Als es in Westeuropa noch Bären gab

Der europäische Braunbär war bis ins 19. Jahrhundert auch bei uns verbreitet. Doch dann wurde er massiv gejagt und ausgerottet. Zusätzlich schwand in Angesicht der immer moderneren Nutzung von Landflächen der Lebensraum des Bären. Das wilde Tier hat einen schlechten Ruf, als Verursacher von Schäden und teils sogar als Menschenfresser (Wer erinnert sich nicht an den „Problembären“ Bruno). Tatsächlich wird der Ursus Arctos Arctos, wie er in der Fachsprache heißt, zwar als Fleischfresser betrachtet, tatsächlich ist aber ein Allesfresser, der in der Hauptsache Pflanzen und Kleintiere frisst. Das äußerst scheue Tier hält sich von Menschen fern. In Regionen, wo die menschliche Bevölkerungsdichte höher ist, lebt das eigentlich tagaktive Tier sogar nachtaktiv, um dem Menschen aus dem Weg zu gehen.

Das der Braubär heute in Deutschland gar nicht vorkommt, und Wiederansiedlungsversuche in den österreichischen Alpen gescheitert sind, ist äußerst schade. Denn er ist ein Bestandteil des europäischen Ökosystems. Der Schädel, den ihr hier seht, stammt aus der Bronzezeit, aus der Pfahbausiedlung am Ledrosee und ist damit fast 4.000 Jahre alt. Er ist in dieser Siedlung ins Wasser gefallen sind und uns deswegen bis heute Erhalten. Aus dieser Zeit gibt es in Europa, vor allem im Alpenraum, viele Bärenknochenfunde. Vermutlich wurden die scheuen Tiere damals gejagt. Archäologen können an Merkmalen, wie Schnittspuren an Knochen genau sehen, wie ein totes Tier verwertet wurde. Die Knochen des Bären fallen dabei auf, denn sie haben in der Regel Löcher die zur Aufhängung dienten. Vermutlich wurden sie als Trophähen und Amulette genutzt. In dieser Zeit, als der Braunbär in Europa noch weit verbreitet war, schien der den Menschen also Heilig gewesen zu sein.

Literatur:

Gino Tomasi, Die Pfahlbauten von Ledro. In: Das Ledrotal und seine Pfahlbauten, Trento 1980.

https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF_Artenportrait_Braunbaer_2016.pdf

https://www.archaeologie.uzh.ch/static/pdf/Reitmaier_Alpwirtschaft.pdf

https://www.zobodat.at/pdf/WM_4_0011-0035.pdf