Zukunftsvisionen: was wir uns auf Tagungen in der Archäologie wünschen würden…..

Ein Gastbeitrag von Anarchaeologie.de

Wir waren bisher auf wirklich tollen Tagungen und auch auf Tagungen, die an einigen Stellen noch verbesserungswürdig sind.

Uns ist vollkommen klar, dass nicht jedes Orga-Team und jede Tagung diese Wünsche berücksichtigen kann oder auch möchte. Genauso ist uns bewusst wie viel Aufwand es bedeutet Tagungen zu planen und durchzuführen und das Budget garantiert oft im Weg steht, da es oft sehr klein ausfällt. Genauso wollen wir keinesfalls Missfallen auslösen, sondern stellen hier unsere Wünsche für zukünftige Tagungen vor und probieren, so weit es eben geht, alle genannten Punkte für eigene Tagungen und Workshops im Auge zu behalten.

1. Kaffee/ Schwarzer Tee o.ä. ab Tagungsbeginn

die meisten Tagungen beginnen frühmorgens und kaum jemand ist wirklich richtig wach um 8:00 Uhr in der Früh. Es wäre toll, wenn zu Beginn der Tagung bereits Kaffee und andere Getränke für die Teilnehmer*Innen, Referent*Innen und natürlich das Orga-Team bereit stehen (bei letzteren gibt es meistens Kaffee im Hinterstübchen ;)). Mit einem Kaffee o.ä. in der Hand hebt sich die Stimmung schnell und wir sind fest davon überzeugt, dass mit gehobener Stimmung spannende Diskussionen stattfinden können.

2. Wlan

bei der Auswahl von Tagungsräumen sollte unbedingt darauf geachtet werden, ob Wlan vorhanden ist oder nicht. Zumal viele Tagungen inzwischen mit Hashtags arbeiten oder auch Blogger*Innen einladen. Die Kommunikation über die Tagungen erschwert ohne Wlan enorm. Genauso erleichtert Wlan die interne Kommunikation des Orga-Teams untereinander, und bietet die Möglichkeit für die Referent*Innen, sofern alles schief geht und ihre Notizen, oder Präsentation nicht funktionieren, auf diese, über potenzielle Cloud Programme  zurückzugreifen. Wlan würde ebenso die Möglichkeit bieten Referent*Innen, die aus verschiedenen Gründen nicht in Persona vor Ort sein können über Skype oder andere Programme hinzu zuschalten und so ihre Vorträge in direkter Interaktion mit dem Plenum trotzdem zu halten und zu partizipieren.

3. Werbung außerhalb des etablierten Kreises

Auch wenn dieser Wunsch eventuell überrascht, greift er auf folgende Erfahrung zurück. Da wir/ich uns nicht immer leisten können in Hotels zu übernachten, sind wir häufig privat über Couchsurfing oder bei Bekannten untergebracht. Diese haben mal mehr oder weniger Interesse an Archäologie. In den letzten Jahren sind uns /ist mir noch nie jemand begegnet, der*die in irgendeiner Form davon mitbekommen hat, dass in seiner*ihrer Stadt eine archäologische Tagung stattfindet. Selbst wenn es sie interessiert, haben sie nicht die Möglichkeit teilzunehmen. Wir möchten hier den Vorschlag unserer letzten Couchsufinghost aufgreifen: eine Anzeige oder ein Kurzbericht in der lokalen Zeitung über die Tagung, oder/und eine handvoll Plakate an guten Spots in der Tagungsstadt.

Warum? Ganz einfach, wir als Wissenschaftler*Innen sollten präsent sein und zeigen, womit wir uns intern beschäftigen. Online funktioniert diese Art der Kommunikation deutlich progressiver, aber auch hier (das sagen wir, weil wir selber Inhalte generieren) bewegen wir uns zu stark in Filterblasen.

Nein, wir glauben nicht, dass durch solche Art der Werbung die Tagungen nicht mehr überwiegend aus Fachpublikum bestehen würde.

