Zeitkapsel Schreibideen Nummer 4: Weihnachten

Für die Aktion Zeitkapsel versuche ich für euch regelmäßig neue Schreibideen zu finden. Bei der Aktion geht es darum, dass wir Erlebnisse aus der Corona-Zeit in einer Zeitkapsel bewahren, die in 150 Jahren von Historikern erforscht werden kann, welche zu unserem Zeitalter forschen. Diese können anhand von unseren ganz verschiedenen Lebensarten und unseren ganz verschiedenen Erzählungen dann die Diversität aber auch die Gemeinsamkeiten unserer Zeit rekonstruieren. Wer mehr dazu wissen will, einfach hier auf den link klicken. Und wer die anderen Schreibideen noch einmal nach sehen möchte, die Ideen 1, und 2 und auch 3 sind jeweils unter den Zahlen verlinkt.

Aber warum ist es für Historiker*innen interessant wie wir Weihnachten feiern?

Es verhält sich so: Zwar glauben wir, dass Weihnachten eine Tradition ist und dass Traditionen sich über die Zeiten hinweg erhalten, aber tatsächlich verändert sich Brauchtum. Wir feiern heute ganz anders Weihnachten als zu anderen Zeiten. 150 Jahre sind bei Traditionen zwar keine allzu lange Zeit, weil oftmals vieles gleich bleibt, aber: Vieles verändert sich auch. Und zusätzlich: Ich feier bestimmt anderes Weihnachten als andere Leute. Einige von euch sind vielleicht sehr christlich, andere sehr familiär geprägt, wieder andere haben eine ganz andere oder gar keine Religion. Es ist auch interessant zu erfahren, wie sie das Fest wahrnehmen. Wenn bei mir alles läuft wie immer, dann werde ich am Heiligabend bei meinen Eltern sitzen. In guten Jahren gibt es an Weihnachten das Beste aus Wacken auf Arte zu sehen und sowas sehen wir uns dann zusammen an. Religiös ist bei uns keiner. Aber das ist kein Grund keine schöne Familienzeit zu haben. Bei uns kann das eben auch Heavy Metal bedeuten. Bei euch ist das vielleicht anders. Das ist auch total in Ordnung und für einen Blick in unsere Zeit relevant. Um verschiedene Fassetten abzubilden.

Aber was heißt das nun, dass Traditionen sich verändern?

In der Archäologie ist das etwas ganz normales. Anhand der Veränderungen in beispielsweise Bestattungstraditionen können wir Gräber relativ genau datieren, wenn bekannt ist in welcher Zeit wie bestattet wurde. Aber auch bei Anlässen wie Weihnachten ändern sich die Zeiten. Da die Botschaften in der Zeitkapsel in die Welt in 150 Jahren geschickt werden sollen, ist es also eine ebenso interessante Überlegung wie sich Weihnachten in den letzten 150 Jahren verändert hat. Würden wir hypothetisch eine Familie aus dem Jahre 1870 zu einem klassischen Weihnachtsfest unserer Zeit einladen, dann wären diese mit Sicherheit über vieles Überrascht. Und dabei spreche ich nicht nur von Internet, TV-Geräten und dergleichen.

Ein Stock mit ein Paar grünen Plastikästen.

Übrigens auch ein Zeichen eines Weihnachten einer anderen Zeit. Dieser Baum wurde 1940 von deutschen Marinesoldaten gebastelt, um etwas Weihnachtstimmung auf ihrem Schiff in der Südsee zu bekommen (Ausgestellt im Maritimen Museum Hamburg).

Fangen wir an mit dem Weihnachtsbaum, dieser wäre unserer Gastfamilie allbekannt. Der erste Weihnachtsbaum wurde nämlich bereits 1815 erstmals aufgestellt und dieser Brauch hat sich schnell weit verbreitet. Die Idee Christbaumkugeln aufzuhängen, gibt es allerdings erst seit 1847. Bis zu dieser Zeit wurde der Baum mit Äpfeln und Walnüssen geschmückt. Also mit besonders leckeren Naschereien. Aber das war teuer. So kam ein Thüringer Glasbläser auf die Idee billige glitzernde Kugeln aus bunten Glas herzustellen und diese stattdessen in den Baum zu hängen. Unsere Gastfamilie aus der Vergangenheit wäre also sehr verwirrt in einen Haushalt mit einem Reich gedeckten Gabentisch zu kommen, in eine Welt in der es scheinbar an nichts mangelt und dann einen Baum zu sehen, der geschmückt ist wie bei armen Leuten.

Ein reich geschmückter Weihnachtsbaum mit glitzernden goldenen und roten Kugeln.

