Lubaantun – Die Stadt der kollabierten Pyramiden

Zwischen 730 und 890 tobt hier das Leben. In der Zeit um 800 erlebt der Ort seine größte Blüte. Er liegt zwischen zwei kleinen Flüssen in Lateinamerika im heutigen Belize. Die Lage spricht dafür, dass der Ort als Handelszentrum genutzt wird und das sowohl für den See- als auch für den Binnenhandel. Aufgefundene Gebäude sprechen auch die Sprache politischer Administration und religiöser Praktik. Die Maya Stadt erstreckt sich auf einer Fläche von 16 Hektar. Sogar Austragungsplätze von Ballspielen gibt es. Die Architekt*innen der Maya haben bei der Wahl des Ortes eine natürliche Anhöhe zwischen den Flüssen genutzt. Die Frage warum der Ort nur etwa 160 Jahre existierte ist bislang ungeklärt.

Ruinen aus Luubantun. Der Dschungel hat sich die Grauen Monumntalbauten zurück geholt.

Ein Blick in die Maya Stadt zeigt, die Natur hat sich den Ort lange zurückerobert (Bild: Ambertq [CC BY-ND 2.0]).

Die Gebäude in Lubaantun werden in Trockenbauweise, also ohne Mörtel oder ähnliches gebaut. Im Grunde genommen kann man sich diese Bauweise ein bisschen vorstellen wie Lego. Steine werden Passgenau angefertigt, sodass sie aufeinandergestapelt ein stabiles Gebäude ergeben. Bei dieser Stätte kann man bei der Betrachtung der Bauten sehen welche Teile älter sind und welche jünger. In frühen Zeiten wurden raue Steine verwendet. Bei diesen ist es einfacher sie zu einem festen Gebäude zu verbauen, sie haben mehr Gripp. Im Laufe der Zeit perfektionieren die Maya Architekt*innen diese Bauweise. Dadurch konnten sie in späteren Zeiten die gleiche Bautechnik auch mit glatteren Steinen umsetzen, welche einen schöneren optischen Eindruck hinterlassen.

Ein Stufig aufeinander errichtets Mauerwerk. J zwei schichtn fein behauener grauer stein liegn dabi exakt aufeinander, darüber ist die Wand je nach innen versetzt. Die Bauweise wirkt filigran.

Dieses Mauerwerk ist also im Grunde nur gestapelt (Foto: Ambertq [CC BY-ND 2.0]).

Ein häufiges Bauelement in der Maya Stadt Lubaantun sind Plattformen, die auch die Basis für Pyramiden sein können. Die Errichtung ist für die Baumeister*innen eine bauliche Herausforderung. Die Plattformen stürzen immer wider ein. Es sind Dauerbaustellen. Nahezu täglich muss irgendwo geflickt werden. Die Terrasen werden  mit den verschiedensten Materialien gefüllt, um sie zu stabilisieren. Auch diese Bautechnik verbessert sich mit der Zeit, sodass spätere Plattformen meist stabiler sind. Für die archäologische Analyse ist die Untersuchung einer Plattform hochinteressant. Denn, da alles Mögliche ausprobiert wurde, um die terrassenartigen Bauwerke von Innen zu stützen, werden die unterschiedlichsten Materialien in die Terrassenböden gekippt. Auch Müll. In diesem befinden sich beispielsweise Keramikreste, mit denen es möglich ist Zeitpunkte einzelner Reparaturarbeiten genauer zu bestimmen.

Deri in sich zusammengefallene Pyramiden auf einer Grünen wiese.

Doch mit dem Verschwinden der Bewohner wurden auch die Reparaturen nicht mehr durchgeführt, sodass die meisten Gebäude in sich zusammen stürzten (Foto: Ambertq [CC BY-ND 2.0]).

Der erste Bericht, über einer Wiederentdeckung der Maya Stadt stammt aus der Zeit um 1860. Eine erste Erforschung wird dann von einem Mediziner und Hobbyarchäologen durchgeführt. In den ersten Dekaden dreht sich die Erforschung dieser Stätte in erster Linie darum die Stadtruine zu kartieren. Eine langwierige Aufgabe, welche in der Archäologie aber von großer Bedeutung ist. Karten und die Dokumentation eines Istzustandes sind die Grundlagen von weiteren Forschungsansätzen, oder auch von der Betrachtung von Umständen vergangener Zeitalter in geografischen Zusammenhängen. 1924 beginnen dann die ersten Ausgrabungen an der Mayastätte. Sie werden von Mitchell-Hedges durchgeführt. Ein Mann der sich ganz besonders auf die Vermarktung archäologischer Stätten versteht. So werden zu seiner Kampagne erstmals Fotos von der eindrucksvollen Stätte in den Illustrated London News gezeigt. Doch die Publicity geht noch weiter: der Fundplatz, welcher bislang einfach nur als “Ruinen am Rio Grande” bezeichnet wurde, bekommt in diesem Atemzug auch seinen blumig klingenden Namen Lubaantun. Ein Wort der modernen Mayasprache, dass übersetzt so viel wie “Der Palast der heruntergefallenen Steine” bedeutet. Der tatsächliche Name der Stätte ist unbekannt.

