Dürfen Legastheniker*innen Bloggen?

Warum nicht? War meine erster Gedanke, als ich begonnen habe zu Bloggen. Aber so einfach ist das nicht, musste ich schnell feststellen. Relativ schnell bekam ich Leserbriefe, und freute mich zunächst über die große Resonanz, doch ich hatte mich zu früh gefreut. Knapp 95% der Rückmeldungen die ich Online auf meine Arbeit bekomme thematisieren einzig und alleine meine Rechtschreibung. Und das trotz X-facher Rechtschreibkontrollen. Es schien tatsächlich ein unsichtbares Gesetz zu geben, welches mir die gesamte Freude an meinem Blog zeitweise genommen hat, sodass ich meine Arbeit manchmal über Monate unterbreche, nur um nicht die nächste Welle an Beleidigungen zu erhalten.

Aber ist das Fair? Ich beschäftige mich mit Archäologie, und das schon solange ich weiß, dass es die Archäologie gibt. Als Kind fand ich Mumien toll, und ich konnte mich schon damals stundenlang mit der Geschichte der Menschheit beschäftigen. Ich liebte die Geschichten von Entdeckungen, und von den Hinterlassenschaften aus alten Zeiten. In etwa genau so lange begleitet mich die Legasthenie. Sie war mein ewiges Manko, dass Bein das im Weg herum stand, und über das ich jeden Tag immer und immer wieder stolperte. Trotzdem habe ich mich durch die Schule gequält, immer mit dem festen Ziel vor Augen, irgendwann etwas ganz besonderes zu entdecken.
Und tatsächlich habe ich es geschafft Archäologie zu Studieren. Irgendwann entschloss ich mich dazu meine Leidenschaft in einem Blog auszudrücken, und sie so mit der Welt zu Teilen. Ich wollte einerseits für mich festhalten was ich gesehen und erlebt hatte, zum anderen aber auch, anderen Menschen ermöglichen daran teil zu haben. Doch ich hatte meinen Plan ohne meine Rechtschreibung gemacht.

Ich empfand es als Unfair diese massenweisen Mails zu bekommen. Eine Frau schrieb mir gar, ich solle sofort aufhören zu Bloggen, weil ich mit meiner schlechten Rechtschreibung anderen Menschen den Spaß an der Archäologie verderben würde. Andre bezeichneten mich einfach nur so als dumm, oder machten beleidigende Kommentare. Dazwischen gab es auch die Nett gemeinten, die mir anboten mir zu helfen. Ich bekam sogar einige Nachrichten, die sich darüber freuten, dass sich eine Ausländerin soviel mühe gibt sich in Deutschland zu integrieren, dass ich aber wohl beim Sprachkurs zu wenig Rechtschreibung-Training bekommen hätte, und das ja noch nachholen könne. Die Mails waren nicht gemein, aber für mich dennoch wie ein schlag ins Gesicht. Ich fragte mich, ob meine Rechtschreibung wirklich so schlecht ist, und fühlte mich zunächst als würde ich ausschließlich aus Rechtsschreibfehlern bestehen, dann wie ein einziger Rechtschreibfehler, und schlussendlich nunmehr, als wäre meine gesamte Existenz auf diesem Planeten ein Fehler.

Ich nahm das Verbot an und hörte wieder einmal auf zu Bloggen. Ich war vollkommen am Ende. Für mich bedeutete das auch, dass ich aufhörte mich mit der Archäologie auseinander zu setzen. Mir war die Lust vergangen. Das Problem war nun, dass Legastheniker*innen in genau der Sache besonders gut sind, und zwar sich Dinge herein zu steigern. Ich hatte mich in die Archäologie herein gesteigert und zwar seit Jahren. Und als ich sie mir verbieten lies gab es da einfach gar-kein anderes Thema mehr was mich noch interessierte. Einige Wochen empfand ich keinerlei Spaß mehr in meinem Leben. Schließlich redete ich erst mit Freunden, und dann mit allen möglichen Leuten über mein Problem. Sie erzählten mir alle das gleiche „Blogge doch über Legasthenie“.

