Eine Gottesanbeterin in Stein graviert

Gottesanbeterinnen, in der Biologie auch Mantis Religiosa genannt sind eindrucksvolle Insekten. Ihr Anblick, ihre Anmut und ihre besondere Körperhaltung faszinieren. Offenbar gilt das nicht nur für den Homo Sapiens im Internetzeitalter, sondern auch für die Menschen der Vergangenheit. Im alten Ägypten gibt es für das auffällige Insekt sogar eine eigene Hieroglyphe. Kürzlich wurde bekannt, dass in Teymareh, im mittleren Westen des Iran, ein Felsbild einer Gottesanbeterin gefunden wurde. Die Kunstwerke an dieser Stätte sind zwischen 4.000 und 40.000 Jahre alt. Eine Datierung mit naturwissenschaftlichen Methoden ist bei diesem Fundplatz nach aktuellem Forschungsstand weitestgehend unmöglich.

Eine zweigeteilte Darstellung auf der Linken Seite ist die Felsritzung gezeigt, auf der anderen seite eine Umzeichnung.

Die Felsritzung die vmtl. eine Gottesanbeterin zeigt (Foto: Kolnegari)

Die Abbildungen stehen in Zusammenhang mit nomadischen Kulturen, die sich hier über Jahrtausende hinweg verewigt haben. Bei der Darstellung des Insektes handelt es sich um ein Petroglyph, also ein in den Fels geritztes Bild. Erstmals bemerkt wurde dieses Kunstwerk vor etwa 2 Jahren. Die Entdecker*innen dachten zunächst an die Darstellung eines Menschen, der Vergleich zeigt aber, dass hier vmtl. eine Gottesanbeterin gezeigt wird. Die Identifikation von Felsbildern erfolgt in der Regel interpretativ und ist in dieser Hinsicht nie ganz gesichert (siehe dazu auch das Frosch-Mensch-Beispiel). Die 14 Zentimeter große Darstellung wurde für eine Bestimmung von bulgarischen Zoolog*innen untersucht, um das Tier mit der größtmöglichen Übereinstimmung zu finden. Fachleute erkannten eine Gottesanbeterin in dieser Darstellung. Petroglyphen sind für Zoologen interessant, denn Menschen haben Tiere abgebildet, welche nicht unbedingt Spuren hinterlassen haben, die bis heute erhalten sind. Diese Bilder machen es den Zoologen möglich sich ein umfassenderes Bild von der Entwicklung des Tierreichs in der Vergangenheit zu machen und so verschiedenste Zusammenhänge besser zu verstehen. Ein solches Wissen kommt zum Beispiel dem Artenschutz zugute. Und das ist möglich, weil schon vor tausenden von Jahren Menschen ihre Umwelt auf ihre Art dokumentiert haben.

Literatur:

Mahmood Kolnegari, Mohammad Naserifard, Mandana Hazrati, Matan Shelomi, Squatting (squatter) mantis man: A prehistoric praying mantis petroglyph in Iran, Sofia 2020.

https://www.smithsonianmag.com/smart-news/possible-half-human-half-praying-mantis-carving-found-ancient-rocks-180974451/

Ancient Mantis-Man Petroglyph Discovered in Iran

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.