Die einzigartigen Stelen von Ellenberg

Es ist eine schweißtreibende Arbeit. Große Steine müssen bewegt werden. Aus der ganzen Umgebung sind helfende Hände zusammengekommen um ein Megalithgrab (ein Großsteingrab) zu Bauen. Eine Kulturtechnik die in der letzten Phase der Jungsteinzeit, vor ca. 4.200 Jahren, lange bekannt ist. Und auch die anstrengenden Strapazen die mit dem Bau eines solchen Monuments verbunden sind. Deswegen machen es sich die Baumeister*innen der Jungsteinzeit auch ein bisschen einfach. Sie verwenden Steine älterer Monumente einfach wieder. Die hässlichen unmodern gewordenen Dekorationen drehen sie dabei einfach so herum, dass sie in dem neuen Bestattungsbau nicht mehr zu sehen sind. Das Grab von Ellenberg im heutigen Nordhessen entsteht.

Eine Steinstele aus leicht rötlichem Sandstein. Sie ist mit einem Relief aus Dreiecken verzeiht

Die Stele von Ellenberg. (Ausgestellt im Landesmuseum in Kassel)

1907 macht dann der Ortslehrer Scheuffer eine Meldung. Immer wieder würden große Steine bei Ackerarbeiten gefunden werden. Eine Ausgrabung wird vorgenommen und dabei eine Stele wiedergefunden, welche in so einem Megalith Bau recycelt wurde. Und diese Wiederverwendung war für die Archäologie ein großes Glück. An der Stele von Ellenberg sind nämlich Ornamente erhalten. Diese wären im Verlauf der Jahrtausende nach und nach verwittert, wären sie nicht dadurch geschützt gewesen, dass sie verbaut wurden. Das Muster, das viele Dreiecke zeigt, muss also aus einer älteren Phase der Jungsteinzeit stammen. Der Form nach zu urteilen handelte es sich einst um einen Menhir, also um eine einzeln aufgestellte Steinsäule. Die Bedeutung der Stele war aber irgendwann anscheinend nicht mehr wichtig. Sie wurde abgerissen, und der Stein einfach wiederverwendet. Durch diese Geschichte wurde dieses einzigartige Fundstück erhalten.

Eine aus zwei teilen zusammengesetzte Sandsteinstele. Der Stein ist leicht rötlich. Die Stle ist oben abgerundet. sie ist mit einem Muster aus dünnen linien verziehrt.

Die zweite Stele aus Ellenberg. (Ebenfalls im hessischen Landesmuseum in Kassel ausgestellt)

Die Stele von Ellenberg ist dabei nicht die einzige, deren Schicksal uns heute anzeigt, das jungsteinzeitliche Menhire möglicherweise grundsätzlich verziert gewesen sind. Nur 700 Meter weiter wurde 17 Jahre später eine zweite Stele geborgen, der das gleiche Schicksal beschert war. Beide Stelen bestehen aus Sandstein und wären unter anderen Umständen heute sicherlich stak verwittert. Doch so lässt sich auch hier zweifelsfrei ein Muster erkennen. In diesem Falle ein Fischgrätendekor. Die Verzierungen lassen sich zum Teil vergleichen, und zwar mit Musterungen die wir von Keramiken der Jungsteinzeit kennen.

Doch welchen Sinn diese Muster hatten, aber auch welchen Zweck die Stelen erfüllten ist heute unbekannt. Waren es Erinnerungen an Verstorbene? Waren sie vielleicht rein dekorativ? Oder aber handelt es sich um eine Art Grenzstein? Zeigen die Muster eine bestimmte Identität an? Oder aber sehen wir hier einfach nur eine Modeerscheinung? Keine dieser Möglichkeiten kann aus diesen zwei einzigartigen Funden ernsthaft rekonstruiert werden. Und doch wird eines deutlich: Die Jungsteinzeit ist eine Epoche voller Überraschungen, mit kleinen, großen und in diesem Falle schönen Details.

Literatur:

Hessisches Landesmuseum: Unter unseren Füßen – Altsteinzeit bis Frühmittelalter, Kassel 2016.

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