Eine Rassel für die Fruchtbarkeit

Die Marajorakultur stammt von der Amazonasinsel Marajo. Getöpferte Frauenfiguren, sind bei dieser Kultur von besonderer Bedeutung. Zwar verschwand diese Kultur, genau so plötzlich wie die Europäer gleichzeitig in Südamerika auftauchten, doch sie hinterließen uns diese einzigartigen Figuren. Deutlich zu sehen ist: Die Vulva der Frau tritt aus der Kleidung hervor und ist besonders herausgearbeitet. Dabei handelt es sich um ein häufiges Phänomen in in der Marajorakultur. Aber auch der Phallus hatte eine besondere Bedeutung. Wer genau hinsieht erkennt, dass diese Darstellung einer Frau, die Grundform eines Penisses mit Hoden hat. Diese Symbolsprache entstand ab etwa 400 n. Chr. im Zuge zweiter Phänomene: Zum einen machten wirtschaftliche Veränderungen die Menschen verstärkt von der Landwirtschaft abhängig. Zum anderen gewann die Frau in der Gesellschaft an Bedeutung.

Diese Keramik war im Nationalmuseum von Rio de Janeiro ausgestellt und ist vmtl. verbrannt. Das Bild stammt von einer Gedenkaktion von Wikimedia, die an dieses Museum erinnert.

Die Vermischung der Geschlechter bei diesen Figuren ist sehr auffällig. Bei 75% aller bekannten Frauendarstellungen ist die äußere Form wie ein Phallus dargestellt. Dieser kann verschiedene Erektions- und Schlaffheitsgerade haben. In all diesen Darstellungen wird der Kopf wie die Eichel positioniert. Es gibt die Überlegung, dass diese Körper-Phallus-Symbiose einem vorkolonialen Körperverständnis der Amazonaskulturen entspricht. Einige dieser Phallus-Mensch-Figuren waren von innen hohl und mit Saatgut gefüllt. Es handelte sich um Rasseln. Um diese zum klingen zu bringen, war es notwendig sie in einer Form zu schütteln die an Selbstbefriedigung erinnert. Es wird angenommen, dass solche Musikinstrumente in Fruchtbarkeitsritualen verwendet wurden. Funde zeigen, dass die Frauendarstellungen gezielt geköpft wurden, bzw. die Eichel abgeschlagen wurde. Dafür wurden sie mit einer Sollbruchstelle getöpfert. Dadurch gelangte das Saatgut symbolisch ins Freie und konnte wie Sperma verspritzt werden.

Literatur:

Cristiana Baretto und Erendira Oliveira, Para além de Potes e Panelas: cerâmica e ritual na Amazônia antiga. In: Habitus, 2016.

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