In einem Jahr aus dem Boden gestampft – Eine Wallfahrtskapelle

Ab 1769 wurde die Kapelle am Schloss Mentberg bei Innsbruck neu errichtet. Nur ein Jahr später wurde sie bereits geweiht. Der Architekt Konstantin John von Walther zu Pfeilsberg, der auch für seine Arbeit an der Innsbrucker Hofburg bekannt war, entwarf den Plan für die Neuerrichtung. Die Kapelle Maria auf der Gallwies wurde im Stile des zu dieser Zeit gerade noch aktuellen Rokokostiles gebaut. Dieser prägt sich nicht in der gesamten Architektur aus, sondern ist bei Kirchenbauten gerade an einzelnen Details zu erkennen.

Zu erkennen ist dieser Stil vor allem daran, dass er sich dem Menschen annähert. Die Türen werden Beispielsweise kleiner und entsprechen seiner Körpergröße. Insgesamt ist diese Bauweise eher sanft und nicht so wuchtig, wie es zuvor im Barock modern war. Diese Kapelle trägt aber auch schon Merkmale des Klassizismus, der in der Folgezeit modern wurde. Man kann grob sagen: Im Rokoko wird alles Rund gemacht, oder gebogen, was man biegen kann, im Klassizismus, der ab 1770 entsteht, wird sich eher an griechisch-römischer Säulenarchitektur orientiert.

Diese, für ihre Zeit Top moderne Kapelle, wurde innerhalb von einem Jahr aus dem Boden gestampft. Und das hatte auch seinen Grund. Denn hier wurde eine Pieta verehrt. Diese hatte durch ein angebliches Wunder einen Angriff auf eine Kirche in Ulm im Dreißigjährigen Krieg überlebt. Sie wurde von dem Sohn des Schlossherren geborgen und nach Innsbruck gebracht. So entstand eine Wallfahrtstätte mit bis zu 15.000 Besuchern im Jahr. Um mehr Platz für Besucher zu schaffen, die für die Herren des nebenstehenden Schlosses ein gutes Geschäft darstellten, wurde hier in kürzester Zeit ein Gotteshaus erschaffen.

Literatur:

Riesenhuber, Martin: Die Kirchliche Barockkunst in Österreich, Linz 1924.

https://www.pfarre-mariaamgestade-ibk.at/home/geschichte-der-kapelle-maria-auf-der-gallwies/