Ribe – die älteste Stadt Dänemarks

Die älteste Stadt Dänemarks. Das klingt nicht nur nach Wikinger und alten Gebäuden. Genau das kann man hier auch finden. Ein verlängertes Wochenende kann man hier gut verbringen, in einem wirklich niedlichen Ort, mit viel Geschichte zu moderaten Preisen.

Eintauchen in die Geschichte

Es ist um das Jahr 700 herum, als hier an einem Flusslauf nach der Wattgrenze der Nordsee erstmals ein Handelsplatz entsteht. Ein Marktplatz, einige Gehöfte. Die kleine Siedlung wird ein wichtiger Handelsplatz der Wikinger.

Hinter einem Kanal niedrige Häuser in bunten Farben, in der Mitte eine Domkirche mit zwei Türmen.

Riebe von Weitem, vom Schloss aus gesehen

Gegen 860 ist es dann Ansgar von Bremen, der hier eine erste Kirche errichtet. Eine Holzkirche, dort, wo heute ein eindrucksvoller Dom steht. Der Ort übersteht die Jahrtausende. Und heute kann man hier an jeder Ecke Geschichte atmen.

Hotels und Bed an Breakfast an jeder Ecke

Man kann es sich hier richtig gut gehen lassen. Wie immer empfehle ich das Reisen zur Nebensaison. Es ist aber auch dann relativ voll, aber noch nicht unangenehm. Die Schlange am Waffelgeschäft scheint dennoch bis in den Horizont zu reichen. Aber die Preise für die Übernachtung sind relativ leistbar. Es gibt außerhalb der Stadt einen Campingplatz, ich aber empfehle eines der Hotels oder Hostels in der Innenstadt zu buchen.

Ein Fachwerkbau mit Backsteinverfüllung. Es hat schwarze Balken. Aber die Balken sind absolut super schief.

Wir haben wunderbar in diesem 1704 errichteten Gasthof geschlafen.

Das Besondere hier: Man schläft in der Altstadt, in Gebäuden, die wirklich urig sind und mitten in der Stadt. Dennoch ist es ruhig. Man kann am Abend zwar gut in Bars gehen, aber er Trubel ist gerade in den kalten Monaten auf der Straße eher gering. So kann man das Übernachten in den historischen Gebäuden richtig genießen, denn es ist ruhig – auch auf den Straßen der Innenstadt.

Überall Altbau

Wer Bamberg mag, wird Ribe lieben. Denn hier gibt es einen ebenso großen Schatz an Altbauten. Fachwerk an jeder Ecke. Man kann stundenlang die Häuser ansehen, viele tolle Fotomotive finden, niedliche Holzschnitzereien und noch niedlichere Häuschen. Alles ist etwas krumm und auch ein wenig schief in dem charmanten, scheinbar mittelalterlichen Städtchen. Scheinbar – doch wer genau hinsieht, wird sie auch noch finden, die Bereiche der Stadt mit älteren einstöckigen Gebäuden. An ihnen stehen teilweise Jahreszahlen aus dem 14. Jahrhundert. Der Großteil der Häuser in Ribe ist aber neuzeitlich. Und wenn man manchmal einen niederländischen Touch spürt – bis in das 17. Jahrhundert waren die Niederländer die Haupt-Handelspartner der dänischen Stadt.

Ein Rot gestrichenes Fachwerkhaus mit blauen Balken.

Ein Brand am Beginn der Neuzeit hat große Teile der Altstadt vernichtet. Die meisten Häuser stammen aus der Zeit zwischen 1640 und 1700. Und diese Gebäude haben einen unverwechselbaren Charme. Alles ist wunderbar nordisch, und manchmal sind noch alte friesische Kacheln an den Wänden zu finden. Es riecht in den Gebäuden nach Holz. Es ist eine Zeitkapsel. Riebe hatte unter dem Dänisch-Schwedischen Krieg stark gelitten, dieser endete zwar 1809, und es gab eine Phase der Erholung. Doch schon 1864 änderte sich wieder alles: Der Hafen Esbjerg wurde eröffnet und Ribe als Handelspunkt abgelöst. Und in diesem Moment ist in Ribe scheinbar die Zeit angehalten. Das Besondere ist: Der ganze Ort ist dadurch historisch authentisch. Gut gepflegter Altbaubestand. Doch wirken die Gassen manchmal seltsam leer. Das Problem: Die Airbnb-Seuche macht sich stellenweise breit. Nicht falsch verstehen, ich finde es eine super Idee sein eigenes Häuschen unterzuvermieten, solange man selbst im Urlaub ist.

