Klimawandel in der Jungsteinzeit – Was auf der Arabischen Halbinsel geschah

Mit Resilienz beschreibt man grob gesagt Widerstandsfähigkeit. Also wie widerstandsfähig ist zum Beispiel ein Mensch, der ein traumatisches Erlebnis erlebt hat und wie dieser damit zurechtkommt. Das Wort beschreibt aber auch z. B. wie eine Gesellschaft mit einem radikalen Wandel umgeht. Ein solch radikaler Wandel steht diesem Planeten in Bezug auf große Klimaveränderungen bevor. Die Frage ist, wie können wir damit umgehen? Wie verhält sich eine resiliente Kultur? Um dazu Ideen aufzustellen, betrachtet das Max-Plack-Institut prähistorische Gesellschaften, die ebenfalls große Veränderungen ihres Naturraumes erlebt haben. Solche Veränderungen haben immer wieder dazu geführt, dass die Kulturen sich verändert haben. Sie sind emigriert oder haben ihre Wirtschaftsweise geändert, um sich der neuen Situation anzupassen. Viele dieser Möglichkeiten sich selber zu verändern waren den Menschen auf der Arabischen Halbinsel jedoch nicht möglich und genau deswegen wird an dieser Stelle unter der Leitung von Michael D. Petraglia geforscht.

Eine Archäologin in weiser Kleidung mit einem weisen Turban kniet vor einer Feuerstelle im roten Wüstensand.

Eine Archäologin legt eine Feuerstelle in der Wüste frei. In der Jungsteinzeit lag sie noch am Ufer eines Sees (Foto: Palaeodeserts Project)

Archäologische Analysen zeigen, auf der arabischen Halbinsel war es nicht immer so trocken wie heute. Erst vor 10.000 Jahren begannen die ersten dürren, die sich so sehr ausweiteten, dass ein neues Ökosystem entstand; Die Wüste. Die Bewohner*innen der Halbinsel mussten sich damit arrangieren. Vor 9.000 Jahren lassen sich noch Feuerstellen entlang der Küsten heute ausgetrockneter Seen finden. In der Zeit vor 8.200 und 8.000 Jahren Wandern die Menschen dann aus diesen Regionen ab, und siedeln sich zunehmend an der Küste an. Die Klimaveränderungen in dieser Zeit waren sehr intensiv, sodass die Wissenschaftler*innen derzeit davon ausgehen, dass deswegen damit begonnen wurde Tiere zu domestizieren, denn mit der Natur verschwand auch die Nahrungsgrundlage der Nomad*innen. Ab dieser Zeit sind einige heftige Dürren auf der arabischen Halbinsel zu beobachten. Zunehmend verließen die Menschen die Wüste und das scheint auch an den Küstenorten für Probleme gesorgt zu haben. Knochenanalysen belegen die große Mangelernährung in dieser Zeit, auch an den Küstenorten. Die Inlandsgebiete waren deswegen vor 5.900 – 5.300 Jahren vollständig unbewohnbar geworden. In der gleichen Zeit entstand anscheinend die Oasensiedlung Jubbah. Archäologische Spuren deuten auf eine Wasserwirtschaft hin, welche Oasen bewohnbar gemacht haben. Die massiven Veränderungen der Lebensbedingungen aufgrund des Klimas können an dieser Stelle also direkt beobachtet werden.

Felsritzung auf einem dunkelgrauen Stein. Die Jungsteinzeitlichen Felsbilder sind zum Teil orange ausgemalt. Sie zeigen Tiere: 4 Kamele, 2 Ziegen, Und ein großes Tier das nicht zuzuordenen ist. Es scheint sehr abgemagert zu sein.

Felsbilder aus der Jungsteinzeit, gefunden auf der Arabischen Halbinsel zeigen Tiere bei denen z.B. die Rippen zu sehen sind. Ein Hinweis auf hungernde Tiere (Foto: Palaeodeserts Project )

Bezieht man diese Forschung auf die klimatischen Veränderungen unserer Zeit so zeigt dies, wie dringend ein Handlungsbedarf besteht, denn die starken Veränderungen der Vergangenheit verliefen sehr viel langsamer, die Menschen hatten mehr Zeit sich einem Wandel anzupassen. Doch auch bei diesen Klimaveränderungen kam es zu Flucht und Hunger. Die Resilienz von Gesellschaften ist bei starken Umweltveränderungen also nicht grenzenlos. Die aktuellen Klimaschwankungen sind in dieser Hinsicht sehr viel schwieriger zu bewältigen. Die sind vor allem schneller, und dadurch unberechenbarer.

Literatur:

https://www.shh.mpg.de/1666170/societal-transformations-and-resilience-in-arabia-across-12-000-years-of-climate-change?c=1606645

https://www.eurekalert.org/pub_releases/2020-04/mpif-sta040120.php

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