Was einen Steinzeitkaugummi wirklich interessant macht

Immer wieder bricht große Freude auf, wenn es auf das Thema Kaugummis in der Steinzeit fällt. Zum Beispiel war ein Ötzi ein Birkenpechkauer. Die Vorstellung, dass die Menschen der Jungsteinzeit jagten, angelten, ihre Äcker bestellten und ihren weiteren Alltag bestritten und dabei ganz nebenbei, genauso wie wir, Kaugummi kauten hat unbestritten einen gewissen Coolesfaktor. Aber ganz so stimmt die Kaugummigeschichte leider nicht. Tatsächlich gab es schon länger die Idee, dass diese Birkenpechklumpen aus gesundheitlichen Gründen gekaut wurden. Also, dass es sich quasi um Medizin handelt. Denn besonders angenehm ist es nicht Birkenpech zu kauen. Aber es ist antiseptisch und hat von daher eine pharmazeutische Wirkung. Kürzlich wurde nun in der Nature von einem neuen Steinzeitkaugummifund aus Dänemark berichtet, der mit modernsten Methoden analysiert wurde.

Ein Dunkelbrauner Birkenpechklumpen vor einem Orangegeleben Hintergrund. Der Kaugimmi ist in etwa 2 cm lang, und hat einen Zahnabdruck.

Der frisch entdeckt Steinzeitkaugummi (Foto: Ausschnitt Nature)

Der Birkenpechklumpen wurde sicher gekaut. Es sind nicht nur Zahnabdrücke vorhanden, sondern auch 5.700 Jahre alte Speichelreste sind erhalten geblieben. Die DNA-Analyse dieser Speichelreste zeigt, eine Frau hatte diesen Kaugummi gekaut. Sie war Dunkelhäutig und hatte Blaue Augen; War also in ihrer Zeit, in der nordeuropäischen Region, vom aussehen her ganz Normal. Etwas anderes spannendes zeigt sich jedoch. Der Kaugummi wurde nämlich auch auf Krankheitserreger hin analysiert, mit einem interessanten Ergebnis. Die Frau litt an mehreren verschiedenen Entzündungskrankheiten. Darunter Streptococcus Pneumoniae. Ein Bakterium, dass sich durch Tröpfcheninfektion verbreitet und Halsschmerzen, Mittelohrendzündungen, aber auch z.B. Lungenendzündungen auslösen kann. Es ist also tatsächlich gut möglich, dass die Frau diesen Kaugummi aus medizinischen Gründen kaute. Interessant ist diese Erkenntnis also besonders für die Medizin. Nicht nur das wir hier möglicherweise ein uraltes Rezept gegen die üblichen Winterkrankheiten gefunden haben, sondern vielmehr, dass die alten Bakterien selbst erhalten sind, ist interessant. An dieser Stelle hilft die Archäologie bei der Erforschung von der Entstehung und Endwicklung von Krankheiten. Und das ist die eigentliche Sensation an den Kaugummis aus der Steinzeit.

Literatur:

https://www.nature.com/articles/s41467-019-13549-9

https://www.smithsonianmag.com/science-nature/human-genome-recovered-5700-year-old-chewing-gum-180973801/

(Den Medizinischen Background habe ich bei der Medizinerin meines Vertrauen nachgefragt ;))

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