Castello di Melfi und das erste mittelalterliche Gesetzbuch

Im süditalienischen Apulien steht ein Kastell mit einer normannisch-staufischen Geschichte. Die Normannen errichteten hier zunächst eine kleinere Festung mit einem Haupthaus und drei Türmen. Als später die Staufer in den Besitz der Burg kamen, begann Friedrich II das Kastell auszubauen, und dieser Ausbau wurde auch von seinen Nachfolgern fortgesetzt. Karl V schenkte das Anwesen schließlich seinem Admiral aus der Familie Doria. Das Gebäude wurde weiter um und ausgebaut und bekam seine endgültige Form erst im 15. Jahrhundert. Es ist bis heute erhalten, aber in den Jahren 1853 und 1930 gab es schwere Erdbeben, die Schäden an den Gebäuden hinterlassen haben. Mitte des vergangenen Jahrhunderts übereignete die Familie Doria das Kastell an den italienischen Staat. In der Folgezeit wurde das Gebäude restauriert.

Ein roter Backsteinbau auf einem hohen grünen Hügel. Das Gebäude ist verwinkelt und hat viele Türme im mediterranen Stiel. Es handelt sich um das Kastell von Melfi.

Das Kastell heute (Foto: Michele Perillo, CC BY-SA 3.0)

Zwischen 1059 und 1150 fanden hier gleich vier päpstliche Konzile statt. Kaiser Friedrich der II war mehrfach Gast in dieser Festung. 1231 veröffentlichte er von hier die Konstitutionen von Melfi. Dabei handelt es sich um des ersten umfassenden Gesetzeskodex des Mittelalters. 200 Gesetze regelten von nun an das Leben im Königreich Sizilien. Friedrich II sah sich selbst als ein von Gott erwählter Herrscher, der an seine Position aufgrund der Schöpfungsgeschichte gekommen war. Seine Aufgabe war es, nach diesem Verständnis, die Verlorengegangene Ordnung, nach der Verbannung aus dem Paradies, wiederherzustellen. Das jemand mit diesem Selbstverständnis das erste Gesetzbuch des Mittelalters verfasst wirkt wenig erstaunlich. Das Kastell, ist mit dieser Geschichte zu einem besonderen Ort der europäischen Vergangenheit geworden.

Literatur:

Jule Ebbing, Die Herrschaftskonzeption Kaiser Friedrich II. im Konflikt mit dem PapsttumAachen 2009.

C.A.Willemsen, Apulien – Kathedralen und Kastelle, Köln 1971.