Der Steinzeitpark Dithmarschen
Ein toller Ort für groß und klein

Nicht weit von der Autobahn, aber auch zu Fuß vom Albersdorfer Bahnhof aus zu erreichen, liegt der Steinzeitpark Dithmarschen. Ein tolles Ausflugsziel, dass direkt an einem Wald gelegen ist, der zu einem Spaziergang einlädt. In diesem Wald wird versucht ein ökologisches Gleichgewicht zu erzeugen, das dem der Steinzeit ähnelt. Dabei handelt es sich um ein faszinierendes Projekt, bei dem ökologische Zusammenhänge und Entwicklungen erforscht werden in Hinblick auf eine nachhaltige Forstwirtschaft. Nebenbei kann man durch diese Arbeit einen ganz besonders schönen Wald genießen. In der Umgebung grasen gemütlich Tiere alter Haustierrassen auf Weiden, die eigentlich mehr wirken wie Freilichtgehege. Im Museum gibt es Picknickplätze, die einladen selbst mitgebrachte Leckereien unter freien Himmel zu verköstigen. Der Ausflug in das kleine Paradies hätte also besser nicht werden können, wenn da nicht ein plötzlicher und unaufhörlicher Regenguss gekommen wäre..

Selbst getestet: Das Kinderprogramm bringt super Spaß! Und das Ziehen von einem schweren Stein, mit Hilfe Holzbalken, geht viel einfacher als gedacht.

Die Frage, ob das Museum für Kinder geeignet ist, stellt sich nicht. Es stellt sich eher die Frage, wie man die Kinder wieder aus dem Museum heraus bekommt. Immer wieder gibt es kleine und große Sachen zum Ausprobieren und ein sehr liebevoll angelegter Spielplatz macht den Steinzeitpark Dithmarschen zu einem tollen Erlebnis für die ganze Familie. Dabei sind tatsächlich nicht alle Sachen gleich spannend oder toll. Aber es gibt immer wieder einzelne Ausstellungsbereiche die für klein und groß einfach sensationell schön sind. Als ich mir den begehbaren Grabhügel mit seiner Kinderspielhöhle ansehe, stelle ich fest, dass es vermutlich das beste Kinderprogramm in einem Museum ist, über das auf Miss Jones bislang berichtet wurde.

An den Wänden der Kinderspielhöhle sind Felsmalereien aus verschiedenen Zeiten angebracht. Diese hier sind den bronzezeitlichen Felsritzungen von Tanumshede nachempfunden. Auf dem Boden der Höhle befindet sich eine riesige Sandkiste. Alles ist sehr liebevoll gestaltet.

Besucher*innen die das Museum erkunden, laufen vorbei an verschiedenen Stationen. Verschiedene Aspekte der Jungsteinzeit, aber manchmal auch der Bronzezeit oder der Mittelsteinzeit werden gezeigt. Auch ein echter Grabhügel aus der Bronzezeit befindet sich in dem Museum. Man kann ihn über eine Treppe betreten und oben auf einer Bank Rast machen. Ein ganz besonderer Rastplatz, denn in so einem Hügel war oftmals ein Großteil der bronzezeitlichen Bevölkerung, vor allem aber auch höher stehende Personen, bestattet. Von diesem Grabhügel aus kann man das Dorf aus der Jungsteinzeit bereits riechen. Zumindest, wenn einmal im Jahr die Uni Hamburg hier ihre Aktionswoche verbringt und das Dorf mit den verschiedensten Projekten belebt. In dieser Zeit leben Studierende in dem Museum und versuchen verschiedenste steinzeitliche Techniken zu erlernen und führen Experimente durch.

Grabhügel aus der Bronzezeit

Ich bin also nicht einfach so gekommen, sondern weil ich meine Freunde aus der Uni besuchen möchte. Besonders spannend ist der Versuch, einer Gruppe meiner Kommiliton*innen, Bronze zu gießen. Bronze besteht aus Kupfer und Zinn, dass sie in einem Gusstiegel erhitzt haben. Eine Freundin steht mit einem Temperaturmessgerät neben dem Feuer und überprüft, ob dieses auch heiß genug ist um das Kupfer zu schmelzen. Ungefähr 1200 Grad braucht es, damit aus den beiden Metallen eine gussfähige Bronzemasse wird. Als die Masse endlich flüssig ist, steigt die Aufregung. Mit einigem Geschick wird das heiße Metall in eine Form gegossen. Es handelt sich um eine verlorene Form. Das heißt, wenn das Metall abgekühlt ist, wird die Form zerschlagen. Man kann sie also nur einmal benutzen. Als es so weit ist die Form zu zerschlagen, steigt die Spannung wieder. Doch schade, dieser Guss ist nichts geworden. Aller Anfang ist eben schwer und Metallguss erfordert Übung.

Hier der Versuch Kupfer und Zinn in einer Form zu gießen.

