Die Karaja sind eine indigene Gruppe, die im Brasilien am Amazonas lebt. Oder sollte man sagen im Amazonas, bei einer Kultur, welche die größte Flussinsel der Welt, die Ilha do Bananal bewohnt? Die Kulturgruppe stellt einige außerordentlich schöne Objekte her. Neben Keramikfiguren, welche ursprünglich als pädagogisches Spielzeug für Kinder entwickelt wurden, und die so hübsch sind, dass die heute als nationales Kulturerbe gelten, fertigen die Karaja zum Beispiel Federkronen. Den Federschmuck der Karaja gibt es dabei in verschiedenen Varianten.

Eine Karaja Federkrone (Bild: (CC BY-SA 4.0)).
Er wird zu wichtigen Anlässen, wie Hochzeiten, getragen und ist kein gewöhnlicher Alltagsgegenstand. Zudem tragen bei den Karaja nicht nur Menschen Federkronen bei bestimmten Anlässen – sondern auch Häuser. Von Expeditionen des Späten 19ten Jahrhunderts sind einige dieser Objekte bekannt. Sie wurden damals von Entdeckern gesammelt, welche in einem kolonialen Sinne gedacht haben. Dazu gehört zum Beispiel dieser Federschmuck, welcher sich seit 1880 in Sammlungen befindet, und der einmal der Deckenschmuck einer Männerhütte der Karaja gewesen ist:

Dieser Federschmuck ist ausgestellt im Berliner Humboldtforum (Bild: Geesche Wilts (CC BY-NC 3.0 DE)).
Die Karaja leben so tief im Amazonasgebiet, dass sie erst relativ spät mit weißen Menschen in Kontakt gekommen sind. Durch die Erzählungen von Mitgliedern anderer Amazonaskulturen waren die Karaja sehr gut auf die weißen Menschen vorbereitet. Deswegen hat diese Kultur weniger Schaden von der Kolonialisierung davon getragen als andere indigene Menschengruppen. Sie widersetzten sich beispielsweise erfolgreich mehreren Missionierungsversuchen. Aber durch Konflikte sank ihre Zahl dennoch drastisch. Wurde die Bevölkerung 1775 noch auf 9000 Menschen geschätzt, gab es 1999 nur noch um die 850 Karaja. Um so wichtiger scheint das Bewahren des kulturellen Erbes dieser Menschengruppe. Die schlechte Nachricht ist, dass viele Objekte dieser Kultur im Nationalmuseum in Rio de Janeiro im September 2018 verbrannt sind. Dazu gehört leider auch diese wunderschöne Krone.

Eine weitere Federkrone der Karaja – leider verbrannt (Bild: (CC BY-SA 4.0)).
Literatur:
Doris Kurella und Dietmar Neitzke: Amazonas Indianer – LebensRäume LebensRituale LebensRechte, Linden-Museum Stuttgart 2001.