Making of Archäologie für´s Ohr

In der Adventszeit dieses Jahres habe ich für euch einen Adventskranz in Form einer Archäologie-Podcaststaffel gemacht. Heute zu Weihnachten, lasse ich euch ein bisschen hinter die Kulissen blicken, wie und warum denn dieser Podcast entstanden ist. Wer Lust hat sich alle Folgen einmal anzuhören, ihr findet sie auf der Homepage des Institutes für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie.

Kassette mit der Aufschrift "Archäologie Fürs Ohr", 4 Folgen Podcast.

Wie kam es zu dieser Podcaststaffel?

Tatsächlich war der Podcast kein Projekt, das ich für Miss Jones geplant habe. Viel mehr handelt es sich dieses Mal um ein Uniprojekt. Ich bin derzeit Masterstudentin an der Universität Hamburg und bei uns gibt es etwas relativ einzigartiges in der Studienordnung. Wir müssen ein sog. Masterprojekt machen. Das ist ein praktisches Projekt, welches man in einer Gruppe oder auch alleine Umsetzen muss und in dem wir Zeigen sollen, oder ausprobieren können, in welchen beruflichen Bereich wir eine besondere Qualifikation haben. Weil unser Fach Archäologie ein sehr vielfältiges Fach ist, gibt es eine Vielzahl von interessantesten Projekten, die meine Kommiliton*innen schon umgesetzt haben. Es handelt sich bei diesem Projekt also um eine Art Praktikum, bei dem man selber der Chef ist und das man sich selber ausdenkt. Meine Idee war es also einen Archäologiepodcast zu machen.

Zettel auf einem Holztisch. Auf dem Zettel steht das Wort Checklist geschrieben, darunter ist eine leere Liste. Ein Stift ist bereit gelegt.

Man macht das gesamte Projekt alleine, hat aber Ansprechpartner, die im Zweifel Helfen. Was würdest du für ein Projekt machen unter diesen Umständen?

Warum ein Archäologiepodcast?

Das Tolle an diesem Masterprojekt ist, dass man einerseits Experimentieren kann und andererseits etwas Ausprobieren kann, was man schon immer mal ausprobieren wollte. Außerdem soll man sich in die Richtung entwickeln, in die man sich entwickeln will und bekommt auf diesem Weg dann auch noch Hilfe. Die erste Frage die sich für jeden meiner Kommiliton*innen stellt, ist also: „Was will ich machen mit meinem Studium?“ Ich möchte Wissenschaftskommunikation machen! Deswegen Blogge ich ja auch, einfach, weil es für mich nicht schöneres gibt. Ich möchte der Welt zeigen wie toll die Archäologie ist, wie spannend dieser ganze Planet. Bislang schreibe ich darüber, war mein Gedanke, aber vielleicht kann ich davon ja auch erzählen. Die Idee eines Podcasts entstand. Der Podcast war also ein Experiment. Ich wollte probieren, ob diese Art der Wissenschaftskommunikation funktioniert und wenn ja wie!? Und ich bin sehr froh, das es so gut funktioniert hat. Denn ich hoffe nach meinem Studium in dem Bereich Wissenschaftskommunikation Arbeit zu finden. Außerdem konnte ich euch mit diesem Podcast eine Abwechslung bieten und hoffentlich auch eine kleine Freude machen.

Ganz viele Karteikarten, die nebeneinander Gelegt sind.

Beim Sortieren der Interviewausschnitte. Jede Karteikarte enthält die Beschreibung des Inhalts und eine Markierung, wo dieser Ausschnitt zu finden ist.

Und wie macht man einen Archäologiepodcast?

Da gibt es natürlich die verschiedensten Möglichkeiten. Ich habe mich dazu entschieden mit Wissenschaftler*innen Interviews zu machen. So könnt ihr den Experten selber zuhören, wie sie ihre Forschungsergebnisse erklären. Dieses Format erschien mir spannend, weil ich euch gerne mitnehme in die faszinierende Welt der Wissenschaft. Aber es ist kompliziert so etwas zu organisieren. Denn zum einen müssen Wissenschaftler*innen gefunden werden, die Lust haben sich für so ein kleines Uniprojekt befragen zu lassen, zum anderen muss man dafür Termine finden. Des weiteren, muss man sich in die einzelnen Themen einlesen und abschließend muss man sich dann auch noch darauf einigen, wie das Thema denn dann erklärt. Und bezahlt werden muss der Spaß dann auch noch.

Ein Mikrofon, ein Laptop ein mobiles Aufnahmegerät, in einem Regalabteil, dass mit Handtüchern und Kissen ausgelegt ist und mit einem Spielzeuggkanu, einem Schädel, einer kleinen Weltkugel und weitern Objekten geschmückt ist.