Ein ganz schöner Kontrast zu der Zeit von 150 Jahren, oder? Wie wird wohl ein Weihnachtsbaum im Jahr 2170 aussehen? (Foto: Free Photos).

Ein bisschen für Verwirrung sorgen würde auch der Weihnachtsmann. Dieser war in der Zeit, aus der unsere Gastfamilie kommt, bereits lange bekannt, nur der rote Mantel wäre ein Kuriosum. Dabei hat es diesen vor 150 Jahren bereits gegeben. Entgegen der Idee der rote Mantel sei eine Erfindung von Coca Cola, stammt die erste Zeichnung eines solchen Weihnachtsmannes aus dem Jahre 1846. Thomas Nast, ein Deutscher Einwanderer in den USA, zeichnet den Rauschebärtigen dort in Rot, als eine Ikone. Ein Statement zum Bürgerkrieg. Die rote Farbe sollte den Soldaten symbolisch Kraft geben. 1923 wurde diese Zeichnung dann vermutlich als Vorbild genommen, um die erste Coca Cola Werbung mit dem Weihnachtsmann zu verbinden. Unsere Gastfamilie aus dem Jahre 1870 kennt Coca Cola natürlich nicht. Aber sie wäre überrascht zu sehen wie stark sich dieser amerikanische Bürgerkriegs-Santa-Claus in Deutschland verbreitet hat. Denn vor 150 Jahren war es nicht fest geregelt, in welchen Farben der Weihnachtsmann gekleidet ist. In der ersten bebilderten Variante von Charles Dickens berühmter Weihnachtsgeschichte trug er Grün. Als Väterchen Frost war er meist Blau gekleidet und letztendlich hing die Farbe des Weihachtmannes auch immer wieder von den zur Verfügung stehenden Materialien ab, um eine Darstellung oder ein Kostüm anzufertigen.

Harpers Weekly vom 1. Januar 1881. Ein Holzschnitt ines Weihnachtsmannes. Ein Ma mit knollnase und Mantel hat eine menge Kinderspielzug unter den kinken Arm gklemmt, in der recht Hand hält er eine Pfeife.

Weihnachtsmann Darstellung von Thomas Nast 1881. Ein Holzschnitt der die Basis wurde für unseren heutigen Weihnachtsmann.

Und bevor ich unsere Gastfamilie wieder nach Hause schicke, möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass es vor 150 Jahren zwar auch Weihnachtslieder gab. Aber die allermeisten Lieder, die wir heute an Weihnachten hören oder Singen stammen frühestens aus den 1930ern. Ich glaube, ihr wisst, worauf ich hinaus möchte. Darauf, dass die Welt sich langsam in Kleinigkeiten ändert, aber wenn man einen großen Sprung durch die Zeit macht, dann sieht die Welt plötzlich ganz anders aus. Und das gilt auch für das Weihnachtsfest. Und deswegen meine Schreibidee zur Weihnachtszeit: Schreibt auf, was ihr mögt oder nicht mögt. Schreibt Details auf, die für euch von belang sind oder eben nicht. Und vor allem denk daran, euer subjektiver Eindruck ist wichtig für ein Gesamtbild. Also auch für Weihnachten gilt:

Pergament mit der Aufschrift "Unsere Leben und unser Alltag sind wichtig"

Besonders interessant: Wie ist Weihnachten in Corona-Zeiten, werdet ihr durch die beschlossenen Regeln eingeschränkt? Was ist anders als sonst? Was vermisst ihr? Was vermisst ihr nicht? Wie läuft das Geschenke besorgen im Jahr 2020? Gibts dafür dieses Mal überhaupt genug Geld? Was kocht ihr leckeres? Und wie schafft ihr es das Beste aus der Situation zu machen? Ich wünsch euch frohe Schreibideen und eine schöne Vorweihnachtszeit!

Und ab Dienstag könnt ihr euch über etwas Abwechslung mit dem Miss Jones Adventskalender freuen!

Literatur:

Seit wann feiert man eigentlich Weihnachten? Und warum überhaupt?

https://www.wanderlust-magazin.de/de,de/news/wer-erfand-die-christbaumkugel,article00006938.html

https://www.t-online.de/nachrichten/wissen/geschichte/id_86938470/weihnachten-als-der-weihnachtsmann-noch-blau-trug.html

https://www.geo.de/wissen/18013-rtkl-feiertage-warum-der-weihnachtsmann-wirklich-rot-traegt-fuenf-fun-facts-fuer-den

https://www.wanderlust-magazin.de/de,de/news/wer-erfand-die-christbaumkugel,article00006938.html

Ein Gedanke zu „Zeitkapsel Schreibideen Nummer 4: Weihnachten

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