Ida Pfeiffer – Wäre sie ein Mann gewesen, wäre sie Weltberühmt

Guten Tag ihr Lieben!

Heute ist der 8. März, der Weltfrauentag. Ich habe mir dieses Datum zum Anlass genommen euch eine Frau vorzustellen, welche die ganze Welt bereist hat, zu einer Zeit, in der von Gleichberechtigung kaum die Rede war. Sie hat ihre Träume gelebt und Abenteuer erlebt, die ihresgleichen suchen. Dabei war ihr Leben wirklich nicht darauf ausgerichtet, dass es so verlaufen würde. Tatsächlich sah es  lange überhaupt nicht danach aus, dass sie ihre Träume wahr machen könnte. Ihre Lebensgeschichte, ist also nicht nur ein Symbol für eine emanzipierte Frau, sondern sie zeigt uns mit ihrer Lebensgeschichte, dass es lohnt Durchhaltevermögen zu haben, wenn es darum geht, dass wir unsere Träume leben. Für mich ist sie damit eine sehr große Inspiration. Für euch vielleicht auch.

Ich möchte euch also eine ganz besondere Frau vorstellen: Ida Pfeiffer

Ein von mir selbst koloriertes Bild von Ida Pfeiffer. Es zeigt sie vor den Pyramiden in Ägypten.

Die Abenteurerin Ida Pfeiffer wurde am 14. Oktober 1797 in Wien geboren, und war die einzige Tochter eines reichen Kaufmannes. Zwischen ihren Brüdern wuchs sie als einer von ihnen auf. In ihrer Kindheit, spielte sie lieber Jungenspiele und kleidete sich auch so. Der Vater war zwar in seinen Erziehungsmethoden sehr streng, aber das seine Tochter sich gab wie ein Junge gefiel ihm. So durfte sie sich ausleben und wir können davon ausgehen dass Ida Pfeiffer, hätte sie heute gelebt, ihr Leben als Mann fortgesetzt hätte. Doch diese Zeit endete, als Ida 9 Jahre alt war. Ihr Vater verstarb und ihre Mutter, Anna Rosina, verlangte von ihrer Tochter Frauenkleider zu tragen. Ida wurde daraufhin sehr krank, bis der Arzt der Mutter schließlich den Rat gab ihr wieder zu erlauben Jungenkleidung zu tragen. In der folgenden Zeit lehnte Ida alles was ihr weiblich erschien in ihrem Leben vollständig ab. Sie war ein Jugendlicher ihrer Zeit, der sehr patriotisch war, davon träumte zum Militär zu gehen und in den Krieg zu ziehen. Eben einfach ein Junge, der die gleichen Vorbilder hatte, wie die anderen Jungs auch.

Im Alter von 13 Jahren setzt sich die Mutter dann aber endgültig durch. Ida musste als Mädchen leben und sich auch so kleiden. Ihrem Tagebuch ist zu entnehmen, wie unglücklich sie das machte und das sie sich in diesem Aufzug „lächerlich“ vorkam. Sie wurde in die Rolle einer Frau des 18. Jahrhunderts gedrängt. Ein Frauenbild in einer sehr patriarchalen Welt. Das Interesse für Reisen und naturwissenschaftliche Studien passten nicht zu diesem Frauenbild. Viel mehr musste sich Ida als junge Frau zunächst darum sorgen, mit wem sie verheiratet werden sollte. Der Mann, den sie mochte, den verweigerte ihr die Mutter. Nachdem Ida drei Jahre lang konsequent jeden anderen Mann in ihrem Leben ablehnte, eskalierten die Streitigkeiten zwischen ihr und ihrer Mutter. Sie bekam starkes Fieber und befand sich lange in Lebensgefahr. Der Arzt fand heraus, das diese Erkrankung keine körperliche Ursache hatte, sondern das Ida aufgrund ihrer psychischen Lebenssituation erkrankt war. Dennoch wich die Mutter nicht von ihrer Position ab.

Als Ida 22 Jahre alt war, begann dann ein gewisser Doktor Pfeiffer um sie zu werben. Er war 24 Jahre älter als sie und beeindruckte sie mit seiner schlauen Art ihr Briefe zu schreiben. Die beiden heirateten, auch wenn sie sich nie geliebt haben. Sie lebten in bitterer Armut zusammen und zogen zwei Söhne groß. Nachdem ihre Mutter schließlich starb besserten sich die Lebensbedingungen der Familie. Ida Pfeiffer war nun die Erbin einer reichen Kaufmannsfamilie. Sie unternahm nun eine Reise mit ihrem jüngsten Sohn nach Triest. Dort sah sie zum ersten mal das Meer und die Reiselust in ihr brach endgültig aus. Sie wartete ab diesen Zeitpunkt nur noch ab, bis ihre Söhne alt genug waren. Dann, in einem Alter, in dem Leben anderer Frauen ihrer Zeit nicht mehr viel Veränderung passierte, begann sie die Welt zu bereisen. Sie war 45 Jahre alt, als ihre Abenteuer auf der ganzen Welt begannen.

