30 Jahre Mauerfall. Wie archäologische Spuren an Flucht erinnern

Es ist jetzt 30 Jahre her, dass Deutschland von einer Grenze geteilt wurde. 30 Jahre, in der zerrissene Familien wieder vereint sind und eine voneinander getrennte Gesellschaft versucht sich anzunähern. Ein ganz anderes Leben und ein ganz anderes Zeitalter konnte in der Zwischenzeit entstehen. Berühmtestes Symbol dieser Spaltung ist die Berliner Mauer. Ein Todesstreifen durchtrennte sie Stadt, ihn zu überqueren war lebensgefährlich. Diese Zeit also auch archäologisch fassbare Strukturen entdeckt. Diese sind vielfältig und sie werden heutzutage untersucht. Dazu gehören auch besondere Spuren: Es gab zum Beispiel immer wieder Menschen, die von Osten her in den Westen flohen. Um den Todesstreifen zu überwinden, gruben sie Tunnel.

Blick in einen Fluchttunnel an der Bernauer Str. (Abbildung stammt aus der Datenbank von Tunnelfluchten.de)

Die Fluchttunnel, die unter dem Todesstreifen durch führten, waren von der Gestaltung her eine logistische Herausforderung. Die Statik musste gesichert sein, niemand durfte von den Bauarbeiten mitbekommen und Erdreich musste unauffällig entsorgt werden, um nur einige Probleme bei so einem Unterfangen zu nennen. Wer einen solchen Tunnel grub, lief nicht nur Gefahr in der DDR inhaftiert zu werden, oder auch, im Tunnel verschüttet zu werden, sondern er musste sich auch über Wochen in aller Stille in einem engen unterirdischen Raum aufhalten. Einer der bekanntesten dieser Tunnel, an der Bernauer Str. war 120 m lang. 29 Menschen konnten ihn für ihre Flucht nutzen. Heute ist es vor allem Archäologie, die in den Kontakt mit diesen Bauwerken kommen.

Verwitterte Brötchentüten die grün beruckt sind

Verpflegungstüten der Tunnelbauer. Ein archäologischer Fund aus Berlin (Foto stammt von der ABD-Dressler)

Schön mehrfach hat beispielsweise das Archäologiebüro Dressler in Berlin Tunnel beobachtet. Es handelt sich um auch für Archäologen spannende Bauwerke. Da die Menschen, die hier Tunnel gruben zum Teil Laien gewesen sind, oder Aber unter schlechten Bedingungen an ihren Tunneln arbeiteten, kamen sie auf kreative Ideen. Archäologen legen die Überreste dieser Ideen frei, so konnte z.B. gezeigt werden, wie ein Tunnel mit alten Fensterrahmen abgestützt wurde. Aber auch Spuren des Tunnelbauernalltags sind erhalten. Dazu gehören z.B. Brötchentüten. Diese Objekte, die auf die Verpflegung der Tunnelbauer hinweisen, sind heute eine tolle Erinnerung an die mutigen Menschen, die an dieser Stelle ihr Leben riskiert haben. Und da ein solcher Tunnel oftmals von Ossis und Wessis gemeinsam geplant wurde, sind es vor allem Erinnerungstücke an die Solidarität.

Literatur:

http://www.tunnelfluchten.de/liste.html

http://www.chronik-der-mauer.de/fluchten/180928/gelungene-flucht-durch-den-tunnel-29-14-15-september-1962

http://www.abd-dressler.de/page7/page26/

https://www.t-online.de/nachrichten/wissen/geschichte/id_86673240/tunnelflucht-aus-der-ddr-und-ihre-archaeologischen-hinterlassenschaften.html

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