Zeitkapsel … mach mit wenn du möchtest!

Wir leben heute in einer seltsamen Zeit. Alles ist anders, und wenn man uns vor einigen Monaten erzählt hätte, dass Menschen Klopapier horten und Nähanleitungen für Mundschutzmasken online Viral gehen. Wir hätten vermutlich mit einem müden Lächeln darauf reagiert. Wir leben in einer Zeit, die in die Geschichtsbücher eingehen wird, die Frage ist, wer wird diese Geschichten schreiben? Wer wird sie erforschen? Zum Beispiel Historiker*innen aus der Zukunft. Und was werden sie erforschen?

Ein Pergament mit der Aufschrift: In der Zukunft wird man über uns wissen, was sich über die Zeit erhalten wird.

Und das ist eine interessante Vorstellung. Was wird von uns übrig bleiben? Und können wir selber darüber bestimmen? Derzeit gibt es einige Universitäten, die Onlinesammlungen machen über die Phänomene, die das Coronavirus mit sich bringt. Doch ich sehe zwei Probleme daran:

1. Die Haltbarkeit

Die Haltbarkeit und Beständigkeit der digitalen Medien ist unklar. Wir wissen nicht wie zum Beispiel Datenträger in 100 Jahren aussehen. Aber wir wissen, dass die digitalen Medien, die in die Jahre gekommen sind, oftmals in ihrer Haltbarkeit beschränkt sind. Disketten kann man beispielsweise nach 10 Jahren falscher Lagerung entsorgen. Sie funktionieren nicht mehr. Das Ergebnis ist ein Datenverlust. Ganz neben der Tatsache das die Endgeräte, welche Disketten verarbeiten immer schwerer erhältlich sind. Denken wir noch 50 Jahre weiter. Wie können wir auswerten was einmal auf einer Diskette war?

Ein Bild mit drei aufeinandergestapelten schwarzen Disketten vor einem weißen Hintergrund.

Vor wenigen Jahrzehnten waren sie der neuste Stand der Technik (Foto: Public Domain Pictures)

Nun gut. Wir werden heutzutage kaum auf die Idee kommen Disketten zu verwenden. Aber wann verrottet ein USB-Stick? Und wie wird sich das Internet weiter entwickeln? Kann man in 100 Jahren noch auf die heutigen Youtoubevideos mit z.B. Nähanleitungen zugreifen? Wir wissen es schlichtweg und einfach nicht. Dabei sind solche Quellen für die Historiker*innen der Zukunft wichtige Quellen. Wenn wir also unseren Nachfahren etwas aus unserer Zeit hinterlassen wollen, erzählen wollen wie es damals war, im Coronazeitalter, dann sollten wir darüber nachdenken wie wir das tun. Meine Idee ist, man könnte eine Zeitkapsel bauen. Nicht ich alleine, sondern viele Leute zusammen. Ich lade euch herzlich ein mitzumachen. Lasst uns eine Zeitkapsel, mit Dingen die wir konservieren wollen, für die Historiker*innen die uns eines Tages erforschen wollen, bauen. Eine Zeitkapsel für die Zeit nach uns. Mit einem festen Zeitpunkt ab dem sie geöffnet werden darf. Zum Beispiel 150 Jahre nach dem Ende der Coronakrise.

Eine Metallplatte mit der Aufschrift: "Archäologie der Zukunft Memoria - 3790 nach Christus - Erinnerungen für die Zukunft"

In Kassel gibt es eine Zeitkapsel vor dem Luther Turm

Aber wie macht man diese Dinge haltbar? Für die Konservierung braucht es einige Umstände. Gut erhalten sind meistens Objekte die in luftdichten Metallgefäßen aufbewahrt wurden. Hierzu kann man Metallgefäße kaufen, die oftmals bei Grundsteinlegungen vergraben werden. Diese Gefäße kann man mit Inhalt füllen. Klar, Steintafeln würden länger halten, aber es ist eher schwierig, das wir unsere Gedanken allesamt in Stein meißeln. Tatsächlich erhält sich ein Schriftstück bei dem richtigen Gefäß und bestimmten Papier. Dies ist gar nicht so teuer. Säure freies Kopierpapier wird für Dokumente in Paketen mit 500-Blatt verkauft, die 4-5 Euro kosten. Dies ist langlebig genug um 150 Jahre in einer Zeitkapsel zu überstehen. Am besten übersteht Bleistift einen solchen Zeitraum. Zeitkapseln werden oftmals vergraben, zum Beispiel vor öffentlichen Gebäuden oder Kirchen. Und sie werden gekennzeichnet mit einer Plakette auf der geschrieben steht, wann die Zeitkapsel geöffnet werden soll.

