Ein Schildkrötenreiter

Im Jahre 1664 wurde diese Porzellanfigur geschaffen. Es handelt sich um einen Wassertropfer aus Japan. Wassertopfer waren ursprünglich Geräte welche zum verarbeiten von Tusche notwendig gewesen sind. Mit der Zeit wurden diese Objekte immer Kunstvoller, und immer weniger praktikabel, bis sie sich zu reinen Dekorationsobjekten für Schreibtische von Gelehrten entwickelt hatten.
Dieser Schildkrötenreiter stammt aus der Edo-Periode, also einer Zeit, in der sich Japan gegenüber dem Rest der Welt abschottete. Das war eine Zeit, in der die Japaner Kunst, in einer ganz besonders hohen Qualität erschufen. So konnten die Handwerker dieser Zeit, dass bis Heute dünnste bekannte Blattgold anfertigen. Diese Periode der Kunst, bestimmte 250 Jahre lang das leben in Japan. In dieser Epoche relativer Ruhe in Japan, wurde es für die Japaner Populär innerhalb ihrer Inseln Pilgerreisen vorzunehmen. Dabei gab es festgelegte Routen, die Abgewandert werden sollten. Es ist bekannt, dass sich zu Spitzenzeiten mehr als 200.000 Personen, innerhalb von nur 10 Tagen in Richtung des Berges Fuji aufmachten.

Ein Wassertropfer (Werkzeug zum Tusche anreiben) in Schildkrötenform aus Japan. Hergestellt 1664.

Diese Reisebewegung stand in einem gewissen Zusammenhang mit der Entwicklung der Kunstfertigkeit zu dieser Zeit. Denn nicht nur nur Pilger, die sich das Geld für ihre Reise vom Munde abgespart hatten waren unterwegs, sondern auch Luxusreisende, mit mehreren Sänftenträgern und einer menge Geld auf der Tasche. Und alle wollten Mitbringsel für die Familien mit nach hause bringen. Es wurde also mit Nippes der günstigen Art, aber auch mit hochwertiger Kunst gehandelt, die die reisenden als Andenken mit nach hause nahmen.
Ob dieser Wassertropfer einst ein solches Objekt gewesen ist, ist allerdings Spekulation. Klar ist, das diese Figur aus Arita Stamm, und das in der gleichen Zeit, wie der Bedarf an Nippes startet, auch mit der Produktion von Porzellan in Japan in Arita begonnen wird.

Heute ist diese Figur im Landesmuseum in Kassel ausgestellt.

Literatur:

https://refubium.fu-berlin.de/bitstream/handle/fub188/9973/4_edobaku.pdf?sequence=5&isAllowed=y

https://www.hkst.de/de/maecenas/fuehrungsstil/

https://www.studeo-ostasiendeutsche.de/deutsche-in-ostasien/geschichtlicher-abriss/8-geschichtlicher-abriss/32-fruehe-kontakte-nach-japan-im-17-jahrhundert

https://skd-online-collection.skd.museum/Details/Index/121696#

https://www.dus.emb-japan.go.jp/profile/deutsch/japan_forum/jf_2007/2007_03_jf144_1-2.pdf

Nano-Blattgold im alten Japan