Pancha Rathas rätselhafte Bauten

Mit Metallwerkzeugen schneiden Handerker*innen Figuren und Mauerwerke aus dem Stein. Eine alte traditionelle Bauweise im indischen Tamil Nadu. Tempel der Buddhisten und auch der Jivara sind auf diese Art schon vor langer Zeit aus dem Fels geschnitten worden – Berühmte Gebetshöhlen wie die Tigerhöhle zum Beispiel. Es ist das 7. Jahrhundert n. Chr. als sich der Hinduismus in dieser Region verbreitet. Tempel werden gebaut, neue moderne Tempel. Sie werden mit der alten Technik erschaffen, aber für eine neue Religion. Die Pancha Rathas, was übersetzt so viel bedeutet wie, die fünf Wagen, entstehen. Sie sind heute UNESCO-Weltkulturerbe.

Pacha Rathas, eine Anlage aus vielen kleinen Tempalbauten, eingeschossig mit dach, dazwischen stehen Skulpturen.

Der kleine hinduistische Tempelbezirk (Mortel (CC BY 2.0)).

Das Kulturerbe steht bei diesen fünf zusammengehörigen Tempeln, für die einzigartige Architektur der Bauten. Nur mit dem technischen Vorbild der alten Höhlentempel ist es möglich diese neue Architekturidee zu erschaffen. Denn, die Gebetshäuser, Skulpturen und Figuren werden nicht etwa gemauert. Sie werden wie bei den Gebetshöhlen direkt aus je einem Stein gehauen. Doch im Unterschied zu den Gebetshöhlen entstehen 5 frei stehende Gebetshäuser. Riesige Monolithen (Großsteine) aus Granit werden auf der Baustelle des 7. Jahrhunderts in Baukunst verwandelt. Die als Pallava-Könige bekannten Herrscher Mahendravarman I und Narasimhavarman lassen diesen Tempelbezirk bauen.

Ein Tempelbau mit einem Säulengang, und einem Dreistufiegen Pyramidenförmigen Dach.

Der Shiva Tempel, er besteht aus einem Stein und ist ca. 11 m hoch (Bild: Public Domain).

Jeder einzelne Bau hat dabei eine ganz eigene Charakteristik. Dazu gehört nicht nur, dass sich die Gebäude optisch voneinander unterscheiden. Jeder Tempel hat für sich ein optisch bis ins Detail durchgeplantes Design. Der Shivatempel z.B. hat ein dreistufiges pyramidenartiges Dach, mit vielen dekorativen Details. Hinzu kommt bei jedem der Häuser eine eigene vorgelagerte Figur, die zum Tempel blickt. Das ist typisch hinduistisch. Die Figur symbolisiert, den Träger, oder vielleicht verständlicher übersetzt das Reittier, der in dem jeweiligen Tempel verehrten Gottheit. Bei Pancha Rathas finden sich so zum Beispiel der Bulle Nandi des Gottes Shiva, der Löwe von Durga, bei Touristen am beliebtesten aber ist die Skulptur des Elefanten von Indra. Doch an diesem Elefanten zeigt sich: Etwas ist merkwürdig an den hinduistischen Tempeln. Sie sind nicht fertig.

Eine unfertiege Elfantenskulptur. In Groben zügen ist der Dickhäuter schon zu erkennen. Die Ohren sind fein herausgearbeitet, der rest ist noch eher grob und unfertig. Die Stoßzähne des Elefanten fehlen.

Als ob die Bildhauer*innen nur kurz zu Mittag wären steht seit rund 1.200 Jahren diese halbfertige Elefantenfigur in dem Tempelbezirk. (Foto: Savage (CC BY 2.0)).

Niemals wurde hier gebetet. Die Heilige Shivafigur für den Tempel wurde nie angefertigt. Die Arbeiten wurden abgebrochen und eine Bauruine blieb zurück. Warum ist unklar. Zum Beispiel entstehen nur wenig später Gebetshäuser für sehr viel größere Menschenmengen in der direkten Umgebung. Vielleicht war es so, dass die hinduistische Gemeinde so sehr wuchs, dass andere Tempelgrößen notwendig wurden, noch bevor die ersten Bethäuser überhaupt fertiggestellt waren. Vielleicht wollten die nachfolgenden Herrschergenerationen aber auch eine imposantere, also größere Architektur in ihrem Reich, für die Repräsentation des Hinduismus. Ein ganzer Tempelbezirk entsteht im Lauf der Jahrhunderte rund um die fünf alten Bauruinen. Niemand wird jemals auf die Idee kommen diesen Tempelkomplex fertig zu stellen. Doch weit über diese Region hinaus zeigt sich: Die fünf Tempel Pancha Rathas waren architektonisch das Vorbild für hinduistische Gebetshäuser.

Anmerkung:

Dieser Beitrag entstand für den Miss Jones Adventskalender 2020. Aufgrund der Corona-Einschränkungen ein Adventskalender, der zum Träumen über fremde Orte anregen soll. Eine Vorfreude auf die Zeit nach der Pandemie. Ich stelle hier ausschließlich Orte vor, an denen ich noch nicht war, wo ich aber gerne einmal hin möchte.

Literatur:

George Michell: The Hindu Temple: An Introduction to Its Meaning and Forms, Chicago 1988. (Nur in Auszügen vorliegend).

https://archive.is/20130410195340/http://www.flonnet.com/fl2023/stories/20031121000107100.htm

https://whc.unesco.org/en/list/249/

https://www.culturalindia.net/indian-architecture/ancient-architecture/rock-cut.html

https://www.nativeplanet.com/travel-guide/pancha-rathas-in-mahabalipuram-002030.html

http://www.art-and-archaeology.com/india/mamallapuram/mam01.html

https://www.tourism-of-india.com/panch-rathas-mahabalipuram.html

https://timesofindia.indiatimes.com/travel/destinations/why-one-should-visit-the-magnificent-pancha-rathas-at-mahabalipuram/as69095847.cms

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