Eine Maske der Tikuna

Die Tikuna leben im Nordwest-Amazonasgebiet. Sie haben eine Religion, die sich stark an ihren Vorfahren orientiert, also eine art Ahnenkult. In dieser Religion gibt es viele Mythen, durch den ein Initiationsritus entsteht, bei dem Jungs zu Männern werden. In diesem Brauch identifizieren sich die Männer mir ihren mythologischen Vorfahren, und spielen auf Blasinstrumenten, welche die Stimmen der Vorfahren darstellen sollen. Bei diesem Ritual, das Männern vorbehalten ist, tragen die Teilnehmer kreative und selbst hergestellte Masken. Aber auch zu anderen Anlässen werden Kostüme getragen und zwar von allen die möchten, auch von Kindern. So zum Beispiel bei dem Fest das immer zwei Nächte nach dem Vollmond gefeiert wird. Die Masken sind oftmals Grotesk, und werden von dem*r Träger*in selber, nach dem eigenen Geschmack gefertigt. Heute finden sich auf diesen Kunstwerken deswegen auch moderne Motive wie z.B. Flugzeuge.

Die Maskenträger*innen tanzen bei diesen Feiern selbst ausgedachte Tänze und singen dazu selbst komponierte Lieder. Diese drehen sich oftmals um das Thema erwachsen werden, vor allem auch um die weibliche Pubertät. Die ganze Kultur ist in ihrem glauben tief durchzogen mit einen Glauben an mystische Figuren, es gibt sogar einen Schmetterlingsdämon. Das die Masken oftmals Skurril verzehrte Gesichter zeigen ist also kein wunder. Auch gehören zu den Kostümen gelegentlich extrem überzogen dargestellte Genitalien. Die in den Tänzen gezeigten Geschichten, funktionieren fast wie eine Form der Sexualaufklärung. In Kombination mit der relativ emanzipierten Rolle der Frau in dieser Kultur, führt dies dazu, dass laut dem Ethnologen J. Sullivan Vergewaltigungen bei den Tikuna gänzlich unbekannt sind. Die hier gezeigte Maske stammt aus dem 19. Jahrhundert. Sie war bis zum Herbst 2018 im Nationalmuseum Rio De Janeiro ausgestellt, wo sie bei einem Unglück leider Verbrannte.

Literatur:

Curt Nimuendajú, the Tukuna. In: University of California publications in American archaeology and ethnology Bd. XLV. Los Angeles 1952.

Daniel R. Gross, Peoples ans Cultures of Native South America. New York 1973.

Julian H. Steward und Louis C. Faron, Native Peoples of South America, London 1959.

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