Digitale Archäologie für die Zeit nach dem Krieg

In Jemen herrscht Krieg. Seit Jahren schon. Die Situation ist so verfahren, dass viele mittlerweile vergessen haben wer eigentlich gegen wen kämpft und um was es geht. 2013 mussten die Archäolog*innen des Deutschen Archäologischen Institutes diese Region verlassen, weil es zu gefährlich dort wurde. Doch ihre Passion die Spuren der vielfältigen und bemerkenswerten Vergangenheit auf jemenitischen Boden zu schützen, haben sie nicht aufgegeben. Deswegen betreibt das DAI Archäologie digital. Das bedeutet, dass deutsche Archäolog*innen, in Zusammenarbeit mit den zuständigen jemenitischen Behörden, beispielsweise digitale Karten erstellen. Das Problem ist, im Jemen hat es auch vor dem Krieg kein ordentliches Register geben in dem die Denkmale und archäologischen Spuren verzeichnet wurden. Das gilt auch für Fundobjekte. Auch diese werden in Bezug auf die jemenitischen Stätten erfasst. Finanziert wird das mit der Hilfe der Gerda-Henkel-Stiftung.

Die Wohntürme von Sanaa. Es handelt sich um Lahmbauten die mit weisen Kalkmustern verziert sind. Die Hochhäuser der Wüstenstadt reichen in den blauen Himmel hinauf.

Sanaa vor dem Krieg. Auf aktuellen Bildern sieht man vor allem Trümmer (Foto: Tyabji [CC BY-SA]).

Aber warum ist es eigentlich wichtig in einem so schlimmen Krieg die archäologischen Spuren zu sichern? Es geht dabei nicht nur um den Erhalt und das Erinnern von so tollen Hausfassaden, wie die hier den gezeigten in Sanaa. Tatsächlich ist das Erfassen der Fundstücke aus dem kulturellen Erbe sehr wichtig, damit sie schwerer auf dem Schwarzmarkt verkauft werden können. Ist ein Kulturgut richtig registriert und dokumentiert kann man nämlich nachweisen, wenn es jemand geklaut hat und versucht es zu Geld zu machen. Der illegale Handel mit Antiken war z.B. eine große Einnahmequelle des IS. Anders gesagt: Jedes registrierte Kulturgut wird Kriegstreibern als Wertanlage entrissen. Und auch die digitalen Karten über die archäologischen Stätten und Denkmäler im Jemen haben eine Funktion, die über die Archäologie hinaus geht. Auf ihnen werden alle bekannten Schäden verzeichnet und ihr Zustand so überwacht. Diese Karte wird digital immer mehr verfeinert, indem sie mit immer mehr Daten ausgestattet wird, dabei wird auch mit Satellitenbildern gearbeitet und mit jemenitischen Archäolog*innen vor Ort. Dieses Vorgehen hat einen Zweck. Die Datenbank, die an dieser Stelle entsteht, ist die Arbeitsgrundlage für den Wiederaufbau des Jemen, sollte dieser furchtbare Krieg jemals vorbei sein. Wie schon bzgl. der Arbeit „Stunde Null“ zu, den zerstörten Städten Syriens, werden diese Informationen genutzt und mit weiteren Erfahrungswerten gekoppelt. So können schnell Konzepte entwickelt werden, um den Jemen wieder aufzubauen. Und zwar so, dass dort wieder eine lebenswerte Umgebung entsteht.

Literatur:

Archäologie Weltweit 2-2019: https://www.dainst.org/documents/10180/4514363/Arch%C3%A4ologie+Weltweit+2-2019.pdf/938de3d6-51da-eec0-d218-75723365f3e8

AYDA – Ein Digitales Denkmalregister für den Jemen | Interview mit Dr. Iris Gerlach

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