Australien: Buschfeuer legen archäologische Spuren frei

Wenn die Archäologie Glück hat, dann hat meistens irgendwer Pech. Und bei diesem Fund muss ich sagen, ich hätte gerne auf diese Katastrophe verzichtet. Die Buschfeuer in Australien haben in den vergangenen Wochen riesige Flächen Regenwald vernichtet. Auch in der UNESCO geschützten Kulturlandschaft Budj Bim. Dabei handelt es sich um das Gebiet der Gunditjmara Aborigines. Die ältesten Spuren, die hier von Menschen bekannt sind, sind ca 50.000 Jahre alt, und schon damals entstand eine Wasserkultur im Südosten Australiens. Die Gunditjmara sind hier seit ca. 6.600 Jahren bekannt. Sie haben diese Region mit einem Weltweit einzigartigen Bewässerungssystem an ihre Bedürfnisse angepasst. Diese Hydrokultur war für die Gunditjmara auch Teil ihrer spirituellen und ihrer gesellschaftlichen Welt. Die Fluss-, Teich- und Wasserwegsysteme, die älter sind als die Pyramiden oder Stonehenge. Sind im Großen und Ganzen gut erhalten, es gibt sogar an die 100 Fischtreppen, die bis heute einwandfrei funktionieren. Und das, obwohl weite Teile des Gebietes durch die Verwendung als Weideland zerstört wurden.

Ein Wald steht in Flammen, alles ist orange-rot. Im Vordergrund ist eine dunkle Landschaft zu sehen, und der Schatten eines Feuerwehrmannes.

Ein Buschfeuer (Symbolbild: Skeeze)

Bei den Löscharbeiten stellte diese 6.600 Jahre alte Aquakultur aber eine Herausforderung dar. Die Landschaft ist nicht für unsere moderne Feuerwehrtechnik gestaltet. Es sind zum Beispiel Bachläufe, die paddelnden Händler*innen als Wasserstraßen zwischen den halbnomadischen Dörfern dienten, die die Landschaft durchschneiden. Die Buschfeuer haben nun verursacht, dass weitere Teile dieser Wasserstraßen und Wassersysteme zutage kamen, die lange überwuchert und vergessen sind. Es zeigt sich vor allem eines: Die Wasserkultur der Gunditjmara ist um einiges komplexer und technisch versierter, als bisher angenommen wurde. Unter anderem wurde nun ein bisher gänzlich unbekannter Kanal entdeckt. Die Aufgabe, die sich nun stellt, ist in den abgebrannten Gebieten des UNESCO-Welterbes die nun sichtbar gewordenen teile der Fischer*innenkultur zu dokumentieren. Trotzdem, dem Schrecken, den die Waldbrände verursacht haben, handelt es sich hier um einen Fund der für die Aborigines wichtig ist. Können sie mit solchen Funden doch zeigen, dass sie wertvolle Kulturen hervorgebracht haben. Ein Faktor, der für diese seit dem Kolonialismus stark entrechtete Menschengruppe sehr wichtig ist.

Literatur:

https://whc.unesco.org/en/list/1577/

https://www.aljazeera.com/news/2019/10/blood-water-australia-budj-bim-global-recognition-191027235046739.html

https://edition.cnn.com/2020/01/21/asia/budj-bim-australia-bushfire-intl-hnk-scli/index.html

https://www.smithsonianmag.com/smart-news/australian-bushfires-uncover-hidden-sections-ancient-aquaculture-system-180974028/

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