Eine Reihe Häuser, die offenbar ein paar Jahrhunderte alt sind. Sie sind nur ein Stockwerk hoch und haben nur je eine Tür und zwei kleine Fenster. Sind also sehr klein.

Manche Ecken sind dann plötzlich seltsam leer.

Doch immer mehr Häuser werden so ganz zu Ferienhäuschen, und tolle Innenstädte verlieren ihre Fröhlichkeit durch zu viel Tourismus, weil nach und nach die richtigen Einwohner*innen fehlen. Und auch in Riebe gibt es Ecken, die dadurch wirken wie ausgestorben. Also, wenn ihr herkommt, reist bitte verantwortungsbewusst. Und es gibt, um ehrlich zu sein, es gibt kaum etwas Cooleres, als in einem Gasthaus zu übernachten, das seit dem 17. Jahrhundert existiert. Und damit eben nicht die historische gewachsene Struktur zu zerstören, sondern sie ganz im Gegenteil weiterzuführen.

Am Abend sind die Straßen still

Aber man kann trotzdem gut weggehen, es gibt Livemusik. Indoor, in Pubs und Bars, die vor allem nahe dem Dom sind. Und besonders schön ist auch der ausgeleuchtete Dom bei Nacht.

Ein dunkelrotes schiefes einstöckiges Häuschen.

Generell ist es bemerkenswert schön durch die Straßen von Ribe zu schlendern, am Abend, wenn in den Häusern die Lichter eingeschaltet sind und die Altbauten so in ein sehr heimeliges Licht getaucht sind. Aber Vorsicht: lieber früher essen gehen, gegen 20 Uhr beginnen die Restaurants nämlich zum Teil schon mit dem einräumen. Das eigentlich schöne ist in Ribe aber ohnehin der Tag:

Museen an jeder Ecke

Ich muss sagen: Besonders begeistert war ich vom Hex Museum. Es hat ein Konzept, das für Museen zukunftsweisend ist. In einem der kleinen Fachwerkhäuser angesiedelt, hat es nicht so viel Platz für seine Ausstellung, und dennoch ist die Ausstellung bemerkenswert. Die optische Inszenierung des Themas Hexerei ist mehr als gelungen. Man hat hier zwar wenige Funde, aber die optische Inszenierung macht es zu einem spannenden Ort.

Bücherregal mit vielen Büchern. Alle Bücher in mit Metallketten am Regal befestigt. Dazwischen Vitrinen mit Einweckgläsern, wo Frösche uä. Drinnen sind.

Toll inszeniert – die Vitrinen stehen zwischen den Büchern im Regal

Es gibt dazu an den Seiten digitale Erklärtafeln, auf denen die Funde nochmals gezeigt werden. Ein Audioguide führt durch die Ausstellung. Hervorzuheben ist der Professionalisierungsgrad der digitalen Techniken und des Audioguides. Ein professioneller Erzähler mit einer angenehmen Stimme erzählt. Dabei wird weniger Faktisches aufgelistet, sondern es hat einen eher prosaischen Charakter. Das ist gut gemacht, ist aber gleichsam auch der Punkt, wo das Konzept nicht ganz rund ist.

Mit einer Schnur zusammengeknotete kleine Tierknochen in die Runen rein geritzt sind.

Es ist alles optisch sehr ansprechend gestaltet.

Zu viel Prosa, zu wenig Fakten, zu wenig Verbindung. Das ganze Museum ist richtungsweisend für kommende Museen, doch noch schwächelt das Konzept, denn es werden hier immer wieder Chancen vertan, das Faktische mit der Geschichte zu verbinden. Am Anfang der Geschichte steht eine verbrannte Hexe. Man hätte ihre Geschichte an den Funden in den weiteren Ausstellungsräumen erzählen können. Oder einen anderen Bezug herstellen können, leider fehlt der rote Faden, der alles miteinander verbindet. Aber diese Ausstellung ist dennoch toll. Sie eröffnet einen Weg, wie zukünftig Museen gestaltet werden können. Und stilistisch ist die Ausstellung gekonnt inszeniert. Und eine definitive Inspiration für meine zukünftige Arbeit.