Pergament mit der Aufschrift: "Wenn du mitmachen möchtest beachte bitte: - Papier  nach Norm DIN EN ISO 9706 - Bitte keine Klebstoffe oder Heftzwecken aus Metall - Auch keine Tinte bitte"

Du kannst auch einfach im Geschäft nach besonders langlebigen säurefreiem Papier fragen.

Der zweite Punkt, den ich an den digitalen Dokumentationen bemerkt habe, ist gleichsam der Grund warum man eine Zeitkapsel selber machen sollte.

Es ist eine Auswahl. Online kommen zwar sehr viele Punkte dieser Zeit zur Sprache. Aber, das jemand intime Gedanken preisgibt, ist dann doch eher selten. Es wird das dokumentiert, was allgemein als wichtig gilt. Aber die Gedanken von jedem einzelnen von uns sind genauso wichtig. Die Idee kommt mir vor allem, weil ich vor einiger Zeit von dem Fund eines Tagebuches aus der Zeit um 1813 in Hamburg gelesen habe. Durch solche Dokumente lässt sich diese Zeit mit den Augen der Menschen, die in dieser Zeit gelebt haben sehen. Man kennt ihre Gedanken. Eine Lebenswelt erschließt sich eher. Und die Probleme und guten Momente des Alltags, Ängste, Sorgen und Stressmomente aber auch zum Beispiel lustiges lässt sich so nachvollziehen. Wenn wir in die Geschichte gucken, wissen wir z.B. wie die Titanic aussah. Wir wissen auch was überlebende sagen, an was sie sich erinnern. Hätten wir ein Tagebuch, dann hätten wir eine direkte Perspektive davon wie es war in den Tagen vor dem Eisberg. Und sogar in der Wortwahl und der Mentalität des entsprechenden Zeitalters.

Pergament mit der Aufschrift "Unsere Leben und unser Alltag sind wichtig"

Für dich, für mich und auch für die Menschen in der Zukunft, wenn sie unsere Zeit verstehen und aus ihr lernen wollen. Die Idee ist also, lasst uns unsere Gedanken konservieren in dem wir Briefe und Tagebücher schreiben. Tagebücher aus unserem direkten, realen Leben. Die Gedanken einer Mutter mit 5 Kindern, werden andere sein als meine Gedanken, oder die eines alleinstehenden alten Mannes. Das macht keinen von uns mehr oder weniger wichtig, sondern wir alle sind Augenzeugen, Akteure und Bestandteile dieser Zeit. Sie werden in einer Zeit gelesen werden, in der es keinen von uns mehr geben wird. Deswegen hier ein paar Ideen, was du schreiben kannst.

Pergament mit der Aufschrift "So kann jeder von uns spuren hinterlassen, auxh nach dieser anstrengenden Zeit der Coronaepedemie.

Und für einige mag es in der Wahrnehmung auch so sein das man an dem Tag an dem wir unsere Gedanken aus dieser Zeit vergraben mit dieser Coronazeit abschließen und neu beginnen können.

Wenn du Lust hast, mitzumachen brauchst du also vorerst nur einen Bleistift, säurefreies Papier und Lust alles aufzuschreiben. Keine Sorge, ich werde nicht lesen was ihr so schreibt. Eure Gedanken gehören euch, und den Historiker*innen, die uns einmal erforschen werden. Und es ist egal, ob du einen Brief schreibst, oder ein ganzes Tagebuch. Die Idee ist, glaube ich klar. Aber soooo einfach ist das nicht. Folgende Probleme sind noch ungeklärt:

1. Ich habe keine Ahnung, ob es jemanden gibt, der evtl. so ein luftdichtes Metallgefäß bauen kann und es auch machen möchte. Ich habe nämlich gar kein Geld für so eine Aktion. Aber vielleicht kennst du ja Jemanden, der Jemanden kennt, der einfach gerne bastelt und genauso mit offenen Herzen durch die Welt geht und der Lust hätte so ein Gefäß zu bauen.

