Baumsärge

Im Norden Europas hat sich in der Bronzezeit eine ganz besondere Bestattungsform herausgebildet. Baumsärge. Es handelt sich um ausgehöhlte Baumstämme, meistens Eichen. Die Baumstämme wurden aufgeschnitten und in der Mitte des Baumes wurde eine verstorbene Person platziert. Bei Baumsärgen handelt es sich um Luxusbestattungen. Die Baumsärge waren oft auf eine Art Steinbett gelegt, und dann wurde ein Hügel über ihnen Aufgeschüttet, auf denen zur Befestigung Gras wuchs. Es sind besondere Menschen, denen ein solcher Sarg zuteil wurde. Das wird immer wieder an den meist teuren Beigaben, die bei ihnen platziert wurden deutlich. Oftmals liegen solche Baumsärge zentral in den Grabhügeln dieser Zeit, die immer größer wurden, weil mehr und mehr Bestattungen rund um eine solche Erstbestattung gemacht wurden. Jedes Mal wurde der Hügel dann vergrößert. Weit verbreitet ist diese Art der Luxusbestattung vor allem im heutigen Dänemark, und in Schleswig-Holstein. Die ältesten bekannten Niederlegungen dieser Art stammen aus der Zeit um 1.400 v. Chr. einen Boom erlebte diese Bestattungsform in den folgenden 50 Jahren.

Ein göffneter Baumsarg in dem eine Puppe liegt, die einen besttteten Mann darstellt. Er ist in ein Tuch eingewickelt, das grau ist.

Die Darstellung einer Baumsargbestattung im begehbaren Grabhügel im Steinzeitpark Dithmarschen. Hier wird wirklich gut erklärt, wie so ein Grabhügel aussieht.

Und diese Zeiträume lassen sich ganz genau feststellen. Und zwar anhand sog. Dendrodaten. Das heißt übersetzt Holzdaten. Um diese Daten zu erfassen werden bei einem Holzstück die Jahresringe untersucht. Dadurch kann man das Fälldatum eines Baumes bestimmen, und zwar auf das Jahr genau. Aber nicht nur, weil man so genau das Datum von einer Bestattung erfahren kann, lieben Archäologen Baumsärge. Durch das chemische Milieu in einem solchen Baumsarg erhalten sich viele Überreste, die dort eingeschlossen wurden besonders gut. So sind zum Beispiel manchmal die Kleidungsstücke erhalten, mit denen die Menschen beigesetzt wurden. Textilien erhalten sich unter anderen Umständen besonders selten, und gehören von daher zu den größten aller archäologischen Schätze. Die bekannteste Bestattung dieser Art ist vermutlich das Mädchen von Egtved. Bei dieser Bestattung hatte sich beispielsweise ein Minirock erhalten. Aber auch das Haar der verstorbenen, welches dann noch weitergehend analysiert werden konnte. Gegen 1.200 v. Chr. verschwand dann der Brauch tote so niederzulegen. Es begann die Zeit der Brandbestattungen. Die Urnen wurden aber weiterhin in den alten Hügeln beigesetzt. Und so kommt es, dass Archäologen an solchen Fundplätzen die Lebensgeschichten vieler Abschnitte der nordischen Bronzezeit finden.

Eine Urnenbestattung auf einem Steinbett.

Eine rekonstruierte Brandbestattung auf einem Steinbett aus dem begehbaren Grabhügel im Steinzeitpark Dithmarschen.

Literatur:

Reallexikon der germanischen Altertumskunde 26, Schlagwort: Sarg und Sarkophag.

http://www.landesarchaeologen.de/fileadmin/Dokumente/Dokumente_Kommissionen/Dokumente_Grabungstechniker/Grabungstechnikerhandbuch/11_2_Norddeutschland_Version_2016.pdf

Rätsel um Bronzezeit-Tote gelöst