Glaumbær ein sagenhaftes Kulturerbe

Island 1840. Eine Bauernfamilie baut ihr Haus aus. Es ist kalt und windig auf der Insel. Doch die Isländer*innen kennen tolle Bautechniken um sich ein kuschelig warmes zu Hause zu bauen. Diese Bautechniken, kamen wie die Isländer selbst mit den Wikingern auf die Insel. Es handelt sich um Torfhäuser. Die Wände und Dächer dieser Gebäude bestehen aus Grassoden, die aufeinander gestapelt werden. Und das dicht an dicht in einer sogenannten Fischgrätenbauweise. Das heißt die Grassoden werden so gestapelt, dass sie ineinander verzahnt sind. Das ist ganz besonders stabil. Und da auf Island die Erde besonders Torfhaltig ist, und Torf gut isoliert, lassen sich mit dieser Technik gut winterfeste Unterkünfte bauen.

Zwei hütten die Ganz und gar aus Grass besetehen, und vom oben bis untern bewchsen sind. Eine Ausnahme bilden Dabei die Fenster die in dreieckiege Holzgiebeleinbauten eingesetzt sind.

Nicht nur warm, sondern auch hübsch, diese Grasbauweise – es wirkt ein wenig als hätten die Häuser Pullover an (Bild: Ollografik (CC BY-ND 2.0)).

Das klingt allerdings einfacher als es ist. Viel Erfahrung, die sich über die Jahrhunderte angesammelt hat, ist notwendig, um so ein Gebäude zu bauen. Sind die Häuser zu groß stürzen sie sofort ein. Haben die Dächer den falschen Winkel besteht die Gefahr, dass das Regenwasser nicht richtig abläuft, die Dächer sich vollsaugen, die Grassoden matschig werden und abrutschen. Die Folge: auch dann stürzen die Häuser ein. In Glaumbær wird deswegen der Hof auf eine Art und Weise erweitert, die ebenfalls seit der Wikingerzeit bekannt ist. An das älteste Haus, das bereits seit 1750 existiert, werden weitere Häuser angebaut im Inneren sind die Gebäude miteinander verbunden.

Von Haus zu Haus ohne raus zu gehen

Ein 20 Meter langer Gang macht es möglich von Haus zu Haus zu gehen, ohne dabei im Winter kalt zu werden. Das gilt für fast alle 16 Häuser, die auf diesem Hof zu einem verschmolzen wurden. Das älteste Gebäude wird nach der Entstehung der Hoferweiterung zur zentralen Küche umfunktioniert. Und auch die anderen Gebäude haben verschiedene Funktionen.

Gebäude aus Gras die dicht aneiander gebaut sind. sie stehen in einer art halbkreiscluster zueinander.

Von weitem sieht es aus, als würden sich selbst die Häuser auf dem kalten Island aneinander Kuscheln (Bild: Pintafontes (CC BY-SA 2.0)).

Es ist der Text eines Gastes überliefert, der das Gastsein auf dem Hof beschreibt. Das Gästezimmer ist ganz am Eingang der großen Anlage. Hübsch eingerichtet und luxuriös ausgestattet. Aber auch weit weg von den anderen Wohnräumen und deswegen kalt. Isländische Gastfreundschaft bedeutet im 19. Jahrhundert, dass man Gäste willkommen heißt und gut versorgt. Aber auch, dass man es ihnen nicht zu gemütlich macht, damit sie irgendwann wieder gehen.

Der Hof ist ein kleiner Luxusbau

Das Besondere am Gästezimmer und auch an der Vorderfront von Glaumbær ist: Es gibt Holzvertäfelungen. In Island ein wirklich teures Vergnügen, dass sich nur sehr reiche Familien leisten können. Der Grund: Es gibt auf Island Holz nicht als natürlichen Rohstoff. Bereits die Wikinger hatten die wenigen Baumbestände für ihre Schiffe abgeholzt. Das bedeutet, entweder man importiert Holz, oder aber man muss sich darauf verlassen, dass man Treibholz am Inselufer findet.

Ein Holzvertäfelter zpitz zulaufender Raum. Untern Grün gestrichen oben weiß gestrichen. Links und rechts steht ein bett, in der mitte ein Schreibtisch an einem Fenster.

Ein Blick in das Gästezimmer des Hofes (Bild: Public Domain).