Schließlich überwand ich mich einmal wieder in die Kommentare zu sehen. Ich weiß nicht ob es ein Zufall war, aber eine Frau hatte mir eine ziemlich lange Nachricht hinterlassen. Im ersten Satz stand, dass sie die Vermutung hatte, dass ich Legasthenikerin sei, und das, falls dies der Fall ist, ich nur den ersten Absatz ihres Textes lesen bräuchte. In diesem erklärte sie mir, dass ich auf meinem Blog auf meine Legasthenie hinweisen muss wen ich eine hätte. Warum ich das müsste, erklärte sie nicht. Aber in dem längeren zweiten Absatz, denn ich nicht lesen sollte, und es doch tat, folgten unendlich viele Beleidigungen und Beschimpfungen für mich, weil ich eine Idiotin sei die nicht schreiben könne, und was ich mir einbilden würde schreiben zu wollen.

Jetzt fühlte ich mich dazu genötigt über mein Problem Bloggen zu müssen ohne es zu wollen. Dabei ist die eigentliche Frage, die sich mir stellt, wie es sein kann, dass sich erwachsene Menschen so verhalten? Wenn ich sehe, dass ein Mensch ein Problem hat, dann haue ich schließlich auch nicht drauf. Und ich verstehe auch nicht warum andere Menschen das tun. Es wirkt auf mich fast eher wie eine Art Voyeurismus, dass ich die Aufforderung bekam mein Problem auch noch genauer zu erläutern. Dabei ist es meine ganz persönliche Entscheidung, wie ich mit meinen Problemen umgehe.

Das scheint nicht mehr zu gelten, wenn man auch nur minimal in der Öffentlichkeit steht. Das ist ein Armutszeugnis, allerdings nicht für mich, sondern für diejenigen die ein solches Verhalten an den Tag legen, und auch für eine Gesellschaft in der es normal ist, so mit anderen Menschen um zu gehen. Dürfen Blogger*innen also Legastheniker*innen sein? Es kann einem zwar niemand verbieten einen Blog zu betreiben, aber man braucht zum ersten eines: Ein dickes Fell! Kurz bevor ich überlegte meinen Blog endgültig einzustampfen, und mein Leben als gescheitert zu betrachten, passierte dann doch ein kleines Wunder. Ich bekam meinen erste Mail, die sich nicht mit Rechtschreibung auseinander setzte, sondern mit dem Inhalt eines Artikels.
Es war keine nette Mail, ein Mann der sich ziemlich darüber aufregte, was ich geschrieben hätte. Er zweifelte am Ende seiner Mail sogar an, ob ich wirklich eine Frau sei, weil meine Ausdrucksweise ihm zu intelligent dafür erschien. Das machte mich ziemlich böse und gleichzeitig glücklich. Denn meine Arbeit war nun endlich einmal über den Inhalt definiert worden, und nicht über Buchstaben.

Ich begann wieder zu schreiben, und mein Blog wurde in dieser Zeit bekannter. Tatsächlich nahmen die Rechtschreibkommentare ab, vor allem nachdem ich auf meiner Vorstellungsseite drauf hinwies sämtliche Anmerkungen zu meiner Rechtschreibung kommentarlos zu entfernen. Danach bekam ich noch genau eine Nachricht zu diesem Thema. Ich sei dumm, dass würde sich auch darin zeigen das ich mich weigern würde Schreiben zu lernen. Schlaue Menschen würden sich nämlich etwas bei bringen lassen im Gegensatz zu mir.
Aber ist es wirklich dumm einen Shitstorm zu ignorieren, der einen schadet? Ich habe eine stark ausgeprägte Sekundärlegasthenie. In meinem Falle heißt das: Je mehr ich über sie nach denke, und je mehr man mich drängt Rechtschreibung zu üben, um so schlechter wird meine Rechtschreibung. Und um so schlechter wurde auch meine Arbeit, weil ich mit Angst vor meinen Texten saß, und die Buchstaben vor meinen Augen tanzten, und ich plötzlich nicht einmal mehr wusste welcher laut eigentlich zu welchem Buchstaben gehört.

