusiedeln. Doch die Abgeschiedenheit der Insel und ihre unglaubliche Schönheit waren Argumente für die Nutzung als Sommerresidenz. Die Idee war also, einen Ort zu erreichten, wo man einfach mal abschalten kann – wo sich die königliche Familie wohlfühlt. Ein Ort der aber auch angemessen, und komfortabel ist, sodass man hier zu gegebenen Anlässen auch einladen kann. Also wurde die Roseninsel auch gewählt, da sie von unfassbarer Schönheit gekennzeichnet ist.

Das Casino am Starnberger See. Eine Villa auf einer Wiese hinter Bäumen.

(Bild: Geesche Wilts (CC BY-NC 3.0 DE)).

Und so kam es dazu, dass eine Villa, also das Casino, gebaut wird. Sie entsteht in der Zeit zwischen 1851 und 1853. Und das in einem Charme, welcher auf ein besonderes Vorbild aus der Archäologie zurückgeht:

Der Bau wurde von Pompeji inspiriert

Der Fundplatz war damals nicht nur das archäologische Highlight schlechthin – er war auch top modern. Zwar waren erste spuren von Pompeji bereits im 15. Jahrhundert zu tage getragen, und es wurde hier bereits seit 100 Jahren geforscht – Doch im 19. Jahrhundert hatte sich die Methodik stark verbessert – und in der Zeit, in der das Casino gebaut wurde, wurden die ersten Gipsabdrücke in Pompeji angefertigt, welche ein Abbild der Personen geben, die bei dem Vulkanausbruch vor etwa 2000 Jahren verstorben sind. Und so war der Fundplatz in aller Munde. Pompeji machte aber auch immer wieder von sich reden, wegen der Teils frivolen Wandbilder, die hier freigelegt wurden.

Eine an der Antike orientierte Malerei an der Außenwand des Casinos. Auf dem Bild füttert eine halbnackte Frau eine Gans.

Ein der von der Antike inspirierten Malereien (Bild: Geesche Wilts (CC BY-NC 3.0 DE)).

Wandbilder von zauberhafter Schönheit, und gleichzeitig, aus dem Blickwinkel der 19. Jahrhunderts skandalöser Freizügigkeit. Ein neues Wort wurde für diese Art der Malerei erfunden: Pornografie – (Kleiner Funfact am Rande – alles, was wir heute als Pornos kennen, geht auf den archäologischen Fachbegriff für die Wandmalereien in Pompeji zurück). Es war schick, und gleichzeitig verrucht. Zahlreiche, an der Antike orientierte Wandmalereien zieren deswegen die Mauern. Dabei wurden die antiken Stilrichtungen zwar ordentlich durcheinander gewürfelt, vielleicht auch damit es für einen königlichen Sitz nicht zu verrucht ist – aber das Ergebnis ist dennoch recht ansehnlich. 1853 wurde dann mit der Landschaftsplanung begonnen, die Idee einen Rosengarten zu gestalten kam hinzu. 10 Jahre später starteten dann die Vorbereitungen des Baus eins Schlösschen auf der Insel. Doch 1964 verstarb dann König Maximilian II, sodass er selbst diese Anlage nie errichtet wurde.

Eine weise Villa mit grünen blühenden Büschen drumherum.

Das Casino auf der Roseninsel wurde erst vor kurzem restauriert (Bild: Geesche Wilts (CC BY-NC 3.0 DE)).

In der Folgezeit wurde dann aber das Casino zu einem der Lieblingsorte von König Ludwig II, der Sohn Maximilians, die Königsfamilie empfing hier private und Staatsgäste. Richard Wagner und die russische Zarin Maria Alexandrowna waren hier zu Gast. Genauso wie die österreichische Kaiserin Sissi, die als Großcousine von König Ludwig II zur Familie gehörte. Und durch diese Geschichte der königlichen Nutzung kam auch ein besonderes Kunstwerk auf die Roseninsel:

Das Geheimnis des Mädchens mit Papagei

Das Mädchen mit Papagei, ist nicht nur ein wunderschönes Kunstobjekt aus dem 19. Jahrhundert, sondern sie hat auch eine Geschichte, die die Machthaber ihrer Zeit miteinander verbindet. Es gibt sie nämlich nicht einmal, sondern gleich 3-mal. Die hier gezeigte Figur steht auf der Roseninsel im Starnberger See, im Rosengarten des Casinos.