Das Wikingermuseum

Auf keinen Fall sollte man das Wikingermuseum verpassen. Es ist modern, wenngleich auch schon mindestens eine Dekade alt. Aber wer Archäologiefan ist, wird hier glücklich. Es gibt einen großen gut ausgestatteten Museumsshop, mit Fachbüchern, Schmuck und Met. Aber vor allem gibt es eine Ausstellung, die tolle Funde zeigt und einen in die Welt, die Wikinger bringt. Besonders schön ist aber, am Ende der Wikingerausstellung kommt man zu einer großen inszenierten Wikingerwelt, und gelangt dann durch eine Tür in die Welt um 1500. Und da ist dann etwas Besonderes zu sehen: die Dombaustelle.

Inszenierung mit lebensgroßen Puppen. Eine Frau trägt einen Korb, eine Leiter hoch, daneben entsteht eine Ziegelmauer.

Alles ist liebevoll in Szene gesetzt

Diese Dombaustelle weist einige Details, auf, die wiederum Spaß bringen. Beispielsweise die Art wie das Mauerwerk gestaltet ist – mit einer sauber gezimmerten Innenwand und einer sauber gezimmerten Außenwand – dazwischen ist Geröll eher herein geschüttet als fein säuberlich geschichtet. Genauso ist es auch zu beobachten, bei der Ausgrabung nahe des Doms. Geht man dann in die Ausstellung, kommt man zu Funden aus der Zeit Ribes vor dem Brand. Hier sind zahlreiche Funde zu sehen, welche von einem guten städtischen Leben sprechen.

Hausgiebel aus Flechtwerk, da jeweils eingänge zu verschiedenen Bereichen der Ausstellung.

Blick in den neuesten Teil der Ausstellung.

In den oberen Stockwerken gibt es dann noch einen etwas veralteten Film und eine recht neue Ausstellung zu aktuellen Grabungen zu sehen: das Besondere. Die aktuelle Ausstellung widerlegt frühere Annahmen der Forschung und das sieht man so nicht oft in einem Museum. Es zeigt: Forschung wird hier, als das genommen, was es ist: Mit jeder Erkenntnis kommt etwas Neues hinzu.

Ewige Spaziergänge

In Riebe kann man stundenlang spazieren gehen und dann einkehren, einen warmen Kakao trinken, ein Stück Kuchen dazu und dann weiter spazieren gehen. Dabei lassen sich noch mehr Kleinigkeiten entdecken. Beispielsweise die Klosterkirche, oder auch das Schloss. Das Schloss ist heute nur noch ein mit einem Wassergraben umschlossenes Bodendenkmal. Es liegt dicht an der Autobahn, das heißt akustisch ist es hier nicht so angenehm, weil man ein Dauerrauschen der LKW´s in der Ferne hört. Doch wenn man auf dem Schlossgelände war, bekommt man ein besseres Gefühl für den Ort.

Bewachsener Hügel, umgeben mit Wasser.

Die Überreste des Schlosses von Ribe

Und man kann auch auf dem alten Wall des Schlossen herumgehen, und hat von da aus einen guten Blick auf den Dom. Der Dom und das Schloss sind vmtl. die beiden wichtigsten historischen Baustrukturen, auf keinen Fall sollte man verpassen diese anzusehen – und gegen ein paar Kronen kann man auch auf den Domturm klettern und sich Ribe von oben ansehen. Besonders bei dem Dom: Es gab hier eine Ausgrabung. Dabei wurden nicht nur alte Mauern freigelegt – die übrigens deutlich sichtbar genauso gebaut wurden wie im Museum dargestellt, hier liegt einer der ersten christlichen Friedhöfe des Ortes. Und wenn man den Dom besucht, sollte man auch in das nebenstehende Ausgrabungshaus gehen.

Am Boden sind schwarze Schatten umrandet, und alte Dommauern sind auch erhalten dazwischen.

Ein Blick auf die Ausgrabung

Denn hier kann man den archäologischen Originalfundplatz besichtigen. Und auch dieses kleine Ausstellungshaus ist modern und ansprechend gestaltet. Und weil es so schön ist, und man bei stundenlangen Spaziergängen immer noch eine niedliche Ecke findet, habe ich für euch hier eine Bildergalerie:

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