Australien stellt sich seiner Geschichte

Die Übernahme Australiens als britische Kolonie war ein weitgehend friedlicher Prozess. Es kam zwar an einigen Stellen zu Auseinandersetzungen mit den australischen Ureinwohnern, aber in der Regel war das Zusammentreffen ein friedliches. So wird es in der Schule in Australien bis heute unterrichtet. Und so glaubten auch die Forscher*innen des Colonial Frontier Massacres Map Projekts, das sie nur wenige Massaker während der Kolonialzeit finden würden. Doch es zeichnet sich ab, die Geschichte über die friedliche Landnahme in Australien stimmt so nicht. Das australische Forscher*innenteam hat sich mit den eigenen Ergebnissen selbst überrascht.

Was macht dieses Team?

In Australien wird derzeit eine Karte erstellt. Karten sind für das Verständniss von historischen und archäologischen Zusammenhängen oftmals eine wichtige Grundlage. Denn man kann regionale und überregionale Zusammenhänge sehr anschaulich machen. Auf dieser neuen Karte sollen alle Massaker an australischen Ureinwohnern ab 1788 verzeichnet werden. Und um das zu tun, bedarf es langen Recherchen. 267 Massaker mit über 6.200 Todesopfern konnten mittlerweile auf dieser Karte eingetragen

der Uluṟu, ein Roter Berg umgebe von einer Steppe. Deer Berg ist geformt wie ein langes flaches oval. Er ist Oben sehr flach.

Derzeit Bekommen die australischen Ureinwohner immer mehr rechte. So ist es nun verboten den Uluru zu betreten. Denn das der Berg nicht betreten wird, ist wichtig einige Aborigine-Kulturen. (Bild: Pixabay).

werden. Als Massaker gilt dabei die geplante Tötung einer Menschengruppe ab einer Personenzahl von 6 Menschen oder mehr, bei der es keine Form der Legitimität für eine Tötung gab. Diese und weitere Kriterien für das Wort Massaker legte das Forscher*innenteam dabei selber fest, da es keine wirklich feste Definition für das Wort Massaker gibt. Manche dieser Mehrfachtötungen waren Ereignisse einer einzigen Nacht. Andere Massaker haben eine längere Zeit gedauert. So wurden 1928 in Warlpiri über Wochen einzelne Gruppen gezielt getötet.

Aber wie kommt man eigentlich an Daten über Massaker?

Ein Problem bei der Erforschung ist, dass Überlebende, die sich vor den Grausamkeiten verstecken konnten, oft lange schweigen, aus Angst vor den Aggressoren. Und auch Täter, die ja zu Unrecht getötet haben, schweigen sich gerne aus. Um im Nachhinein herauszubekommen, wie viele Massaker es gegeben hat, nutzt das Projekt historische Aufzeichnungen, zum Beispiel aus Tagebüchern, oder auch offizielle Papiere. Ganz unterschiedliche Dokumente werden zusammengeführt. Paradox ist dabei, dass oftmals alte Zeitungen helfen, die behaupten, dass es die Morde nicht gegeben hat. Passte das Bild des Massakers doch noch nie wirklich in das

Die Murray River Brücke. Eine Brücke über eine Großen Fluss.

Die Murray River Brücke. Hier schaukelte sich ein Konflikt hoch. Am Ende tauchten die Angehörigen der Noongar-Kultur in den Murray River, um sich vor den Kugeln der Australier zu verstecken. Sie wurden von der Brücke aus erschossen, sobald sie auftauchte. Es gab vermutlich 15 erschossene bei diesem Ereignis. (Bild: Gemeinfrei)

betont friedliche Selbstbild der Australier. Finden die Forscher*innen einen solchen Fall sind sie dazu übergegangen alte Tagebücher aus der Region, oder auch Aufzeichnungen der Kirchen oder von Missionaren einzusehen. Hierbei zeigt sich oft, dass es die Morde durchaus gegeben hat. Auch Polizeiakten sprechen oft für dieses Bild. Eine Recherche um herauszufinden, ob es einen Mord gegeben hat, kann mehrere Wochen andauern. Es muss alles immer wieder sehr kritisch überprüft werden. Es ist also ein sehr aufwendiges Projekt, dass in Australien derzeit umgesetzt wird.

Was waren das für Mörder, und wie gingen sie vor?

