Ein hellenistisches Mädchen

In der Kasseler Antikensammlung im Schloss Wilhelmshöhe steht zwischen vielen bekannt Skulpturen dieser Rest einer Darstellung eines Mädchens. Das Mädchen wurde in der Zeit des Hellenismus angefertigt. Vermutlich handelt es sich um eine Figur, die einst das Asklepois-Heiligtum in Lissos auf Kreta geschmückt hat. Sie stammt aus dem 2. Jahrhundert v. Chr., einer Zeit, in der es in der griechischen Welt viele sehr realistische Darstellungen von Menschen gibt. Eine Blütezeit der Bildhauer. Obwohl von dieser Darstellung nur noch der Torso erhalten ist, lässt sich noch sehr gut erkennen, wie sorgfältig und realistisch die hellenistischen Künstler gearbeitet haben. Das ein kleines Mädchen gezeigt wird, ist in dieser Zeit gar nichts seltenes. So gibt es ebenso aufmerksam gearbeitete Skulpturen nicht nur von Göttern, oder Olympiasiegern, sondern zum Beispiel auch von betrunkenen, oder eben Kindern.

Eine Marmorskulptur aus der Antike. Kopf und Arme sind abgebrochen. Die Figur eines Kindes in Mädchenkleidung ist so zerbrochen, dass noch eine Hand die einen Vogel hält zu sehen ist.

Der Torso eines Mädchens, sie trägt einen Chiton, und wird mit ihrem Vogel gezeigt.

Das Mädchen hält in der linken Hand einen Vogel. Auch das ist keine Seltenheit, denn Kinder werden oft mit beim spielen oder mit ihren Haustieren gemeinsam gezeigt. Ein Spieltier war ein häufiges Geschenk an Kinder wohlhabender Familien. Das ein Mädchen einen Vogel als Lieblingsspielgefährten hatte, ist für diese Zeit keine Seltenheit, wenngleich es sich um einen besonders schonen Einblick in die Zeit vor 2200 Jahren handelt. Das ein Tier an ein Kind verschenkt wurde, sollte in dieser Zeit den ähnlichen pädagogische Zweck erfüllen wie wir es auch heute kennen. Die Kinder sollten Verantwortungsbewusstesten lernen. Bei dieser Figur kann es aber auch sein, dass der Vogel nicht als Spieltier gemeint ist, sondern einen Religiösen Hintergrund hat. Denn Vögel tauchen oft auf Votivbildern (also in Zusammenhang mit Kulten) auf. Zu erkennen ist aber in jedem Falle wie liebevoll die Menschen des Hellenismus Kinder dargestellt haben.

Literatur:

Annika Backe-Dahmen: Die Welt der Kinder in der Antike, Mainz 2008.

Peter Gercke und Nina Zimmermann-Elseify: Antike Skulpturen – Antikensammlung Museumslandschaft Hessen Kassel, Kassel 2007.

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