4. Bei Themen, bei denen es sich anbietet mehr Einbindung von interessierten Öffentlichkeiten

Dieser Wunsch geht über den, im Wunsch Nummer 4 geäußerten Gedanken, hinaus.

Wir wünschen uns explizit mehr Beteiligung bzw. die Unterstützung von Beteiligung durch Citizen Scientists und Archäologie-Interessierte. Gerade bei Themen, in denen es um den Austausch und die Kommunikation mit Öffentlichkeiten geht dürfen diese nicht fehlen und sollten auch nicht in der Minderheit vertreten sein. Es gibt einige Tagungsorganisator*Innen, die erste Schritte in diese Richtung gehen, aber bei Weitem noch nicht alle. Anstatt über die Öffentlichkeit(en) und deren vielfältige Bedürfnisse zu reden, sollte tatsächlich mit ihnen geredet werden.

5. Ausgewogenes Verhältnis der Speakers

Wir würden uns wünschen, dass noch mehr auf ein ausgewogenes Verhältnis der unterschiedlichen Statusgruppen sowie Geschlechter geachtet wird, auch wenn wir hier als Gruppe ganz unterschiedliche Erfahrungen gesammelt haben ist es uns dennoch wichtig diesen Wunsch mit zu äußern.

Bitte nicht nur Personen in leitenden Positionen, bitte nicht nur Cis- männliche Speaker. Der Wunsch setzt sich aus verschiedenen Aspekten zusammen:

Zum Einen aus dem in Wunsch 4 und 5 geäußerten Aspekt der Beteiligung von Citizen Scientist. Zum Anderen aus dem Wunsch heraus, dass mehr Studierende als Speakers auf Tagung auftreten sollten, um Erfahrungen mit großen Vorträgen außerhalb ihres Instituts zu sammeln und so bereits vor einer potenziellen Promotion größere Projekte, Thesen und Ideen präsentieren zu lernen. Zum Anderen scheint der Anteil von eher männlichen Speakers auf Fachtagungen nach wie vor der dominierende zu sein. Das mag u.A. mit dem in Wunsch 8 thematisierten Problem zusammenhängen. Wir würden uns ein ausgeglichenes Verhältnis wünschen.

(Hier wird natürlich auch ein strukturelles Problem in der Wissenschaft angeschnitten)

6. Barrierefreiheit in Bezug auf Mobilität, Sprache

Mobilität

die Tagung ansich sollte für Personengruppen mit körperlicher Einschränkung gut erreichbar sein. Das beginnt bereits bei den öffentlichen Verkehrsmitteln des Tagungsortes und endet bei dem Tagungsgebäude selbst. Gibt es an dem Gebäude eine Rampe, ist ein Fahrstuhl vorhanden? Wenn die Tagung, wie es ja oft der Fall ist, in einem Museum o.ä. stattfindet ist die Ausstellung für Menschen mit körperlicher Einschränkung besuchbar?

Sprache 1

Welche Tagungssprache wird gesprochen? Falls Teilnehmer*Innen die Tagungssprache nicht verstehen, gibt es Dolmetscher*Innen? Ist wie in Punkt Mobilität angesprochen die Inhalte des  Museum o.ä. nur in der Tagungssprache besuchbar?

Hinter diesem Punkt steckt eigentlich eine andere  Kritik. Wir würden uns wünschen, dass Tagungen Orte internationaler Begegnung sind und nicht nur in der Landessprache des Landes ausgeführt werden, in welchem die Tagung stattfindet.