Auf ihrer ersten Reise schrieb Ida Pfeiffer ein Tagebuch das sie, zu Hause angekommen, ihren Freund*innen zeigte. Diese drängten sie ihre Erzählungen zu veröffentlichen. Sie willigte jedoch erst ein als sich ein Verleger persönlich bei ihr meldete. In ihrer neuen Rolle als reisende, mutige Frau fand sie sich selber.

Eine von mir kolorierte Zeichnung von Ida Pfeiffer in ihrer Reisekleidung für den asiatischen Kontinent.

Ida war auf ihren Reisen sehr lange unterwegs und schrieb ihre Erlebnisse  fortwährend nieder. Sie füllte Tagebücher über Tagebücher und berichtete von ihren Erlebnissen. Und so sind es ihre eigenen Erinnerungen, und ihre eigenen Perspektiven, die wir bis heute mit ihr erleben können.

Sie erzählt, wie sie in Brasilien von einem Mann, mit einem Messer und einem Lasso, überfallen wurde. Mit ihrem Sonnenschirm setzte sie sich zur Wehr, bis von diesem der Griff abgebrochen war. Im selben Moment, fiel auch das Messer des Angreifers zu Boden. Beide griffen nach dem Messer, doch er war schneller und verletzte sie am Oberarm. Zu Boden gefallen, schnappte sie ihr Reisetaschenmesser und stach dem Angreifer in die Hand. Erst dann kamen ihr andere Menschen zu Hilfe. Anders gesagt: Auch Ida Pfeiffer hätte also die ein oder andere Geschichte zu #MeToo beitragen können. Den abgebrochenen Griff von ihrem Sonnenschirm bewahrte sie bis an ihr Lebensende als Trophäe auf und verwahrte ihn sorgfältig.

Bei einer anderen Reise nahm sie Kontakt zu den Roche-Indianern in Nordameika auf und lebte bei ihnen in Erdlöchern, welche dachartig mit Zweigen abgedeckt waren. Sie war dort mit einem deutschen Begleiter, der eines Morgens fast von einem ihrer Gastgeber ermordet wurde. Die beiden Weißen äußerten Verständnis für diese  aggressive Reaktion, da weiße Siedler in dieser Region teils sehr brutal gegen Indianer vorgingen. Alles in allem beschrieb Ida die Roche als sehr freundliche Menschen. Diese hatten, als sie sich kennen lernten, zunächst ihren Kaffeevorrat, ihren Zucker und ihr Brot unter sich aufgeteilt, nur um sie dann auf einen frisch gefangenen Lachs einzuladen. Ganz besonders zärtlich, sollen bestimmte Graswurzeln geschmeckt haben, die sie aus der Erde zogen, und direkt verspeisten.

Eine andere unvergessliche Anekdote aus dem Leben von Ida Pfeiffer spielte sich in einer Karawane ab, mit der sie mitreiste. Sie hatte in ihrem Reisegepäck natürlich auch Hygieneartikel dabei, darunter auch ein Utensil, dass den Menschen der Karawane bis zu diesem Zeitpunkt unbekannt war. Sie probierten es alle nacheinander aus und bestätigten Ida Pfeiffer, dass es sich um eine sehr tolle Erfindung handelte. Aber Ida Pfeiffer wollte ihre Zahnbürste anschließend selber dann doch nicht mehr benutzen.

Ida Pfeiffer ist ein Vorbild für mich. Das heißt nicht, dass ich alles an ihr toll finde!

Natürlich finde ich eine Person wie Ida Pfeiffer interessant. Ich bewundere ihr Lebenswerk. Aber nicht alles was sie gemacht hat kann ich gut heißen. So ist sie, wie in ihrer Zeit üblich, von einem kolonialen Blickwinkel geprägt. Ich hatte beim Lesen ihrer Tagebücher selten der Eindruck dass sie People of Color (PoC) als gleichberechtigt ansieht. In ihren Beschreibungen über die Molukken beispielsweise berichtet sie über die Arbeit der Missionare. Sie beschreibt diese Arbeit als gelungener als in anderen Regionen der Erde und macht dabei deutlich dass sie nur die christliche Lebensart als Zivilisation begreift. Dabei wurde den Menschen das Christentum ungefragt vermittelt und ihre Lebensart in intoleranter Art und Weise abgelehnt. So wurde ein Narrativ geschaffen, dass weiße Menschen auf eine höhere Stufe stellt. Ida Pfeiffer war Reproduzentin dieses Narratives. Zwar war dies der Zeitgeist in dem sie lebte, aber ich kann und will es nicht gut heißen, wenn sich Menschen über andere erheben. Und dabei ist es mir auch egal ob Ida Pfeiffer oder Donald Trump dies tun.