Die Täter waren dabei eben sowenig einheitlich, wie die Beweggründe für die Massentötungen. Manchmal waren es Siedler, die sich Land erobern wollten, manchmal Jäger, oder Soldaten, die solche Massaker planten. Es handelt sich um viele kleine Ereignisse, die sich über den gesamten Zeitraum erstrecken und auch mit der Zeit verändern. So nutzten die Kolonisten für diese Morde zunächst meist Musketen. Bis in die 1860ger hinein erweitert sich das Waffenspektrum. Beispielsweise wurden zunehmend Pistolen verwendet. Manchmal kam es aber auch zum Einsatz von Schwertern, oder die native Australiens wurden vergiftet. Es gibt, auch fälle, wo Gruppen australischer Ureinwohner*innen kollektiv aufgehängt wurden. Bis 1900

Ein altes Foto vo Geroge Augustus Robison.

George Augustus Robinson hatte eine Doppelrolle. Zum einen klärte er Verbrechen an Ureinwohner*innen auf. So zum Beispiel das Massaker von Cape-Grim mit ca. 30 Todesopfern. Auf der anderen Seite trieb er die Reservationen und Deportationen der Aborigines voran, wenngleich ohne den Gebrauch von Waffen. (Bild: Gemeifrei)

kamen in Australien dann zunehmend neue Waffen in den Handel. Dadurch veränderten sich auch die Angriffe auf die australischen Ureinwohner. Die neuen Waffentechnologien, die auf dem Kontinent erhältlich waren, konnten nämlich auf sehr viel weitere Distanzen hin eingesetzt werden. So wurde aus dem Hinterhalt und sehr plötzlich das Feuer auf Gruppen von Ureinwohnern eröffnet. Bis in die 30ger Jahre hinein wurden dann vermehrt Revolver für Morde verwendet. Zudem ist zu beobachten, dass die größte der Zahl der Massaker an australischen Ureinwohnern sich in dieser Phase im Norden Australiens abspielen. Die Revolver waren dabei oftmals die Dienstwaffen weißer Polizisten, welche sich an den Massakern beteiligten.

Und wie findet man die Orte des Geschehens?

Oftmals kann man die Orte, an denen gemordet wurde heute nicht mehr genau, sondern nur noch ungefähr bestimmen. Zuviel Zeit ist vergangen. Und die Beschreibungen sind oftmals zu gering. Zusätzlich verändert sich eine Landschaft im Laufe der Jahrzehnte und der Jahrhunderte. Langfristig könnten hier archäologische Forschungen weiter helfen. Aber ob dies im Einzelfall erwünscht oder pietätvoll ist, ist noch unklar und soweit ist die Arbeit i vielen Fällen auch noch nicht fortgeschritten. Generell lässt sich sagen, dass mit dieser Karte gerade ein Grundstein gelegt wird für die Aufarbeitung der australischen Kolonialgeschichte. Und in dieser gab es auch Massaker an weißen Einwanderern. Aber: maximal 100 Menschen fielen diesen zum Opfer, dabei wurden beim Kartografieren im Vergleich bereits über 6200 tote australische Ureinwohner registriert. Es zeigt sich also ein Ungleichgewicht.

Verantwortung heißt Frieden

Beeindrucken an diesem Projekt ist aber, die Anteilnahme der australischen Bevölkerung. Diese ist überwältigend. Viele Australier*innen beteiligen sich und senden Dokumente aus ihrer Region und auch von ihren Familien an die Wissenschaftler*innen. Ein starkes Zeichen. Die Menschen stellen sich ihrer Geschichte und möchten sie aufarbeiten. Die australische Bevölkerung zeigt so Verantwortungsbewusstsein und den Wunsch nach einer gerechten Erinnerungskultur. Diese Karte, die die Verbrechen und Ungerechtigkeiten der Kolonialgeschichte zeigt, kann so ein wichtiger Bestandteil werden für ein wirklich friedliches Australien.

Literatur:

https://www.srf.ch/news/international/massenmorde-in-australien-kartenprojekt-beweist-massaker-an-tausenden-aborigines?fbclid=IwAR1PONdfvfEEJoq8sMpMXvfTy-4DkYklztY8DinpQitLYIn9EqJ3pGVRpjA

https://c21ch.newcastle.edu.au/colonialmassacres/introduction.php