Die Schöninger Speere im Experiment

Die Schöninger Speere sind wohl die bekanntesten archäologischen Artefakte aus dem Bundesland Niedersachsen. Sie wurden in einem Tagebau entdeckt. Es handelt sich um einige der ältesten Holzgegenstände der Welt. Vor 420.000 Jahren haben Neandertaler dem Anschein nach Wildpferde mit ihnen gejagt. Auch in englischen Clacton gibt es den Fund einer abgebrochenen Speerspitze, die nicht nur ähnlich aussieht, sondern auch aus dem gleichen Zeitraum stammt. Aber, handelt es sich wirklich um Speere, mit denen gejagt wurde? Wie konnten solche Speere verwendet werden? Hat man sie beispielsweise geworfen oder aber wurden Tiere aus der Nähe erlegt? Eine Jagt auf Distanz scheint auf den ersten Blick sinnvoller zu sein. Zum einen sind Pferde Fluchttiere, die Weglaufen, wenn man sich zu sehr nähert. Zum anderen ist es aber auch sicherer aus der Distanz zu jagen. Pferde, Waldelefanten und andere Wildtiere setzen sich nämlich durchaus zur Wehr, wenn man versucht sie zu töten.

Ein Speer in der Fundsituation.

Schöningen Speer VII im Sediment 1997

Um diese Frage zu beantworten, gibt es Untersuchungen in der Experimentalarchäologie. Beispielsweise habe einige Leichtathleten, die Speerwerfen als Sport betreiben Tests mit originalgetreuen Repliken der Holzspeere unternommen. Diese sind den heutigen Olympia-Speeren überraschend ähnlich. Die Neandertaler haben ihre Speere dem Anschein nach mit einem besonderen Gripp gebaut. Die Speere verjüngen sich auch nach hinten hin, die  Versuche zeigten das dies dazu führt, dass die Speere besonders gut in der Hand liegen. Die Untersuchung ergab, dass die Zielgenauigkeit ab einer Entfernung von 20 m abnimmt. Zusätzliche vorgenommene ballistische Untersuchungen zeigen außerdem, dass es gut möglich ist, dass ein solcher Speer sowohl als Wurf, als auch als Stoßwaffe verwendet wurde. Zudem sind die Holzwaffen wiederverwendbar. Sie sind zwar zerbrechlich, die Experimente zeigen jedoch: Ein Speer übersteht bis zu 108 Würfe und 22 direkte Stöße bis er zerbricht. Diese Versuche zeigen, wie ein Jagdgeschehen gewesen sein könnte. Dass Tiere zunächst aus der Distanz und späterhin aus der Nähe angegriffen wurden. Die Experimente beweisen, dass dies möglich ist, aber nicht, dass es auch tatsächlich so war.

Literatur:

Annemieke Milks und Matt Pope: Werfen oder Stoßen? Speere im Test; in AiD 02/2020.

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