In ihren Tagebüchern berichtete Ida auch über Sklavenhaltung. Sie plädierte dabei für eine gute Behandlung von Sklav*innen. Eine besondere Art der Sklaverei beobachtete sie auf Sumatra, damals niederländisches Kolonialgebiet. Auf Sumatra mussten Sklav*innen, Ida Pfeiffer zur Folge, monatlich mit einem geringen Lohn entlohnt werden. Es gab Vorschriften für Kleidung und Essen, das ihnen geben werden musste. Außerdem waren Sklav*innen nur für 10 Jahre lang Sklav*innen und anschließend offiziell frei. Wer seine Sklav*innen misshandelte, der konnte mit sehr hohen Gefängnisstrafen belangt werden. Ida kommentierte dies mit:

„Wollte Gott, daß es in allen Sklavenstaaten so währe!“

Das Abenteuer endete nach 16 Jahren

Insgesamt waren es 16 Jahre, die Ida Pfeiffer auf Reisen verbracht hat. Sie hinterließ nicht nur Tagebücher, in denen wir heute ihre Abenteuer nachlesen können, sondern sie begann auch zu sammeln. Zunächst sammelte sie Naturalien, später dann auch ethnographische Gegenstände und Kunst. Nachdem sie zunächst ihr Reisebudget mit dem Verkauf dieser Gegenstände aufbesserte, wurde ihr dann später ein Budget zur Verfügung gestellt, damit diese Gegenstände in offizielle Sammlungen gelangten. Doch das Budget war gering. Zudem hatte Ida Pfeiffer keinerlei Erfahrung mit Sammlungen. Von daher gleichen die nach Wien gelangten Sammlungstücke Kuriositäten. Dazu gehören zum Beispiel Kleidungsstücke oder Waffen, aber auch eine Kette die mit 150 Menschenzähnen bestückt war. Diese Gegenstände erweckten aber immerhin große Aufmerksamkeit. Und so fand Ida eine weitere Einnahmequelle für ihre klamme Reisekasse. Sie hielt Vorträge über ihre Erlebnisse.

Auf  Madagaskar gelangte Ida Pfeiffer schlussendlich einmal in Gefangenschaft. Ihre Anklage besagte, dass sie und ihre Reisebegleiter den Thron stürzen und die Sklaverei abschaffen wollen. Die Todesstrafe wurde verlangt. Am Ende aber lautete das Urteil, dass sie binnen 24 Stunden das Land verlassen musste. Das war durchaus problematisch, denn Ida Pfeiffer hatte sich mit einer merkwürdigen Fieberkrankheit infiziert. Dieses Fieber wurde zunächst besser, doch eine geplante Reise nach Sydney blies sie schließlich ab. Sie reiste über London zurück nach Wien, wo sie im Alter von nur 60 Jahren schließlich verstarb.

Was sie uns allen hinterlassen hat, ist eine Lebensgeschichte voller Geschichten, die inspirieren und die zeigen was Willenskraft bewegen kann. In diesem Sinne wünsche ich euch, dass ihr genau das Leben führen dürft, das zu euch passt. Kämpft dafür. Ich wünsche euch einen wunderschönen 8. März.

Literatur:

Donner, Eka: Und nirgends eine Karawane: die Weltreisen der Ida Pfeiffer (1979-1958), Düsseldorf 1997.

Pfeiffer, Ida Pfeiffer, Abendteuer Inselwelt – Die Reise durch Borneo, Sumatra und Java. Titiel Der Originalausgabe: Meine zweite Reise, Wien 1856, Neu Herausgegeben von: Gabriele Habinger, Wien 1993.

Pfeiffer, Ida Pfeiffer, Frauenfahrt um die Welt – Reise von Wien nach Brasilien, Chili, Otahaiti, China, Ost-Indien, Persien und Kleinasien, Bd. 1, Wien 1850.

Pfeiffer u.a., Ida Pfeiffer und ein*e unbekannte Autobiograph*in, Reise nach Madagaskar von Ida Pfeiffer – Nebst einer Biographie der Verfasserin nach ihren eignen Aufzeichnungen, Bd. 1. Wien 1861.

2 Gedanken zu „Ida Pfeiffer – Wäre sie ein Mann gewesen, wäre sie Weltberühmt

  1. Ich habe als Jugendlicher eines ihrer Bücher gelesen und seit damals großen Respekt vor dieser Frau.
    Wegen mir bräuchte es den Frauentag nicht zu geben wenn alle die Leistungen aller Frauen würdigen und sie selbst respektieren würden. Richtige Männer machen das sowieso.

    • Also ich weiß zwar nicht was ein richtiger Mann sein soll. Aber selbst wenn wir die „Perfekte Gesellschaft“ hätten, würden wir diesen Tag dennoch brauchen, um an diejenigen zu erinnern, die diese „Perfekte Gesellschaft“ erschaffen haben.

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