Sprache 2

Bei sprachlichen Barrieren geht es natürlich nicht nur um Fremdsprachen und einen internationalen Anspruch, sondern auch um die Frage, ob Gebärdendolmetscher*Innen auf der  Tagungen anwesend sind, oder ob die jeweilige Tagung auch für Blinde- oder Sehbinderte besuchbar ist. Entspricht z.B. das Museum o.ä. in dem die Tagung stattfindet den Anforderungen dieser Personengruppen? Gleichermaßen sollte an Hörbehinderte gedacht werden (z. B. in Bezug auf Mikrophonübertragungen). Es mag sein, dass gerade bei diesem Wunsch mehr Sensibilität für Menschen mit körperlichen Einschränkungen einige sofort sagen werden: “Naja, aber in der Archäologie ist es sehr schwer möglich mit einer eingeschränkten Mobilität oder mit beeinträchtigen Sinnen überhaupt zu arbeiten. Warum sollten wir uns mit diesen Gruppen beschäftigen?” 1. weil auch Personen mit Beeinträchtigungen Interesse für Archäologie haben können, 2. weil über dieses Interesse auch genauso ein berufliches Interesse vorhanden sein kann und 3. gerade die Arbeit mit und über Kultur einen inklusiven Gedanken haben sollte.

Um zu unter steichen, was wir meinen haben wir hier einen weiterführenden Link von einem Beitrag des NDR über einen Blinden Reisejournalisten verlinkt.

7. Kinderbetreuung

Auch dieser Bereich fällt unter Barrierefreiheit oder Barrierearmut, aber wir möchten ihn gerne gesondert vorstellen. Inzwischen haben wir das Jahr 2018 und leben in einem Land, in dem formal zumindest Frau und Mann gleichberechtigt behandelt werden müssen – bzw. vor dem Gesetz gleich sind.  Es muss möglich sein, dass Eltern, Erziehungsberechtigte (ob es sich um Alleinerziehende handelt oder z.B. beide berufstätig sind, oder im Kollektiv erzogen wird) an Tagungen teilnehmen und dort referieren können, ohne dass sie unter unglaublichen Stress stehen bzgl. der komplizierten Frage, was passiert derweil mit ihrem Nachwuchs?

Dazu fallen uns drei Modelle ein:

  1. Das Orga-Team der Tagung stellt die Betreuung selbst.
  2. Das Orga-Team der Tagung bezahlt für den Zeitraum Erzieher*innen, die die Kinder betreuen.
  3. Das Orga-Team fungiert als Vermittlungsstelle für die Eltern, die auf dieses Angebot zurückgreifen möchten oder müssen und diese  organisieren sich untereinander bzgl. der Kinderbetreuung.

Bei allen drei Modellen müsste das Orga-Team sich allerdings mal mehr, mal weniger um Räumlichkeiten, Nahrung und Wasser sowie Erste-Hilfe-Kasten für diese Betreuung kümmern. Das bedeutet einen erhöhten Aufwand, allerdings lässt sich wie bei fast allen Organisationsfragen auf Erfahrungsberichte oder auch persönlicher Austausch zurückgreifen und das sollte 2018 wirklich keine Ausnahme, sondern eine Selbstverständlichkeit sein.

8. Auswahl des Tagungsortes bezahlbar gestalten

Das mag ein Wunsch sein, der vor allem uns betrifft- als Studierende haben wir wirklich kaum Geld, um mehrmals im Jahr durch das ganze Land zu Tagungen zu gelangen. Bitte habt mit im Auge, dass es sich um eine Stadt handeln sollte, die 1. gut erreichbar ist (z.B. auch per Flixbus o.ä.) und 2. die Lebenshaltungskosten in der Stadt nicht überdurchschnittlich hoch sind. Zumal wir ja noch einen Tagungsbeitrag zahlen müssen (auch wenn dieser glücklicherweise häufig niedriger für uns ausfällt). Oder schafft Angebote, wie die DGUF ( die Website funktioniert gerade nicht- der Link kommt noch)  oder auch der DarV es durchaus tut.

9. Bitte, bitte mehr Steckdosen!

Tagungen dauern oft den ganzen Tag und danach wird noch gemeinsam gegessen oder getrunken. Oft gibt es zu wenig Steckdosen in Reich- und vor allem Sichtweite der Teilnehmer*Innen. Aber wir würden gerne unsere Laptops und Handys aufladen, wenn wir z.B. als Blogger*Innen eingeladen sind oder auch einfach so ;).