An anderer Stelle ist es weniger belebt. Etwas verloren steht die Rekonstruktion eines Erdwerkes in dem Museum herum. Es befindet sich eher im Randbereich. Die kreisrunde Palisade umgibt in der Mitte ein großes Nichts. Man kann es durch ein Tor betreten und durch ein anderes Tor wieder verlassen. Keine Erklärungstafel, kein Hinweisschild, einfach nichts gibt dem Besucher irgend eine Erklärung, warum hier dieses runde Ding steht. Die Besucher betreten den Palisadenkreis und verlassen ihn schultern-zuckend wieder. Schade, wäre das doch eigentlich eine besonders interessante Installation.

Der Eingang des Erdwerkes.

Und auch an anderer Stelle bekomme ich Stirnrunzeln. Ein geologischer Erklärpfad soll dem Besucher Informationen über Steine näher bringen. Tatsächlich gehen die meisten Besucher achtlos daran vorbei oder beginnen sich die Erklärungstafeln durchzulesen, dann gehen sie frustriert weiter. Zwar ist Geologie ein unglaublich spannendes Themenfeld, aber der Lehrpfad ist tatsächlich relativ langweilig gestaltet. Neben den Steinen sind einzelne Schilder aufgestellt, die die Gesteine genau erklären. Aber die Schilder sind sehr lang. Und jemand der nicht zu 100 % von Geologie begeistert ist, der erkennt den Unterschied zwischen den einzelnen Steinen nicht. Alles wirkt, im Gegensatz zum Rest des Museums, auch ein wenig über den Zeigefinger erklärt. Insgesamt scheint die ganze Installation nicht so recht in das, sonst wunderschön gestaltete, Museum zu passen. Die direkt dahinter liegende Baustelle einer Megalithanlage lädt dafür umso mehr zum Entdecken ein.

Der Steinlehrpfad wirkt etwas verloren.

Andere Rekonstruktionen sind in dem Steinzeitmuseum dafür doppelt so toll. Die Darstellung eines Mesolithischen (Mittelsteinzeitlichen) Dorfes mit einem kleinen Teich ist an Idylle kaum zu überbieten. Den Sommer über kann man hier immer jemanden finden der das Dorf als Steinzeitmensch belebt. Verschiedenste Aktivitäten werden hier angeboten. Diese konnte ich leider kaum testen, denn ich war bis auf die Knochen durch geregnet als ich hier angekommen bin. Doch trotz Regen ist deutlich das Herzblut, dass in diesem Teil der Ausstellung steckt, zu sehen. Die Archäologie kennt solche Lagerplätze unter Felsvorsprüngen, die Schutz vor der Witterung bieten. Immer häufiger werden solche Siedlungen in der Umgebung von Gewässern gefunden. Meistens auf einer Anhöhe über dem Gewässer. Solche Orte existierten nur wenige Wochen, dann zogen die Menschen weiter. Den Archäologen blieben von den Unterkünften nur ovale Flecken im Boden erhalten. Wie die Behausungen in dieser Zeit wirklich aussahen, ist also eine Frage die nicht beantwortet werden kann. Die Rekonstruktion ist in diesem Falle also sehr spekulativ. Besonders schön ist, dass hier auch ein Einbaum gezeigt wird. Immer wieder zeigen archäologische Funde, dass Einbäume und Fischerei im Mesolithikum eine wichtige Rolle spielten. In der Erteböllekultur (5.500 bis 4.100 v. Chr.) wurden entsprechende Hinweise gehäuft gefunden. Es gibt aber auch schon ältere Einbäume aus der Zeit um 6.500 v. Chr. Funde wie Einbäume und Paddel lassen sich dabei besonders gut datieren, da die Holzringe der verwendeten Bäume analysiert werden können.

Das mesolithische Dorf. Es ist zwar nur eine Interpretation archäologischer Funde, aber es wirkt unendlich Idyllisch.

Im neolithischen (jungsteinzeitlichen) Dorf, wirkt dagegen alles etwas rüstiger und solider von der Bauart her. In dieser Zeit waren es richtige Häuser, in festen Siedlungen, in denen die Menschen lebten. Auch diese Rekonstruktionen sind sehr gut gemacht. Besonders ist der Besuch des Museums an Tagen an denen hier Mitmachaktionen stattfinden zu empfehlen. Diese gibt es im Sommer fast jeden Tag. Durch das Mitmachen wird das Museum richtig lebendig. Als ich mir gerade das Haus von Rastorf ansehe, werde ich Zeuge dieser Lebendigkeit. Auf einmal ist ein merkwürdig zischendes und planschendes Geräusch zu hören. Eine Studentin ruft laut “Oh nein!“. Kurz darauf riecht es verbrannt. Vor der Tür entdecke ich dann die Bescherung. Das Tau, mit dem ein Topf über dem Feuer aufgegangen war, ist durchgebrannt. Das ganze Mittagessen meiner Komiliton*innen ist ins Feuer gefallen. Nach einigen tröstenden Worten ziehe ich weiter, um mir den Rest des neolithischen Dorfes anzusehen.

