Die Wikingerstadt

Sie war errichtet aus Holz und Lehm und doch war es kein einfaches Dorf, sondern eine ausgewachsene Stadt. Haithabu, die Wikingersiedlung am Haddebyer Noor. Doch was unterschied das Städtische vom ländlichen Wikingerleben? Die Baumaterialien der Häuser waren es zumindest nicht. Bei den Ausgrabungen in Haithabu kamen viele Gebäude zum Vorschein und keines war aus Stein gebaut. Dafür fanden sich vollständig erhaltene Flechtwände und umgefallene Giebelwände. Das ist ein Glücksfall, denn so wissen wir auch etwas über die Dachhöhe der Gebäude, und über die Gestaltung der Außenwände. Dabei ist festzuhalten: Das typische Haus hat es in Haithabu nicht gegeben. Aber eine Erkenntnis gibt es doch zu verzeichnen: Die Gebäude waren vor allem eines: kleiner als auf dem Land. Das Stadtleben erforderte keine großen Gebäude wie Scheunen oder Ställe.

Dafür wurden in Haithabu schon 965 die ersten öffentlichen Bauvorhaben umgesetzt: Der Stadtwall mit seinen Toren zum Beispiel. Das ausgeprägte Wege- und Brückennetz wurde errichtet und schließlich im 10. Jahrhundert die Befestigung der Hafenanlage. Diese Bauvorhaben wurden mit Steuergeldern errichtet, wie Schriftquellen aus der Zeit um 810 belegen. So ist es kein Wunder, das Chronisten, wie der spanische Kaufmann At-Tartúschi schon 965 von Haithabu berichten und dabei nicht von Lehmhütten reden, sondern von einer sehr großen Stadt. Handelsgüter aus der ganzen damals bekannten Welt hinterließen ihre Spuren in der Wikingermetropole. Wer also heute das Idyllisch wirkende Freilichtmuseum von Haithabu besucht, der muss sich zusätzlich zu den schönen Rekonstruktionen dort noch den Trubel einer Großstadt vorstellen.

Literatur:

Elsner, Hildegard Elsner, Wikinger Museum Haithabu: Schaufenster einer frühen Stadt 3. Auflage, Neumünster 2004.