Im Großen und Ganzen wünschen wir uns mehr Barrierefreiheit für die Partizipation an Tagungen. Um diese ein bisschen aufzudröseln haben wir statt einem großen Wunsch viele kleine gesetzt, die durchaus realisierbar sind. Wir hoffen, dass einige und gerne auch alle Punkte irgendwann selbstverständlich sein werden.

oder um John Lennon zu zitieren: “You may say I’m a dreamer But I’m not the only one I hope someday you’ll join us. And the world will be as one”.

P.S.: fallen euch noch mehr Ideen ein? Schreibt sie gerne in die Kommentare oder unter den Hashtag #schönertagen (bei Twitter 😉 ).

Vielen Dank auch an die Session beim Histokamp für die Inspiration zu dieser Idee!

Liebe Grüße,

eure Anarchaeolog*Innen

5 Gedanken zu „Zukunftsvisionen: was wir uns auf Tagungen in der Archäologie wünschen würden…..

  1. „Barrierefreiheit“ ist für mich, ein wichtiges Wort wenig reflektiert nachzuplappern. Ich weiß, dass Behindertenverbände es auch benutzen, aber denkt doch mal nach, bitte: Wenn etwas frei von Barrieren ist, dann müsste ein Wachkomapatient aus der Intensivstattion, der am Dialysegerät hängt, an der Tagung vollumfänglich teilnehmen können. Es ist völlig unrealistisch, dieser armen Person Wortbeiträge zu ermöglichen. Barrierefreiheit bei den Sprachen bedeutet, dass auch ein Kirgise, der nur kirgisisch spricht, der Tagung folgen können muss. Wenigstens alle deutschen Amtssprachen abdecken und einen Sorbisch-Sprecher engagieren? Ich meine, wir sollten alle generell von „Barrierearmut“ (nicht nur unter dem Punkt Kinderbetreuung) sprechen, denn dieses Wort trifft viel eher, was gemeint ist.

    Ich verstehe den Ansatz von Euch, Anarchaeologie, und sehe viele gute, richtige Ansätze. Aber eine letzte Frage noch: So nice Eure Ideen sind: Ihr zahlt dann die mind. 250 Euro Tagungsgebühren pro Veranstaltungstag, die das kosten würde? Ich habe in den Naturwissenschaften bis vor kurzem Tagungen geplant. Das wäre eine Summe, die bei einer geisteswissenschaftlichen Tagungsgröße von – sagen wir – bis 200 Teilnehmern seriös und ohne Gewinne des Veranstalters angesetzt werden müsste. Oder kommt, ich kleiner Schelm denke eifnach mal weiter – als nächstes ein Gastbeitrag, wer für arme Studierende die horrenden Tagungsgebühren bezahlen soll? 😉

  2. Kinderbetreuung: BItte vergesst nicht, dass das versichert sein muss. So steht Eure Wunsch zu naiv da. Als Veranstalter haftet man (zu Recht!) für das, was passiert. Nehmen wir mal an, der dArV böte auf seiner nächsten Jahrestagung Kinderbetreuung an und betreut Kinder teilweise selbst (Mitglieder des Hauptausschusses oder einer dafür gegründeten AG), und Eltern betreuen mit. So, und nehmen wir weiterhin an, ein Kind verletzt sich und trägt längerfristige Schäden davon. Da werden die Eltern dieses Kindes bzw. deren Versicherung auf Schadenersatz, Schmerzensgeld usw. drängen. Es wird untersucht werden, ob Aufsichtspflichten verletzt wurden usw. Nehmen wir weiterhin an, jemand hätte Reißnägel herumliegen lassen und das Kind hätte zwei verschluckt. Dann haftet jemand, und es ist unterm Strich der Veranstalter (hier: der dArV). Damit der nicht viele tausend Euro aus der Vereinskasse zahlen muss bzw. der Vorsitzende, der mutmaßlich persönlich-privat haftet, braucht es, wie gesagt, eine Versicherung. Alles Andere ist heillos naiv und brandgefährlich (stellt Euch vor, liebe Anarchaeologie, der Fall träte ein bei der Tagung, die Ihr demnächst mitveranstaltet).