In meinem Kopf kreisten die ganzen Mail´s, Kinder in der Schule die mich ausgelacht haben, der Förderunterricht der überhaupt nicht zu meiner Form der Legasthenie passte, und zusätzlich zu meiner Primär-Legasthenie meine Sekundär-Legasthenie überhaupt erst ausgelöst hat, und meine Rechtschreibung noch weiter verschlechtert hat. Die Angst bei jeder Schularbeit in der Oberstufe, wieder mit einer 1 Inhalt, aber einer 5 in der Gesamtnote, wegen der Rechtschreibung nach hause zu kommen. Die Verzweiflung meiner Mutter, bei ihren Versuchen mir irgendwie das mit den Buchstaben beizubringen. Aber am schlimmsten, die Lehrer die mir erzählt haben, dass ich es niemals schaffen würde Archäologin zu werden, dass ich von einem Schulabschluss gar nicht träumen bräuchte, und dass lesen und schreiben Fähigkeiten sind, die ich niemals beherrschen würde. Keinen einzigen Buchstaben bekam ich zu Papier. Weder für meinen Blog, noch für die Uni. Anstelle dessen: Panikattacken.

Kurzum, ja ich habe in Problem mit der Rechtschreibung, aber es ist für mich eines, bei dem es nicht hilft, wenn Leute mich darauf hinweisen. Ich übe jeden Tag daran meine Rechtschreibung zu verbessern. Das ist für mich dass, was bei einem Menschen mit z.B.gelähmten Beinen die Physiotherapie ist. Er wird nach und nach immer mehr Bewegungsfreiheit gewinnen. Vielleicht wird er auch Rückschläge erleben, oder die Physio bewirkt am Ende gar nichts. Aber er wird nur wenn er besonderes Glück hat einmal einen Marathon laufen können. Und keinesfalls plötzlich, innerhalb eines Tages. Für mich ist es wiederum eine Art Marathonlauf einen Text zu schreiben, der keine Rechtschreibfehler enthält. Von mir wird also etwas nahezu unmögliches verlangt. Und wer mich deswegen anpöbelt, der macht es nicht besser. Symbolisch ist es das gleiche verhalten, wie wenn man den Menschen mit dem gelähmten Beinen samt Rollstuhl einfach umwirft, mit der Aufforderung er solle Laufen lernen. Glaubt ernsthaft jemand, dass sei ein hilfreiches Soziales verhalten? Die Frage danach, ob ich als Legasthenikerin Bloggen darf, ist für mich, wie die Frage, ob dieser gelähmte Mensch auch einen Gehweg benutzten darf, obwohl er das ja nur mit einem Rollstuhl kann!?

Ja ich habe dieses Problem! Aber ich bin deswegen nicht dumm, und niemand der solche Erlebnisse in seinem Leben hat ist dumm. Durch solche Kommentare und solche Momente wird ein Mensch schlichtweg und einfach reduziert auf eine einzige Eigenschaft. Dabei habe ich so viel mehr zu bieten. Und gerade Legastheniker*innen sind oftmals kreative Köpfe mit sehr viel Leidenschaft und tiefen Emotionen.

Und Leidenschaft habe ich eine Menge, und zwar für die Archäologie, und das möchte ich auch weiterhin teilen. Dabei muss ich nicht über Legasthenie schreiben. Ich bin in dieser Hinsicht in keiner Rechtefertigungspflicht. Legasthenie ist in meinem Augen auch keine Krankheit, sondern eine Andersartigkeit. Sie gehört zu mir, auch wenn andere Menschen das nicht akzeptieren wollen, aber ich mag mich so wie ich bin!
Trotzdem habe ich mich entschieden diesen Beitrag hier zu schreiben. Ich habe die Hoffnung anderen Menschen vor allem Schüler*innen denen gesagt wird, dass sie nichts erreichen können ein Signal zu geben, dass das nicht stimmt. Denn das was tatsächlich gebraucht wird um ein Ziel, dass einen begeistert zu erreichen ist in den meisten fällen, sich seine Begeisterung nicht kaputt machen zu lassen. Und vor allem sehr viel Üben, lernen und arbeiten. Mein Blog ist teil davon.

Aber darf ich das überhaupt als Legasthenikerin? Darf ich Texte schreiben bei denen andere Leute sich über die Rechtschreibung ärgern? Was wäre wenn das alle Legastheniker*innen machen würden?