Das Leben in einem solchen Torfhaus war im Winter sehr eng. Schlauchartig führt der Weg von den Gästezimmern durch eine Vorratskammer in die Küche, in der es ein warmes Herdfeuer gibt. An der Decke hängt Fleisch zum Räuchern und jeden Tag wird hier gekocht. Dahinter liegt ein besonderer Raum:

Die Baðstofa

Hier findet das Leben statt. 11 Betten sind im Kreis aufgestellt. In diesen wird geschlafen, gegessen, gelebt und gearbeitet. Jedes Bett bietet Platz für zwei Personen. 22 Menschen leben hier also eng auf eng. Das ist stressig, bietet aber einen Vorteil: Die gut isolierten Torfwände machen eine Heizung überflüssig – die Körperwärme der Familie reicht aus, um den Raum auch im tiefsten Winter auf eine angenehme Temperatur zu bringen. Das Zusammenleben ist ein soziales beieinander. Männer schnitzten und Frauen machen Textilarbeiten. Da sie dazu Licht brauchen ist ihr Platz meist direkt am Fenster. An diesem Ort wurden in den langen Winternächten Sagen und Legenden erzählt, um sich die Zeit zu vertreiben. Das gab es sogar als Beruf. Geschichtenerzähler*innen die von Hof zu Hof zogen, um diesen Zeitvertreib anzubieten.

Blick in einen Voll Holzvertäfelten Raum. Links und rechts stehen Doppelbetten. aus Holz.

Ein Blick in die Baðstofa – der Raum in dem das Leben auf dem Hof im Winter zusammenkommt (Bild: Latzenhofer (CC BY-SA 2.0)).

Eine Sage die im 19. Jahrhundert auf Glaumbær erzählt wird, ist bis heute bekannt

Leif Erikson soll von Glaumbær aus die Besiedlung von Vinland (Amerika) geplant haben. Gemeinsam mit seiner abenteuerlustigen Frau Guðriður, eine Sklaventochter, die er auf Grönland kennengelernt und mitgebracht hatte. Das Paar brach auf, mit ein paar Siedlern. Irgendwann kamen sie zurück. Guðriður hatte in Amerika ein Kind geboren. Einen Sohn namens Snorri. Laut der Sage, der erste in Amerika geborene und in Europa gestorbene Mensch. Die Familie ließ sich in Glaumbær nieder. Aber Guðriður hatte einen unfassbaren Abendsteuersinn und unternahm viele Reisen in andere Welten. Bei einer Pilgerreise gelangte sie sogar ganz bis nach Rom. Ihr Sohn Snorri bleibt unterdessen im Glaumbær der Wikingerzeit. Er wird ein erfolgreicher Bürger und baut die Kirche, die direkt bei dem Glaumbær Hof steht. Auf dem Friedhof daneben wird er nach seinem Tod beerdigt.

Die Kriche von Glaumbaer, sie besteht aus weißem Holz und hat ein rotes Dach. Danaben stehen die Grasßbauten aus dem 19. Jahrhundert.

Neben dem Hof steht tatsächlich eine Kirche. Aber stimmt die Sage? (Bild: Thaller (CC BY 2.0)).

Die Frage ist, was ist dran, an dieser Legende, die aus einer Zeit vor 1.000 Jahren berichtet? Tatsächlich gibt es diese Kirche auf dem Gelände des Glaumbær Hofs. Und tatsächlich gibt es dort Gräber die in die entsprechende Zeit passen. Aber einen Grabstein, der auf das Grab Snorris verweisen würde, den gibt es nicht. 1994 wurde aber in Erinnerung an die Sage ein Denkmal aufgebaut. Und zwar nachdem nur wenige Meter östlich neben dem Hofgebäude archäologische Spuren von einem älteren Hof aus der Wikingerzeit gefunden wurde. Der Beweis, dass es hier eine Kirche einen Friedhof und einen Bauernhof in der passenden Zeit gab, ist also tatsächlich erbracht. Aber das ist kein Beweis dafür das Snorri, oder seine Eltern tatsächlich auf dem exakten Vorläufer vom Glaumbær Hof gelebt haben. Dennoch ist es eine spannende und durchaus mögliche Geschichte. Wer sich die Räume einmal selber ansehen will, in der sich die Isländer*innen solche Wikingersagen erzählt haben, der kann einfach hinfahren, der Hof war bis 1940 bewohnt und ist heute ein Freilichtmuseum. Das Besondere: Viele originale Gegenstände aus dem 19. Jahrhundert sind noch vorhanden in diesem sagenhaften Kulturerbe.

Anmerkung:

Dieser Beitrag entstand für den Miss Jones Adventskalender 2020. Aufgrund der Corona-Einschränkungen ein Adventskalender, der zum Träumen an Fremde Orte anregen soll. Eine Vorfreude auf die Zeit nach der Pandemie. Ich stelle hier ausschließlich Orte vor, an denen ich selber noch nicht war, wo ich aber selber gerne einmal hin möchte.

Literatur:

Lutz Berger und Ulrich Quack: Island – Reiseführer von Iwanowski: Individualreiseführer mit vielen Detailkarten und Karten-Download, 2016.

Christian Nowak: Baedeker SMART Reiseführer Island, 2019.

Jörg-Thomas Titz: Reise Know-How Reiseführer Island und Färöer-Inseln, 2018

https://www.lonelyplanet.com/iceland/varmahlid/attractions/glaumbaer/a/poi-sig/1178251/1325548

http://naturalhomes.org/timeline/glaumbaer.htm

https://www.iceland.de/index.php?id=672

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