Der Rest einer Pyramiede aus grauen Stein. Die Pyramiede ist zur hälfte vollständig in sich zusammen gefallen. Überall liegen Steine Hrum, sie Kullrn von dem Bau herunter.

Eine kollabierte Pyramide. Woher die Idee mit den heruntergefallenen Steinen kommt, ist offensichtlich (Foto: Ambertq [CC BY-ND 2.0]).

Die Vermarktungskünste des Archäologen zeigen sich aber noch an einem anderen Beispiel: die Geschichte des Kristallschädels von Lubaantum. Dieser kommt angeblich bei Ausgrabungen von Mitchell-Hedges und seiner Tochter Anna bei Ausgrabungen im Jahr 1927 zutage. Er wird in Zusammenhang mit einem eingestürzten Altar gebracht. Allerlei seltsames wird über diesen Schädel berichtet, was in den Bereich der Sagen und Legenden fällt. Die als Mitchell-Hedges Schädel bekannte Darstellung ist seit dieser Zeit Bestandteil vieler Diskussionen welche sich in eher esoterischen oder verschwörungstheoretischen Kreisen abspielen. Theorien über Aliens sind in dieser Hinsicht an der Tagesordnung. Und nicht zuletzt wurde auch ein Indiana Jones Film von Kristallschädeln inspiriert. Fakt ist aber: Der Schädel kann vor 1936 nicht im Besitz dieser Familie gewesen sein; bis zu diesem Zeitpunkt gehörte er einem Kunstsammler namens Sydney Burney. Der Schädel wurde also nicht in der Maya Stätte gefunden. Hinzu kommt: Bei einer mikroskopischen Analyse konnte festgestellt werden: Der Schädel ist eine moderne Anfertigung. Herstellungsspuren von Techniken, wie das Verwenden von Stahl und Diamantbohrern konnten nachgewiesen werden. Damit ist klar: Bei diesem Fund handelt es sich um eine Fälschung. Bei der Einbettung dieser Fälschung in die archäologische Arbeit hatte wohl auch der aufmerksamkeitsorientierte Archäologe Mitschell-Hedges Skrupel. Denn seine Ausgrabungstätigkeiten sind zwar fein säuberlich dokumentiert und die Funde wie gewohnt inventarisiert. Der Schädel fehlt jedoch vollständig in seiner Fundbearbeitung.

in Crystalschädel. Schnitzerei aus Bergkristall.

Ein Schädel aus Bergkristall. Aus Bild rechtlichen Gründen kann der Lubaantun Schädel hier nicht gezeigt werden. Deswegen zeige ich euch den Londoner Kristall Schädel, der Oft mit dem von Lubaantun verglichen wird (Bild: © The Trustees of the British Museum).

Bei der Betrachtung der Funde hätte der Schädel auch schlecht in das Bild gepasst. Inschriften fehlen, die Bautechnik ist eher instabil, die Kulturrtechniken, sind anders gesagt verbesserungswürdig. Und so hat die Geschichte, mit dem erfunden Schädelkult, zumindest dafür gesorgt, dass dieser Ort so schnell nicht in Vergessenheit gerät. Denn in der Forschung am Beginn des letztens Jahrhunderts, war Archäologie oft noch eher Schatzsuche, denn Suche nach Erkenntnisgewinn. Seit 2009 gibt es zu dieser Stätte wieder Forschungen. Vergleichende Analysen mit anderen Maya-Städten. Es geht um die Frage wie der Handel der Mayakultur strukturiert war. Woher bezogen sie beispielsweise Obsidian. Ein Vulkangestein, welches sich ähnlich wie Flint, leicht zu Werkzeug verarbeiten lässt. In der Gesellschaft der Maya ein unverzichtbarer Werkstoff. Erste Analysen dazu zeigen: Es war durchaus unterschiedlich, wie gut, und an welche Rohstoffquellen die einzelnen Städte angebunden gewesen sind. Eine weitere Erforschung dieser Fragestellung ist spannend. Sie gibt alle mal mehr Aufschluss über dieses Zeitalter als ein gefälschter Kristallschädel.

Anmerkung:

Dieser Beitrag entstand für den Miss Jones Adventskalender 2020. Aufgrund der Corona-Einschränkungen ein Adventskalender, der zum Träumen über fremde Orte anregen soll. Eine Vorfreude auf die Zeit nach der Pandemie. Ich stelle hier ausschließlich Orte vor, an denen ich noch nicht war, wo ich aber gerne einmal hin möchte.

Literatur:

James Talmadge Daniels, Nondestructive Geophysical and Archaeometric Investigations at the Southern Belize Sites of Lubaantun and Nim li Puni, Masterarbeit, Universitiy of California, San Diego, 2014.

Daniel Clark Wernecke, A Stone Canvas: Interpreting Maya Building Materials and Construction Technology, Dissertation an der University of Texas, Austin, 2005.

https://archive.archaeology.org/online/features/mitchell_hedges/

https://www.jstor.org/stable/44431367

https://www.themayanruinswebsite.com/lubaantun.html

http://www.guidetobelize.info/de/maya/belize-maya-guide.shtml

Mysteriöse Maya-Schädel: Made in Germany?!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.