Ich glaube das wäre wunderschön. Den wir haben gelernt uns zu verstecken. Gelernt zu lügen, gelernt so zu tun als wäre alles gut, wenn wir nie lernen konnten wie das mit der Rechtschreibung funktioniert. Weil wir Schrift jeden Tag brauchen in dieser Gesellschaft, und wir deswegen jeden Tag irgendjemanden irgendwas vorspielen müssen.  Legastheniker*innen sind oftmals schnell in der Schublade „dumm“ verschwunden. Und das ist ungerechtfertigt. Denn es gibt legasthene Anwält*innen und Richter*innen, Schauspieler*innen und Selfmademillionäre, es gibt Legastheniker*innen in allen Berufsgruppen. Hoch intelligente Menschen, die mit genau einer einzigen Sache ein Problem haben. Sie alle sollten Bloggen! Denn es ist ein Irrglaube, dass die Intelligenz eines Menschen von der Reihenfolge der Buchstaben, die er*sie auf einen Zettel schreibt abhängt. Sie sollten alle über ihre Welt Bloggen, damit der Rest der Welt lernt, was für wunderbare Menschen wir sein können, mit was für interessanten Ideen und tollen Leidenschaften.

Vor allem aber sollten sie über diese Leidenschaften bloggen. Denn einerseits sind Legastheniker*innen besonders gut darin sich in Dinge herein zu steigern, die sie interessieren, dadurch sind sie oftmals auf ihrem Themengebiet sehr bewandert. Auf der anderen Seite sind es die Blogs, die mit genau dieser Leidenschaft geschrieben sind, die Lesern wirklich Spaß bringen. Ich würde die Frage an dieser Stelle also gerne umdrehen und zurück in den Äther schicken „Dürfen leidenschaftslose Menschen Bloggen?“
Gleichzeitig würde ich allerdings auch niemanden das Bloggen verbieten wollen. Ich möchte darauf hinweisen, worum es beim Bloggen eigentlich geht. Und das ist die Leidenschaft die man dort hinein steckt. Und ich finde das gehört honoriert, sich in die Öffentlichkeit zu stellen, dazu gehört Mut. Und diesem sollte man mit Anerkennung begegnen. Und wenn man offensichtlich nicht perfekt ist und sich in dieses Haifischbecken begibt, dann sind es doch meist die Menschen mit dem schlechtesten Selbstwertgefühl die mit dem haten beginnen. Und zwar nur um sich für wenige Sekunden einem anderen Menschen überlegen zu fühlen. Und das ist verdammt arm!

 

….und nein bei diesem Text habe ich nicht sonderlich auf die Rechtschreibung geachtet!

12 Gedanken zu „Dürfen Legastheniker*innen Bloggen?

  1. Einfach ein großartiger Text! Worte, die mich so an mein Leben erinnern, die so vieles widerspiegeln, was ich erlebt habe und doch auch immer wieder erlebe. Dozent*innen, die mich Daraufhinweisen doch bitte nicht auf meine Betroffenheit hinzuweisen, da ich sonst für Stress im Prüfungsamt sorgen würde… wie lächerlich! Natürlich weiße ich jetzt erst recht darauf hin, dass ich ein Mensch mit Legasthenie bin!
    Wie leid mir die Menschen tun, die es brauchen sich über die Rechtschreibung anderer lustig zu machen und zu versuchen andere zu erniedrigen!

    In der Grundschule hieß es, ich würde niemals einen Schulabschluss schaffen, heute bin ich Sozialarbeiterin und befinde mich im Master… ich habe im englischsprachigen Ausland gelebt und setzte mich ein für ein inklusiveres Leben. Manche Kommentare treffen mich noch immer, sie öffnen einen Moment alte Wunden, aber dann schließen diese sich wieder und ich bin stärker als zuvor. All das, was mich treffen soll, macht mich stärker!

    Ja, es sollten viel mehr Menschen mit Besonderheiten wie Legasthenie öffentlich dazu stehen und laut sagen was Sache ist! Die Vielfalt macht uns aus und JA Menschen mit Legasthenie dürfen nicht nur bloggen, sie müssen es!!!

    Weiter so!!! Und wehe der Blog hier wird eingestampft!! Weiter so!!!

    -> Toll das auf diesem Blog nach neustem Standard gegendert wird!!

  2. Hey, ich mag Dir sagen, dass ich es super finde, dass und wie und was Du bloggst. Drücke die Daumen, dass solche saudämlichen Kommentare irgendwann an Dir abprallen, auch wenn das schwer ist. Und falls es eine Info ist, die Dir weiterhilft: Ich hab mal ein Lektorat für eine Publikation gemacht, alles Wissenschaftler*innen mit teilweise nicht wenig Renommee. Und hab mich gewundert, wie viele Fehler die in Texten haben, die sie offiziell einreichen. Lass Dich also nicht vom äußeren Eindruck täuschen, sehr viele Menschen sind unsicher bei der Rechtschreibung. Aber darauf kommt es halt auch gar nicht an, wenn der Inhalt gut ist.