2. Ich weiß nicht, wo ich die Zeitkapsel vergraben möchte. Aber vielleicht arbeitest du ja in einem Museum oder in einem öffentlichen Gebäude, oder einer Kirche, die sich vorstellen kann sich an diesem Projekt zu beteiligen und uns eine Stelle zur Verfügung stellt, an der wir unsere Gedanken vergraben dürfen.

3. Ich kenne auch niemanden der eine kleine Steinplakette machen würde, auf der verzeichnet ist, dass dort die Zeitkapsel liegt, und wann sie geöffnet werden soll. Aber evtl. kennst du ja Jemanden, oder bist selber in deiner Freizeit Bildhauer, und hättest Lust so etwas zu bauen.

Ich würde mich wirklich freuen, wenn ihr euch an diesem Projekt beteiligen möchtet. Schreibt mir doch in den Kommentaren was ihr dazu denkt. Ich werde versuchen euch hier auf dem Laufenden zu halten, was das Projekt angeht. Dieses kann sehr lange dauern, da wir einfach nicht wissen wie sich die Situation entwickelt. Aber ich glaube es ist sinnvoll, wenn wir den Menschen der Zukunft etwas aus dieser Zeit hinterlassen. Und wir können dadurch zusammenhalten und etwas mehr das Beste aus dieser Situation machen. Also schreibt mir gerne einen Kommentar und lasst uns als Gemeinschaft zusammen halten, auch wenn wir derzeit voneinander Abstand halten müssen.

Und eines noch: Bleibt bitte alle Gesund!

Literatur:

https://www.pcwelt.de/ratgeber/Lebensdauer-von-Disketten-1224011.html

https://www.mopo.de/hamburg/historisch/historischer-schatz-diese-tagebuecher-erlauben-eine-zeitreise-ins-alte-hamburg-32887732

6 Gedanken zu „Zeitkapsel … mach mit wenn du möchtest!

  1. Liebe Miss Jones,
    immer wieder lese ich deine Beiträge mit großer Freude!
    Metallgehäuse: Ich werde einen Bekannten fragen. Das dauert in diesen Zeiten…
    Papier: Hhm… 150 Jahre ist ja nicht so viel. Was sollen die Archäolog*innen in 3000 Jahren damit anfangen, es sei denn, sie verfügen über gute Analysemethoden in puncto altem Papier. Alternativen: Schallplatte oder Metallplatten? Das wird natürlich teuer.
    Gelände: Sich eine eigene Fläche sichern?
    Deine Idee ist sehr schön: Jede(r) fängt an zu schreiben. Alltagsgeschichte wird dokumentiert, nicht HERRschaftswissen.
    Bitte halte mich auf dem Laufenden!

    Zum Schluss noch eine Bemerkung, obwohl du sie dir irgendwo verbeten hast:
    Als Deutschlehrer in Rente und Vater einer Tochter mit LRS: Schreibe weiter so, wie dir der Schnabel gewachsen ist! Die Inhalte sind wichtig. Und da finde ich, ein archäologischer Laie, dich richtig gut!

    LG Gerd

  2. Pingback: Schreibideen | Miss Jones

  3. Es ist interessant zu beobachten, wie die Coronakrise wirkt:
    Ältere Personen über 80 Jahre sehen die Sache ziemlich gelassen. Die Einschränkungen nehmen sie hin mit dem Hinweis: wir haben schon schlimmere Phasen in der Kriegs- und Nachkriegszeit erlebt und das hat uns nicht geschadet. Wir können auch mit weniger leben.
    Die Hilfe unter Nachbarn hat sich eindeutig positiv entwickelt und wird von allen Beteiligten geschätzt.
    Die Lebensumstände haben großen Einfluß auf die Freiheitsräume, die man trotz Corona hat. Im Vorteil in dieser Beziehung sind ländliche und kleinstädtische Lebensumwelten.

  4. Pingback: Aktion Corona-Zeitkapsel Schreibideen 2 | Miss Jones

  5. Pingback: Aktion Zeitkapsel: Schreibideen Teil 3 | Miss Jones

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