Hygieia – Die antike Verkörperung der Gesundheit

Als Tochter von Asklepios war sie schon im alten Griechenland die Göttin der Gesundheit. Unter dem Namen Valetudo verehrten sie auch die Römer; Hygieia. So ganz ist nicht geklärt, wie die Vorstellung von der Göttin entstanden ist, aber es ist gut möglich, dass es in Athen einen Athenakult gab, aus dem sich im Laufe der Zeit diese weitere Göttin abgespalten hat. Aus Schriftquellen geht hervor, es gab einen Athena Hygieia Kult. Doch die erhaltenen Texte sind an dieser Stelle etwas widersprüchlich, sodass diese Frage vmtl. nie so ganz geklärt werden kann. Hygieia ist in den Geschichten des Götterpantheons allerdings wenig selbstständig und verwischt immer wieder mit anderen Göttinnen. So gibt es auch die Vermutung, dass sie vielleicht nicht unbedingt als Göttin gesehen wurde, sondern evtl. als poetische Figur. Das Original der hier gezeigten Hygieia hatte aber vermutlich einen festen Platz innerhalb einer Stätte des Asklepioskultes. Bei dem Original handelte es sich um eine griechische Bronzefigur aus der Zeit zwischen 430 und 410 v. Chr. Eine Zeit, in der der Asklepioskult klar strukturiert gewesen ist.

Eine weise Marmorfigur. Sie ist Überlebensgroß, und zeigt Hygieia. Die Figur trägt eine Haube auf einer zusammengerafften Lockenfrisur und ein Naheezu durchsichtiges Gewand. Um den Rechten Arm ist eine Schlage gewickelt, die die Frau mit einer Schale in der anderen Hand füttert.

Hygieia. Man fragte sie nach Rat für die Gesundheit, aber eine richtige Geschichte hat sie leider nicht.

Interessant wird es, wenn man sich die Geschichte der Marmorfigur ansieht. Zwar hält die Personifizierung der Gesundheit, ihr Attribut, die Schlange in den Armen, aber der Körper an sich gehört vmtl. zu einer ganz anderen Figur. Das liegt daran, dass diese Skulptur aus Marmor nicht nur eine Imitation des Bronzeoriginales ist. In den römischen Werkstätten gab es damals für solche nachempfundenen griechischen Skulpturen vorgefertigte Modelle, die festen Konzepten entsprachen. Dieser Typus wurde als Basis genommen, um Portraitfiguren zu machen oder andere Göttinnen darzustellen. Aufgefunden wurde die Marmor-Hygieia in Ostia, in der direkten Umgebung zu einer Asklepiosfigur. Die den griechischen Künstlern nachempfundene römische Skulptur wurde mit typisch römischen Gerät gefertigt. Klassische Bohrrillen an den Haaren lassen es zu, diese Kopie relativ sicher in die Antoninische Zeit zu datieren (170 n. Chr). Diese Göttin entwickelte sich also in Griechenland, wurde dort verewigt, dann von den Römern imitiert, dabei aber auch interpretiert und dann wurde sie 1777 von Landgraf Friedrich II. gekauft und nach Hessen gebracht. Hier steht sie bis heute. In der Renaissance waren die antiken Figuren nämlich ein drittes Mal modern geworden. Der Landgraf sammelte solche Skulpturen für die Kasseler Antikennsammlung, die es bis heute gibt. In dieser Zeit wurde die etwas angeschlagene Skulptur restauriert, Es entstand: Die Schlange mit dem Entenkopf.

Literatur:

Roscher, Ausführliches Lexikon der Griechischen und Römischen Mythologie; Schlagwort: Hygieia.

https://www.antikeskulptur.museum-kassel.de/show.html?gruppe=2&nr=5

http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834/A/Hygieia,+Higea+(Mythologie)

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