  3. Hallo liebe „Mission Jones“,
    Das ist ein ganz wunderbarer Beitrag. Lass Dich nicht von diesen Miesepetern runter ziehen. Wir haben, jedenfalls aktuell, nur dieses eine Leben und da ist es wichtig, das zu tun, was einem wirklich am Herzen liegt. Sonst muss man am Ende des Lebens feststellen, dass man gar nicht richtig gelebt hat. Du hast alles richtig gemacht und mach es bitte auch weiterhin so.
    Inhalt ist wichtiger als Form
    Liebe Grüße Krystiane

  4. Eine Leidens Genossin!! Und das auch noch in der Archäologie. Genau die gleichen Erfahrungen habe ich auch gemacht. Mit einem Unterschied. In der Uni war es am schlimmsten. Ich hatte damals meinem Professor klar gemacht, dass ich eine Legasthenie hätte und habe auch die ärztlichen Bescheinigungen vorgelegt. Mir sagte er daraufhin, dass er nicht an die Legasthenie glauben würde, sondern das für ausgedacht halten würde. Daraufhin fing in den Seminaren das Mobbing an. Ich musste nach einem Referat jeden Fehler noch einmal aufrufen und vor den Kommilitonen erklären. Er hat mich jedes mal mit jedem Fehler bloß gestellt. Die Kommilitonen haben sich zum geringen Teil amüsiert. Der Rest distanziert. Weil Ärger mit dem Prof macht ja die Karriere kaput. Ich habe mich bei dem QM und Beschwerde Management der Uni beschwert. Doch die konnten auch nichts machen. Habe mich trotzdem durch gebissen. Kraft gegeben hat mir damals mein Zweitfach. Und die Waffe die ich immer bei mir trug.
    Das wichtigste ist einen Scheiß zu geben. Sowohl auf die nett gemeinten Kommentare. Die ich persönlich schlimmer finde, weil ich kein zurück gebliebener Hund bin, der trotzdem irgendwie etwas toll macht. Als auch auf die Beleidigungen. Wer mich auf Basis meiner Rechtschreibung, ohne mich zu kennen, meint beleidigen zu müssen ist ein Arschloch. Nichts anderes. Und seitdem ich mich von Arschlöchern fern halte. Bin ich zufrieden…

  5. Ich bin sprachlos. Sprachlos darüber wieviele Menschen einen verachten und sich die Frechheit herausnehmen einen Legastheniker so zu kritisieren. Einem die Lebensfreude und den Lebensinhalt zu nehmen! Mit welcher Begründung? Sie haben kein Recht dazu!
    Ich finde es großartig, dass Du das machst! Dass Du Dich nicht unterkriegen lässt! Dass Du weitermachst!
    Zwei meiner drei Kinder haben sehr ausgeprägte LRS. Dazu kommen noch Dyskalkulie und Konzentrationsstörungen. Sie sind noch sehr jung mit 9 und 11. Und ich weiß, dass noch ein schwerer Weg auf sie warten wird. Ich mache für die beiden gerade eine Ausbildung, damit ich sie zuhause besser unterstützen kann. Ich werde ihnen auf jedenfall von Dir berichten! Du bist so eine tolle und starke Persönlichkeit. Betroffene brauchen Mut und Mutmacher! Das ganze Umfeld muß sensibilisiert werden. Wir sind keine Zwei-Klassen-Gesellschaft – wir sind EINE Gesellschaft! Wir sind alle GLEICH!
    Danke, dass Du so offen darüber schreibst. Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute ♥
    Liebe Grüße
    Tanja