Die Technik, die mir zur Verfügung stand, in zugegeben etwas dekorierter Atmosphäre.

Für das letztere Problem bekam ich Unterstützung. So haben mir meine Eltern zum Geburtstag die technischen Geräte geschenkt, die ich brauchte um einen Podcast zu erstellen. Einen Laptop und ein mobiles Aufnahmegerät. Alleine hätte ich mir das nicht leisten können. Aber auch Sponsoren spielen eine Rolle. So unterstützte mich der Museums- und Archivverein Geschichtsfreunde Hagen e.V. finanziell bei der Erstellung  der Folge über die Blätterhöhle, für die ich von Hamburg aus einmal quer durch Deutschland nach Westfalen gefahren bin. Einen großen Dank an dieser Stelle für diese Unterstützung.

Auch das einzigartige Erlebnis, die Blätterhöhle selber zu besichtigen, hätte es ohne diesen Verein nicht gegeben. Vielen Dank dafür.

OK, OK. Das Danke sagen ist wichtig, aber wie macht man nun einen Archäologiepodcast?

Also in erster Linie braucht man Interviewpartner und eine Idee welchen Teil der Geschichte oder der Methoden man erzählen möchte. Das heißt man bereitet Fragen vor, redet mit den Wissenschaftler*innen und dann hat man teils stundenlange Aufnahmen von Wissenschaftlerstimmen. Diese versucht man irgendwie sinnvoll zusammen zu setzen. Da archäologische Fundplätze aber bisweilen sehr kompliziert sind und manchmal auch durch eine Unmenge wichtiger aber kleiner Details auffallen, ist die Auswahl was man nun erklärt teilweise gar nicht so einfach. Um alles sinnvoll miteinander zu verbinden und auch für Menschen die das Thema vielleicht noch nicht kennen gut zu erklären, habe ich mich dazu entschieden, die Interviewausschnitte mit kurzen selbst eingesprochenen Texten zu verbinden. Welche Aspekte der Fundplätze ich dabei dann betont habe, hat teilweise ganz schön für Diskussionen geführt.

Voll geschriebene Zettel, die aufgefächert auf einer schwarzen Tischplatte liegen

Insgesamt habe ich euch übrigens 45 Seiten Text vorgelesen in den 4 Podcastfolgen.

Was für Diskussionen waren das?

Es gibt etwas, das möchte ich als archäologische Goldwaage bezeichnen. Das ist die Goldwaage im Herzen ein*er jeden Wissenschaftler*in, die sich einschaltet, wenn etwas zu sehr pauschalisiert erklärt wird, oder mit einer Minimal abweichenden Wortwahl, als man es selber Ausdrücken würde erklärt wird. Bei einigen Archäolog*innen ist diese Goldwaage stärker und bei anderen schwächer ausgeprägt. machmal spiegeln sich da drinnen auch unterschiedliche Forschermeinungen wider. Ich selber habe auch so eine Goldwaage. Das heißt alle wollen sehr akkurat über die Ergebnisse der Archäologie berichten, es aber so erklären, das es für jeden verständlich ist. Das Ganze ist ein Balanceakt und führt öfter zu Streitigkeiten. Zum Beispiel auch in Facebook Kommentaren. Mit mehr Toleranz für einander wären meiner Meinung nach, viele dieser Diskussionen unnötig.

Eine Feldsteinaxt vor einem grünen Hintergrund.

… Zum Beispiel diese Axt….

Um mit einem Beispiel zu überspitzen. Einmal habe ich einen Artikel geschrieben, in dem z.B. der Unterschied zwischen Axt und Beil erklärt wird. Dazu zeigte ich ein Bild einer Feldsteinaxt. Am nächsten Morgen fand ich eine ausgesprochen wütende E-Mail in meinem Postfach. Ein Kollege der sich in sehr langen Worten darüber echauffierte, dass ich die Axt nicht eingeordnet habe, und nicht dazu geschrieben hatte, dass es sich um eine TBK-Axt der Zuordung Stufe 2d handelt (So oder so ähnlich, ich erinnere diese Angabe nicht mehr ganz genau, denn ich kenne mich selber auch nicht mit Äxten aus). An dieser Stelle gibt es eine Differenz zwischen dem, was ich mache und dem was Wissenschaftler*innen machen. Ich möchte so spannend wie möglich erklären, was denn nun eine Axt ist. Der Axtforscher fühlt sich allerdings nicht gesehen und nicht ernst genommen. Er liebt seine Äxte beschäftigt sich sein halbes leben mit nichts anderen und hat evtl. aus dem Blick verloren, dass die allermeisten Menschen mit der Abkürzung TBK alleine schon überhaupt nichts anfangen können. Und in diesem Spannungsfeld kommt es dann oft zu Meinungsverschiedenheiten.

