Zierschlüssel aus der Zeit der Wikinger

Schlüssel waren im Mittelalter Mittel- und Nordeuropas allgegenwärtig. Sie dienten zum verschließen von Holztruhen oder der Haustüre. Damit wurden sie schnell zu einem Symbol. Schlüssel wurden auch als Amulette getragen, um zum Beispiel einen Hausherren als einen solchen zu zeigen. Dabei handelt es sich oftmals um sehr verzierte Schlüssel, die zum Teil importiert wurden. Besonders kostbare Amulette dieser Art bestanden sogar aus Edelmetallen. Sie wurden am Gürtelgehänge getragen, und zwar von Frauen aber auch von Männern.

Ein Schlüssel aus Bronze in einer Vitrine. Er hat als Griff zwei geschwungene Spiralendie einander endgegengestetzt sind. Der Zierschlüssel aus der Zeit der Wikinger hat allerdings keinen schlüsselbart, sondern verläuft in einem kleinen Haken.

Ein Zierschlüssel aus der Ausstellung im Wikingermuseum Haithabu

Bei den Wikingern des Frühmittelalters entwickelte sich ab dem 8. Jahrhundert eine ganz besondere Schlüsselsitte. Hier waren es die Frauen, die das Schlüsselrecht besaßen. Ihre Schlüssel bestanden zwar nicht aus Edelmetall, dafür hatte jede verheiratete Frau das Recht auf den Schlüssel des Hauses. Dies sollte ausdrücken, dass die Frau Haus und Hof verwaltete und die wirtschaftliche Macht über diese Bereiche ausübte. Dadurch entstand eine Art Gleichberechtigung, bei den Wikingern. Verweigerte ein Mann seiner Frau diesen Schlüssel und damit diese Macht, durfte sie sich Scheiden lassen. So kommt es, dass in vielen Gräbern der Wikingerinnen Schlüssel als Symbol ihrer Position zu finden sind. Das Problem ist nun, dass der Schlüssel gebraucht wurde, auch wenn die Frau starb, oder aus dem Haus war. So entstanden Zierschlüssel, die symbolisch für dieses Schlüsselrecht gewesen sind und Frauen mit in die Gräber gegeben wurden.

Literatur:

Brandt, Jochen, Mit fremden Federn geschmückt Ein germanischer Adelshof bei Kölln Lkr. Demmi. In: Die Autobahn A20 – Norddeutschlands längste Ausgrabung, Archäologie in Mecklemburg Vorpommern 4, Schwerin 2005.

Elsner, Hildegard Elsner, Wikinger Museum Haithabu: Schaufenster einer frühen Stadt 3. Auflage, Neumünster 2004.

Schopphoff, Claudia, Der Gürtel – Funktion und Symbolik eines Kleidungsstückes in Antike und Mittelalter. In: Pictura & Poetis 27, Wien 2009.

 

 

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