  6. Liebe Miss Jones,
    vielen Dank für diesen schönen Text.

    Sie haben recht, den Blog mit voller Kraft voranzutreiben. Legastheniker scheinen mir in unserer Gesellschaft angesehen zu werden wie Behinderte dritter Klasse. Von keinem anderen Behinderten – auch wenn Sie den Begriff vielleicht nicht mögen – wird etwas verlangt, was er nicht leisten kann. In Niedersachsen ist es besonders schlimm, da hier die letzten Jahre vor dem Abitur und im Abitur erwartet wird, dass der Legastheniker bis dahin die Rechtschreibung gefressen hat. Warum muss der Farbenblinde dann nicht Farben sehen können?
    Wenn die Schule überlebt ist, dann kann es an der Uni freier losgehen. Doch viele überleben – manche auch im wahrsten Sinne des Wortes – die Schule nicht und dümpeln als gescheiterte Existenzen durchs Leben. Dabei kann es sich unsere Gesellschaft gar nicht leisten, diese klugen Kinder zu versäumen.
    Die Kultusbürokratie kennt nur diese eine Antwort, wenn wir den Legasthenikern angemessenen Nachteilsausgleich für ihre Behinderung gäben, dann benachteiligen wir andere Schüler, die auch nicht richtig schreiben können. Diese Ansicht ist so verquer und widerspricht allen wissenschaftlichen Erkenntnissen des letzten Jahrzehnts, und doch lässt sie sich nicht ausrotten, wie immer wieder die Schriftwechsel mit dem KuMi zeigen. Für mich sind die Beamten des KuMi auf dem sozialverklärten Wissenstand der Sechziger Jahre stehengeblieben.

    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihren Forschungen und lassen Sie sich nicht unterkriegen. Sie sind nicht alleine.

    Viele Grüße aus Oldenburg
    Gustav Wehner
    http://www.notenschutzfuerschuelermitlegasthenie.wordpress.com

  7. Danke für diesen Blog-Beitrag! Das Thema lässt mich nicht mehr los — natürlich auch — weil es Teil meiner Forschung ist. Deshalb möchte ich auf die Facebook-Forschung aufmerksam machen: Diese beschreibt, dass Personen mit einer Lese-/Rechtschreibstörung häufiger negatives Feedback zu Ihrer Schreibweise erhalten als andere!

    https://research.fb.com/publications/im-never-happy-with-what-i-write-challenges-and-strategies-of-people-with-dyslexia-on-social-media/

  8. Pingback: #DHMMeer - Europa und das Meer | Miss Jones

  9. Herzlichen Dank für diesen Artikel! Du hast mir die Augen geöffnet! Ich bin nämlich auch eine von denen, die meinen, dass eine gute Rechtschreibung für einen Blog wichtig ist. Ja, ich finde es schwierig, Texte zu lesen, in denen viele Fehler sind und Kommata fehlen. Das lenkt mich vom Inhalt ab und meistens lese ich nicht bis zum Ende. Dass da jemand mit Legasthenie schreibt, auf die Idee bin ich noch nie gekommen!
    Nun werde ich das mehr berücksichtigen. Hoffentlich werde ich damit auch etwas toleranter Schreibfehlern gegenüber. Jedenfalls mag ich als Archäologie-Interessierte nicht auf deine spannenden Artikel verzichten.
    Nochmal: Danke für deinen mutigen und offenen Artikel!
    Alles Gute
    Ulrike

  10. Hey Miss Jones,
    leider gibt es immer irgendwelche Vollpfosten, die alles und jedes schlecht machen müssen. Die Dummheit und Verbohrtheit in unserer Gesellschaft ist da wohl eher grenzenlos.

    Deshalb mein Tipp:
    Lass dich von solchen Menschen auf keinen Fall beeindrucken.
    Wenn sich jemand über die Schwäche eines anderen auslässt – dann sagt er damit jede Menge über sich selbst aus. Er braucht die Schwäche um sich selber darüber zu erheben. Welch armer Mensch. Da ist jeder Kommentar ein selbst ausgestelltes Armutszeugnis.
    Schicke ihm Mitleid – falls du kannst. Er kann es brauchen.

    Ich weiß, dass du nicht gefragt hast… Aber ich habe noch eine Idee:
    Ich bin seit vielen Jahren als Lerntrainer für Kinder und Erwachsene mit LRS tätig.
    Weil ich das eh anders mache, als die anderen, weiß ich wie viele Anfeindungen einem begegnen.
    Unter anderem bekomme ich die, weil ich den Menschen viel schneller zu Erfolgen verhelfe, als viele der anderen. Und ganz offen: Negative Kommentare beschäftigen mich genauso wie dich.
    Aber wenn du magst, finden wir vielleicht einen Weg, mit dem du dein Problem in Zukunft in den Griff bekommst. Keine Sorge: Ich will dir nichts verkaufen und nichts aufdrängen. Schreib mir einfach mal ,wie du dem gegenüber stehst.

    Alles Liebe
    Thomas Hofmann – Der LRS-Profi

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