    Die Versicherung kostet natürlich (keine Ahnung, wie viel). Wer zahlt in Euren Augen die Kosten? Die Eltern, die sich im Vorfeld verpflichten, bis zu 100% der Kosten zu tragen (falls nur ein Kind betreut werden würde) bzw. einen Anteil davon, je nach Zahl der zu betreuenden Kinder? Alle Tagungsteilnehmer (Umlageverfahren)?

    b) Geht doch gerne mit gutem Beispiel voran, liebe Kollegen von Anarchaeologie, und recherchiert für die künftigen Veranstalter eine Versicherung, welche die Kinderbetreuung auf Tagungen versichern würde. Macht das am besten die Axa, die Allianz usw? Was kostet das denn überhaupt? Wo gibt es das passendste Angebot für die Bedürfnisse aus der Archäologie? Das würde sicher mehr in Bewegung bringen statt alleine der Wunsch nach etwas.

    Viele Grüße
    Ralf

  3. Liebe Krisitn Fölsch,

    Du hattest folgendes geschrieben“
    „Barrierefreiheit“ ist für mich, ein wichtiges Wort wenig reflektiert nachzuplappern. Ich weiß, dass Behindertenverbände es auch benutzen, aber denkt doch mal nach, bitte: Wenn etwas frei von Barrieren ist, dann müsste ein Wachkomapatient aus der Intensivstattion, der am Dialysegerät hängt, an der Tagung vollumfänglich teilnehmen können. Es ist völlig unrealistisch, dieser armen Person Wortbeiträge zu ermöglichen. Barrierefreiheit bei den Sprachen bedeutet, dass auch ein Kirgise, der nur kirgisisch spricht, der Tagung folgen können muss. Wenigstens alle deutschen Amtssprachen abdecken und einen Sorbisch-Sprecher engagieren? Ich meine, wir sollten alle generell von „Barrierearmut“ (nicht nur unter dem Punkt Kinderbetreuung) sprechen, denn dieses Wort trifft viel eher, was gemeint ist.“

    Du hast Recht, dass Barrierefreiheit ein Begriff ist, der suggeriert wir könnten vollkommen ohne Barrieren Austausch, Miteinander usw. aufbauen. Die Barrierfreiheit des einen kann die Barriere des anderen erhöhen (ab und an). Der Begriff Barrierearmut trifft es deutlich besser und ist auch der den wir eigentlich verwenden. Den Part „Armut“ in dem Begriff mag ich persönlich nicht, habe aber auch noch keinen treffenderen Begriff gefunden.

    Du schriebst weiter:

    „Ich verstehe den Ansatz von Euch, Anarchaeologie, und sehe viele gute, richtige Ansätze. Aber eine letzte Frage noch: So nice Eure Ideen sind: Ihr zahlt dann die mind. 250 Euro Tagungsgebühren pro Veranstaltungstag, die das kosten würde? Ich habe in den Naturwissenschaften bis vor kurzem Tagungen geplant. Das wäre eine Summe, die bei einer geisteswissenschaftlichen Tagungsgröße von – sagen wir – bis 200 Teilnehmern seriös und ohne Gewinne des Veranstalters angesetzt werden müsste. Oder kommt, ich kleiner Schelm denke eifnach mal weiter – als nächstes ein Gastbeitrag, wer für arme Studierende die horrenden Tagungsgebühren bezahlen soll? 😉“
    Du stellst vollkommen berechtigt die Frage wie soll diese oder andere Wünsche finanziert werden.
    Ich glaube es gibt verschiedene Modelle, die einiges an Umbauten erfordern würden oder kreative Lösungen.
    1. ja, den Tagungsbeitrag erhöhen und zwar deutlich…aber damit würden wir uns auch selber ins Bein schießen (alle auch Studierende, ohne viel Geld)
    1.1 den Tagungsbeitrag doch erhöhen und die Studierenden und andere in prekären Situationen darauf aufmerksam machen, dass es finazielle Unterstützung von Institionen gibt und die Institutionen daran erinnern, dass sie diese Unterstützung auch kommunzieren müssen
    1.2 aber was wäre dann? Wir würden einen elitären Kreis, der es sich leisten kann 1. an einer Uni oder ähnlichem zu studieren oder zu arbeiten oder einfach über die fianziellen Ressourcen verfügt födern- Stichwort Elitenförderung. Das ist nicht das was mir vorschwebt.
    2. Es gibt einige Punkte die lassen sich beachten ohne wahnsinnig tief in den Geldbeutel zu greifen…beginnt beim Tagungsort- ist der Ort barrierearm? Wenn ja, dann darf diese Information mit in den CFP. Verfügt der Ort über Wlan? Ist der Tagungsort in einer Stadt in der die Lebenshaltungskosten nicht so horrend hoch sind, dass ein Hotel/Hostel/ÖVPN nicht zu teuer sind? Gibt es vllt einen Unikindergarten mit dem es möglich wäre für die Tagung zusammebzuarbeiten? Oder ähnliches
    3. Ich glaube das ist der sinnvollste Punkt für den Beginn: mit anderen Wissenschaften kommunzieren, wie sie es hinbekommen eine Kinderbetreeung anzubieten oder barriereärmer zu agieren auf ihren Tagungen

    Mit freundlichem Gruß,
    Sophie Rotermund

  4. Lieber Ralf,

    du schriebst:
    „Kinderbetreuung: BItte vergesst nicht, dass das versichert sein muss. So steht Eure Wunsch zu naiv da. Als Veranstalter haftet man (zu Recht!) für das, was passiert. Nehmen wir mal an, der dArV böte auf seiner nächsten Jahrestagung Kinderbetreuung an und betreut Kinder teilweise selbst (Mitglieder des Hauptausschusses oder einer dafür gegründeten AG), und Eltern betreuen mit. So, und nehmen wir weiterhin an, ein Kind verletzt sich und trägt längerfristige Schäden davon. Da werden die Eltern dieses Kindes bzw. deren Versicherung auf Schadenersatz, Schmerzensgeld usw. drängen. Es wird untersucht werden, ob Aufsichtspflichten verletzt wurden usw. Nehmen wir weiterhin an, jemand hätte Reißnägel herumliegen lassen und das Kind hätte zwei verschluckt. Dann haftet jemand, und es ist unterm Strich der Veranstalter (hier: der dArV). Damit der nicht viele tausend Euro aus der Vereinskasse zahlen muss bzw. der Vorsitzende, der mutmaßlich persönlich-privat haftet, braucht es, wie gesagt, eine Versicherung. Alles Andere ist heillos naiv und brandgefährlich (stellt Euch vor, liebe Anarchaeologie, der Fall träte ein bei der Tagung, die Ihr demnächst mitveranstaltet).

    Die Versicherung kostet natürlich (keine Ahnung, wie viel). Wer zahlt in Euren Augen die Kosten? Die Eltern, die sich im Vorfeld verpflichten, bis zu 100% der Kosten zu tragen (falls nur ein Kind betreut werden würde) bzw. einen Anteil davon, je nach Zahl der zu betreuenden Kinder? Alle Tagungsteilnehmer (Umlageverfahren)?

    b) Geht doch gerne mit gutem Beispiel voran, liebe Kollegen von Anarchaeologie, und recherchiert für die künftigen Veranstalter eine Versicherung, welche die Kinderbetreuung auf Tagungen versichern würde. Macht das am besten die Axa, die Allianz usw? Was kostet das denn überhaupt? Wo gibt es das passendste Angebot für die Bedürfnisse aus der Archäologie? Das würde sicher mehr in Bewegung bringen statt alleine der Wunsch nach etwas.“