Eine goldene Figur. Sie zeigt ein Mädchen, das einen Papagei auf der Schulter sitzen hat. Sie sehen lebensecht aus.

Das Mädchen mit dem Papagei (Bild: Geesche Wilts (CC BY-NC 3.0 DE)).

König Friedrich Wilhelm IV. schenkte sie 1854 seiner Cousine Königin Marie und ihrem Ehemann Maximilian II. von Bayern, zur Einweihung dieses Sommersitzes. Die erste Figur hatte er seiner eigenen Ehefrau Elisabeth von Bayern geschenkt, sie kann man bis heute am Schloss Sanssouci bewundern. Die dritte Figur schenkte der preußische König seiner Schwester, der Zarin Alexandra Feodorowna. Diese Figur wurde nach St. Petersburg gebracht. Diese Figuren waren dabei nicht nur einfache diplomatische Geschenke, sondern tatsächlich Werbeträger für die hochwertige Arbeit der Glashütten und der Zinkwerke in Schlesien. Die Starnberger Skulptur wurde in den Wirren des Zweiten Weltkrieges versteckt, und erst 1996 in Einzelteilen wieder entdeckt. 2003 konnte sie dann restauriert werden, und auch der gesamte Rosengarten, in deren Mitte sie steht, wurde rekonstruiert.

Das Mädchen mit dem Papagei von weitem. Die hohe Säule, auf der das Mädchen steht, ist zu sehen. Sie ist blau.

In der Mitte des Rosengartens steht eine Glassäule, die mit einem Mädchen, das einen Papagei auf der Schulter trägt, verziert ist (Bild: Geesche Wilts (CC BY-NC 3.0 DE)).

Die Skulptur steht auf einer 5 m hohen Säule aus Glas, die aus 30 blauen und weißen Glasstäben besteht, die jeweils hohl sind. Eine komplizierte innere Struktur der Säule macht sie äußerst wetterbeständig. Die Originalfigur von der Roseninsel ist allerdings bis heute verschollen. Sie wurde bei der Restaurierung der Potsdamer Figur nachempfunden. Die Figuren stellen zwar ein neuzeitliches Motiv dar, sind in der Darstellungsweise an der Antike angelegt. 1847 wurden sie von Heinrich Berges entworfen. Es handelt sich um einen vergoldeten Zinkguss. Die Geschichte der Skulptur zeigt, wie Kunst nicht nur Schönheit, sondern auch Geschichte in sich trägt.

Das Ende der Glanzzeiten der Insel

Nach dem Tod Ludwigs erlosch das Interesse an dem Casino und die Insel verwilderte. 1970 erwarb dann Bayern die Insel und begann ab 1998 mit Restaurierungsarbeiten. Heute kann man das Casino besichtigen, es gibt eine Fähre, die einem zu der Insel bringt, und Führungen durch Casino und Rosengarten.

Pflanzen stehen im Vordergrund. Im Hintergrund ist ein altes Gebäude zu sehen.

Das Casino vom Rosengarten aus gesehen (Bild: Geesche Wilts (CC BY-NC 3.0 DE)).

Ein empfehlenswerter Ausflug, wenn man einmal in der Nähe ist. Hier kann man die Seele baumeln lassen. Es ist möglich, den See und die Natur zu genießen, und den Segelschiffen in der Ferne zuschauen, und dabei noch ganz nebenbei Geschichte zu entdecken. Und das in einer entspannten Atmosphäre.

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Literatur:

Krätz, Otto, Vom Glanz vergangener Tage – Die Geschichte einer Statue auf der Starnberger Roseninsel. In: Kultur 6 Technik 04/2010.

http://www.roseninsel.org/index.php/foerderprojekte/glassaeule

https://www.schloesser.bayern.de/deutsch/presse/archiv03/feldafing/garten.htm

Historisches

https://www.museen-in-bayern.de/no_cache/das-museumsportal/museen/museen//casino-auf-der-roseninsel.html?L=0

https://www.starnbergammersee.de/poi/detail/5aa7866c975acf57ae617656/Roseninsel/

2 Gedanken zu „Das Casino auf der Roseninsel: Ein Ort, an dem Geschichte, Kunst und Königsträume sich begegnen

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