Was wir aus archäologischen Zeiten für Krisen lernen können

Entfernte Zeiten so Nah: Pandemien und Krisen, so heißt ein kleines Büchlein, dass kürzlich von Kieler Wissenschaftler*innen verfasst wurde. Die gemeinsame Grundhypothese dabei: je verbundener Menschen, desto geringer Konfliktpotentiale. Betrachtet werden verschiedene Kulturen und Zeiten um grundsätzlich über das Verhalten von Menschen in Krisen- und Pandemien nachzudenken. Ein Vielseitiger und umfassender Blick soll dadurch generiert werden, der schon mit den ersten Pandemien, vor 10.000 Jahren beginnt. In dieser Zeit gibt es wichtiges Phänomen, dass in das Neolithikum gehört. Tiere werden domestiziert und Gehalten. Mensch und Tier rücken dadurch in ihrem Lebensraum zusammen, beginnen unter einem Dach zu Leben. Dadurch haben es Krankheitserreger leicht zwischen den Tierarten zu wandeln. Ein interessantes Beispiel ist der Fundplatz Atlit Yam (etwa 8.000 Jahre alt). Dabei handelt es sich um den ältesten bekannten Ort, an dem sich Rinderzucht nachweisen lässt. Ebenfalls lässt sich durch Knochenanalysen der frühen Rinderzüchter*innen zeigen, dass hier auch die Krankheit Tuberkulose einen ersten bekannten Ausbruch erfuhr, eine Krankheit die von Rindern auf Menschen übertragen wurde.

Ein sibirischer Hirtennomade geht an sinem Rntier vorbei und macht dabei ein Handgeste. Insgesammt ist er von 5 Rentieren umgben, welche ruhig und in verschiedenem Abstand in der Landschaft herumstehen. Es ist eine Karg landschaft mit graumn erdboden, und Grünn hchgewachsenen Nadelbäumen im Hintergrund. Der Hirtennomade trägt einen olivgrünen Overoll.

Ein Blick nach Sibirien zu den indigenen Hirtennomaden (Bild: © Jens Schneeweiß, Young Academy, Uni Kiel)

Ein anderer Blick führt nach Sibirien. Hier sind im Permafrost nicht nur Tiere erhalten, sondern auch ihre Viren. Durch die globale Erwärmung taut diese Region zunehmend auf. 2016 hat dies bereits dazu geführt, dass ein wieder aufgetauter Milzbranderreger ein Rentiersterben ausgelöst hat. Auch Menschen sind damals gesundheitlich zu Schaden gekommen. Die Sorge hinter diesem Phänomen ist: Was ist, wenn beispielsweise ein z.B. alter mittlerweile völlig unbekannter Mammutvirus wieder auftaut und sich verbreitet? In anderer, interessanter Aspekt bezüglich Sibirien ist, mit der indigen nomadischen Bevölkerung verbunden. Diese wurde bei der Kolonialisierung stark dezimiert. Haupttodesursache damals: Die Pocken. Und so lassen sich bis heute kulturelle Strategien in diese Nomadengruppen beobachten, wie mit Krankheitsausbrüchen umgegangen wird. Und diese Formen des kulturellen Umgangs erinnern nicht wenig an Quarantänemaßnahmen.

Oft wie hier zu eintönig dargestellt: Die Gesellschaften der Urgeschichte (Das Foto stammt aus dem Landesmuseum in Kassel).

Interessant ist auch der Blick auf urgeschichtliche Gruppen. Martin Fuhrolt führt aus, dass diese sehr vielfältiger waren, als wir es uns heute vorstellen. Und genau in dieser Diversität an Herkunft und Ideenwelten liegt oftmals die Lösung für eine Krise. Denn die Wahrscheinlichkeit das man unter verschieden denkenden Köpfen die findet, die rettende Ideen haben, ist größer, als bei einer Gruppe Menschen die sich sehr gleichen. Deswegen liegt die größte Stärke des Menschen in Diversität. Daran schließt ein Beitrag von Tim Kerig an, der mithilfe von Kontaktstrukturen im europäischen Neolithikum aufzeigt, dass Kontakt zwar einerseits dazu führt, dass sich Viren übertragen. Andererseits, zeigt sich aber auch, dass Kommunikation in Krisensituationen besonders wichtig ist. Dabei zielt er darauf ab, dass es ein wichtiges auch interkulturelles menschliches Phänomen gibt, dass für die Stärke sorgt, welche es benötigt, um Krisensituationen zu überstehen: Solidarität.

Das Buch „je verbundener Menschen, desto geringer Konfliktpotentiale“,

zeigt die Welt der Pandemien und Krisen also nicht nur aus einem archäologisch aufklärerischen Blick, sondern ist dabei ganz Lösungsorientiert. Ich habe euch hier nur schlaglichtartig die ersten Kapitel gezeigt. Wenn ihr Lust habt selber alles Nachzulesen und euch umfassend darüber zu informieren, was Forscher*innen mit weiteren Schwerpunkten auf andere Zeitalter wie der Antike oder die Bronzezeit zu sagen haben, dann lest doch das ganze Buch. Es ist einfach und völlig kostenfrei unter diesem Link zu finden:

https://www.cluster-roots.uni-kiel.de/en/publications/publications-material/2020-01-roots-booklet-serie-pandemien-und-krisen.pdf