    Du hast vollkommen Recht mit deiner Kritik und deinem Wunsch, sich auch mehr mit Versichungstechnsichen Fragen zu beschäftigen. Was ich dir hiermit versprechen kann ist, dass ich oder die anderen von Anarchaeologie genau dieser Frage nachgehen werden und in den kommenden Monaten zu diesem Gastbeitrag bei Miss Jones einen Beitrag auf unserer eigenen Website veröffentlichen werden, der unsere hier genannten Wünsche mit potenziellen Finanzierungsmöglichkeiten versehen wird.
    Vielen dank für deinen Kommentar.
    Mit freundlichem Gruß,
    Sophie Rotermund

  5. Gute Diskussion hier, und gut, dass Du, Sophie Rotermund, Dich der Sache inhaltlich annimmst.

    Ich sehe nämlich eine große Gefahr: wenn „immer nur gefordert wird“, die Forderndem bei einem Thema aber nicht selbst richtig mit anpacken, dann kriegt die Sache – egal, wie gut sie ist – ganz schnell einen unguten Beigeschmack. Nimmt keiner mehr ernst, und man nimmt Fordernde als „willhaben, aber nicht geben“ wahr – ob das nun stimmt oder nicht. Zu glauben, alleine das Fordern sei schon gut, trifft es daher nämlich überhaupt nicht. Wie gesagt: klasse, dass Du Dich engagieren wirst.

    Ich habe gesehen, dass an Tübingens Uni Infos zur Kinderbetreuung auf Tagungen online stehen. Aber wenn man sich das näher anschaut, sehe ich:
    – das mit dem Versicherungsschutz wird zigmal betont, daher danke für den oben stehenden Kommentar, wie wichtig das ist. Hatten die Fordernden bisher stets komplett übersehen, weswegen ich mal annehme, dass sie sich bisher auch nicht wirklich mit dem Thema befasst hatten. Räusper.
    – Ich habe mal in Tübingen gelebt. Die beiden genannten Zimmer sind nur eventuell nahe einem Tagungsort. Das eine ist bei den Naturwissenschaften, das andere ganz woanders. Sehr zentral, aber geschätzt 20 Minuten strammen Fußmarschs den steilen Berg hinauf/hinunter von der UFG im Schloss entfernt (das Zimmer bei den Naturwissenschaften ist faktisch unerreichbar). Jedenfalls ist das für unser Fach keine echte Lösung.
    – Die Bemerkungen zu den Betreuenden und deren Versicherung sowie Ansprechpartnern an einer Familienstelle zeigen mir, wie irre aufwendig das zu organisieren wäre. Wenn man dann Erziehende hat, die wegen eines Schnupfens beim Kind, also einem an sich verständlichen Grund, wieder absagen, da glaube ich, dass man das als Tagungsorganisator einmal macht und nie wieder. Sprich: man organisiert sich einen Wolf und das eben mit naturgemäß hoher Planungsunsicherheit.

    Bei den Tagungen bei denen ich mitarbeiten durfte (im Orgateam) brannte immer „sowieso“ die Hütte. Also auch ohne die Themen Barrierearmut und Kinder und Fremdsprachigkeit usw. Wir hatten dann einfach die Wahl, uns entweder um ein erstklassiges fachliches Programm zu kümmern oder um die hier debattierten Themen. „Beides so’n bisschen“ geht nicht, denn dann sind alle unglücklich. Und das wäre das Letzte für all die, die sich die Mühe der Teilnahme gemacht haben.

    Zu den dann massiv stegenden Tagungsgebühren: Ads sollen die Institutionen bezahlen, schreibst Du. Äh, welche? Bitte nenne doch ein paar konkrete Beispiele.

    Der Grund für die Wahl eines Tagungsorts ist vielfältig. Manchmal steht dort *das* Labor oder Museum, das fürs Thema superwichtig ist. Oder man signalisiert mit Gastfreundschaft und Besuch eine Verbundenheit zwischen Organisationen. Da kann es halt mal vorkommen, dass ein Ort nicht so günstig ist. Aber nie nach München, Stuttgart, Rom oder New York gehen mit einer Tagung, das wäre dann fair?

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