Screenshot in einem Tonschittprogramm

Eine Folge im Schnitt. Oben seht ihr die Interviewausschnitte unten die Moderationstexte.

Und wie hast du das Technisch gemacht?

Also den Tonschnitt habe ich mit einem Open Source Tonschnittprogramm vorgenommen. Dieses Schnittprogramm habe ich mit autodidaktisch selbst zu bedienen gelernt. Und es ist auf jeden Fall noch Luft nach oben in meinem Lernprozess. Es ging allerdings, um einiges einfacher diese Technik zu bedienen, als ich es gedacht hätte. Das tatsächliche Problem war ein anderes. Es gab ungewöhnliche Störgeräusche in meiner Wohnung, die alles, was ich an Tonaufnahmen von zu Hause aus gemacht habe, total verzerrt haben. Ich habe sehr viel herumprobiert.

Eine seltsame konsturcktion aus Decken und Umzugskartons

Das unbequemste Tonstudio der Welt

Am Ende habe ich mir das vermutlich unbequemste Studio der Welt im Keller gebaut. Dort konnte ich dann endlich gut verständliche Aufnahmen machen. Aber mein improvisiertes Studio hatte einen Nachteil: Sobald ich mich bewegt habe ist es über mir zusammengekracht. Deswegen musste ich über Stunden regungslos ausharren beim Vorlesen der Texte, denn oft hat es lange gedauert bis ich eine Version hatte, ohne Versprecher, die nicht so klingt, wie jemand der unter erheblichen Scherzen einen Text vorliest. Eine schmerzhafte Körperhaltung war in meinem improvisierten Studio  allerdings dauerhaft der Fall. Bevor ich also noch einmal einen Podcast mache muss ich mir also ein anständiges Studio organisieren.

Und was war der tollste Moment bei dem Projekt Archäologie für´s Ohr?

Der tollste Moment war vermutlich der Moment, an dem ich das erste mal eine Folge selber ganz gehört habe. Da habe ich in meinem Sessel gesessen, mit einem Tee und dachte einfach „Wow, das habe ich gemacht“. Tatsächlich wäre der ganze Podcast aber ganz anderes, wenn es nicht diesen wunderbaren Jingle gäbe, mit dem er eingeleitet wird. Der erste Gänsehautmomment, wenn ich mir das anhöre, ist also gleich der Sound zu Beginn. Für mich eine tolle Erinnerung. Denn hier hatte ich etwas Hilfe. Ein Freund hat mir erklärt wie ein Synthesizer funktioniert und wir haben gemeinsam in seinem Zimmer gesessen und so lange auf Tasten gedrückt und gebastelt, bis wir zufrieden waren. Der Musiker meines Vertrauens, ohne den es diesen Jingle nicht geben würde heißt, Simon Glücklich. Und wir hatten beide Gänsehaut in dem Moment wo wir wussten „Das ist es, das ist der Jingle. So muss es sein!“. Das war einer der tollsten Momente in diesem Sommer. Und auch dafür muss ich Simon ganz dolle Danke sagen.

Eine Tonspur in Balu in einem Schnittprogramm

So sieht der Jingle im Schnittprogramm aus.

Und wie geht es jetzt weiter mit den Podcasts?

Also alles in allem hat mir das Erstellen der Podcasts sehr viel Spaß gemacht. Und es gibt noch jede Menge was ich lernen kann an dieser Stelle. Und wenn man etwas lernen kann, dann bringen Sachen meiner Meinung nach 3 mal soviel Spaß. Deswegen würde es mich freuen, auch in der Zukunft noch weitere Podcasts zu machen. Aber mit der Zukunft ist das so eine Sache. Ich steuere gerade relativ zielstrebig auf das Ende meiner Unizeit zu und weis dann noch gar nicht wie es weiter geht. Das heißt aber auch, im nächsten halben Jahr werde ich an meiner Masterarbeit schreiben. Und das ist vor allem eines: Anstrengend! Deswegen werde ich in nächster Zeit kaum dazu kommen etwas auf diesem Blog zu schreiben, oder ein Podcast zu betreiben. Und was danach kommt, dass weiß ich noch nicht. Aber es wird eine Zeit kommen, in der ich wieder Zeit haben werde, solche Projekte umzusetzen und deswegen wäre es für mich interessant zu wissen, ob ihr Lust auf mehr Folgen Archäologiepodcast hättet?