In der Steinzeit wäre das vermutlich eine kleine Katastrophe gewesen

Die ein oder andere Hausrekonstruktion ist besonders gut gelungen. Besonders mag ich die Rekonstruktion des Pennigbüttelhauses. Dies wird allerdings derzeit renoviert. Das Flintbekhaus ist ebenfalls sehr spannend. Allerdings bin ich bei diesem Haus in meiner Berichterstattung befangen, da ich an dem Dachstuhl des Hauses als junge Studentin selber mit gebaut habe. Natürlich finde ich dieses Haus gerade deswegen einfach super. Das Flintbekhaus ist die Rekonstruktion eines Gebäudes das um 3.500 v. Chr. tatsächlich existiert hat. Es hat ungewöhnlich große Ausmaße und scheint in seiner Bauart ein Vorläufer bronzezeitlicher Gebäude gewesen zu sein. Ausgrabungen konnten leider nur noch einen Teil des Hauses finden, dessen Grundriss sich im Boden abgezeichnet hat. Doch dieser Teil reicht aus um das Gebäude auf eine Mindestgröße von 107 m² zu schätzen. Interessant ist, dass sich bei diesem Haus eine Türschwelle aus Lehm erhalten hat, die der Wissenschaft heute einen Hinweis drauf gibt, wie Eingangstüren in der Jungsteinzeit gestaltet waren.

Das Flintbekhaus

Besonders schön ist auch, dass in dem Museum ein neolithischer Opferplatz nachgebaut wurde. Der Opferplatz ist ein Fund aus dem südschwedischen Hunnebergit. Es ist anzunehmen, dass die Menschen der Trichterbecherkultur, an Plätzen wie diesem, Opfergaben niederlegten. Dieser Opferplatz stammt aus der Zeit um 3.200 v. Chr. Wer möchte kann ihn betreten und sich alles aus der Nähe ansehen. Auch bei diesem Opferplatz handelt es sich nur um eine Interpretation eines Bodengrundrisses. Über die Authentizität der letztendlichen Gestaltung lässt sich also durchaus streiten. Und genau dieser Streit bringt die Wissenschaft oftmals weiter.

Rekonstruktion des Opferplatzes von Hunneberget

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass ich positiv überrascht war. Ich fand das Steinzeitdorf Dithmarschen immer mittelgut. Aber mit der Zeit wächst es langsam und wird immer besser. Es scheint mit diesem Museum zu sein wie mit einem teuren Wein, je älter desto besser. Es ist deutlich zu merken, dass die Gestalter*innen dieses Museums ihre Herzen in dieses Projekt stecken. Wahrscheinlich ist das Museum so gut, weil es mit eigenen Erfahrungen nach und nach gewachsen ist und mit seinen Aufgaben auch immer weiter wächst. Und so freue ich mich darauf, wenn ich in ein paar Jahren evtl. einmal wieder komme, um mir anzusehen, was es dann Tolles neues zu entdecken gibt. Ich kann dieses Ausflugsziel, für einen tollen Tag in der Natur und in der Steinzeit, wärmsten empfehlen. Gerade, wenn ihr Kinder habt. Also packt eure Sachen und genießt einen tollen Familientag in der Steinzeit. Vorausgesetzt der Wetterbericht gibt grünes Licht.

Link zum Steinzeitpark Dithmarschen:

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Literatur:

Kelm, Rüdiger: Mehr Steinzeit! Neues aus dem Steinzeitpark Dithmarschen in Albersdorf. In: EXPERIMENTELLE ARCHÄOLOGIE in Europa Bilanz 2012, Heft 11, Unterhuldingen 2012.

Kelm, Rüdiger: Die Jungsteinzeit norddeutschlands erlebbar machen. In: Antike Welt, Heft 1/12.

Kelm, Rüdger: Auf den Spuren der Dtihmarscher Geschichte- Erinnerungsorte zwischen Steinzeit und Gegenwart, Heide 2012.

Klooß, Stefanie: Mit Einbaum und Paddel zum Fischfang – Holzartefakte von endmesolithischen und frühneolithischen Küstensiedlungen an der südwestlichen Ostseeküste. Untersuchungen und Materialien zur Steinzeit in Schleswig-Holstein und im Ostseeraum Band 6, Kiel 2015.

Bernhardt Stapel, Michael Baales, Hans-Otto Pollmann: Westfalen in der Alt- und Mittelsteinzeit, Münster 2013.

ZICH, B. 1993/94: „In Flintbek stand ein Steinzeithaus …“ — Ein Hausfund von der Wende des Neolithikums zur Bronzezeit aus Flintbek, Kreis Rendsburg-Eckernför-e. Archäologische Nachrichten aus Schleswig-Holstein 4/5, 1993/94, 18-46.

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