10 Gründe warum Du zur #DGUF2018-Tagung nach München fahren solltest

„München? Was zum Geier soll ich in München?“ War mein erster Gedanke, als ich Gefragt wurde, ob ich auch nach München komme. Und Tatsächlich hatte ich bislang nicht die geringsten Ambitionen dort hin zu fahren. Denn München ist für mich einfach nur Aushängeschild für die beiden Dinge, die ich am allerwenigsten leiden kann: Fleisch und Alkohol! Ich habe mich also gefragt, was ich dieser Stadt soll, in der eine Portion Pommes vmtl. soviel kostet wie mein Monatseinkommen? Die Antwort auf die Frage, warum ich jetzt doch nach München fahre ist kurz gesagt: eine geballte Ladung Archäologie:

Vom 10.-13. Mai findet München die Tagung „Sharing Heritage – Die Teilhabe am kulturellen Erbe als Bürger- und Menschenrecht“, der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte statt. Das Thema steht nicht nur im Fokus der aktuellen Diskussion, weil 2018 zum Europäischen Kulturerbejahr erklärt wurde, sondern auch weil Denkmalzerstörungen heutzutage oftmals im Fokus der Weltöffentlichkeit stehen. Weil die Tagungen der DGUF aber auch darüber hinaus oftmals ein Highlight sind, habe ich für euch einmal 10 Gründe zusammengestellt, warum ihr unbedingt nach München kommen solltet:

10. München kennenlernen und genießen

Parallel zur Mitgliederversammlung am Donnerstag, gibt es für alle weiteren Tagungsteilnehmer*innen die Stadtführung „München – Geschichte, Kultur und Biergenuss“. Die Planer der Stadttour hätten hier die Gelegenheit gehabt, zu unterstreichen, dass die gängigen Oktoberfestklischees über München nicht stimmen, oder das hier zumindest etwas anderes im Fokus steht, als Bier, doch die Überschrift lässt etwas anderes Vermuten, eigentlich schade! Aber trotzdem, wer wie ich noch nie in München war, oder sich näher über die Stadtgeschichte austauschen möchte, kann sich hier beteiligen. Treffpunkt ist um 16 Uhr am „Marienplatz, Fischbrunnen“. Das ist die Gelegenheit München Seite an Seite mit Archäolog*innen und Geschichtsfreaks kennen zu lernen, eine Perspektive die sich nicht so schnell wieder ergeben wird.

9. Auf Augenhöhe mit Archäolog*innen diskutieren

Gerade für junge Studis ist es oftmals ein großer Schritt, wenn sie das erste Mal auf eine Tagung gehen. Darüber hinaus noch eine eigene Meinung zu formulieren und sie zu vertreten ist ein mutiger Schritt für alle Nachwuchsarchäolog*innen. Tagungen wie diese sind dabei sehr ermutigend, denn alle Teilnehmer*innen begegnen sich auf Augenhöhe. Es wird Wert darauf gelegt sich gegenseitig ernst zu nehmen, und auch Meinungsvielfalt wird geschätzt. Die Diskussionen finden dadurch in der Regel in einem sehr angenehmen Rahmen statt, und es ist leicht Kontakte zu interessanten Menschen zu knüpfen. Ich finde, dass es genau diese Rahmenbedingung sind, die begeisterte Jungwissenschaftler*innen anziehen sollten wie die Motten das Licht…

8. Kulturerbe Bürgerbeteiligung, der Rahmen der Realität

Bürgerbeteiligung, öffentlich-wirksames Arbeiten, eine gemeinsame Sprache finden, Kulturerbe schützen, dass klingt ja erst einmal ganz großartig. Aber wie realistisch ist dies in der heutigen Zeit, und auf welche Rahmenbedingungen stößt die Fachwissenschaft. Da steht auf der einen Seite ein Grundrecht auf Bürgerbeteiligung an der archäologischen Denkmalpflege, worüber Prof. PD Mag. Dr. Raimund Karl referieren wird, und auf der anderen Seite der Alltag des heutigen Denkmalschutzes. Dr. Ulf Ickerodt M.A. wird hierzu sprechen, und dabei den Charakter der Debatte um öffentliche Beteiligung als Scheindebatte entlarven. Welche Schlüsse daraus gezogen werden können, und in wieweit das Thema der Bürgerbeteiligung realistisch zu betrachten ist kannst Du im Mai mitdiskutieren. Und wer weiß, vielleicht ist es ja dein Kopf der eine geniale Idee zu diesem Thema beisteuern kann.

7. Raus aus dem Elfenbeinturm

Die Archäologie muss finanziert werden und steht damit in permanenter Rechtfertigungspflicht gegenüber der Öffentlichkeit. Bürgerbeteiligung ist dabei einer der wichtigsten Wege die Zukunft der Archäologie zu sichern. Partizipation von Laien und Archäologieinteressierten provoziert aber immer wieder Probleme. Die Frage ist, wie kommunizieren wir in Zukunft mit der Öffentlichkeit, und wie kann eine sinnvolle Partizipation von ehrenamtlichen Archäolog*innen aussehen?

Besonders interessant wird vmtl. der Vortrag „Die sitzen doch alle im Elfenbeinturm!“ Oder: Spannungsfelder in der Zusammenarbeit zwischen BürgerInnen und ForscherInnen von Sigrid Peter. Sie referiert aus der Perspektive einer Bürgerin, und kann von daher Probleme benennen, die Archäolog*innen vielleicht noch nicht einmal bemerkt haben. Du kannst dich an dieser Stelle einbringen, und Probleme ansprechen.

6. Lerne Deine Lieblingsarchäolog*innen beim gemeinsam Abendessen kennen

Am 10., 11. und 12. Mai wird in 3 verschiedenen Münchener Lokalen gespeist. Die Lokale befinden sich als Vorschlag im Tagungsprogramm. In der Regel sind die ausgesuchten Resturants in der Lage deinen Geldbeutel zu sprengen, wer also wie ich nicht genug Geld für solche Späße hat, und sich jetzt schon Fragt, wie man sich die Tagung und dazu noch eine Unterkunft eigentlich leisten soll, ist also gut beraten sich vorher irgendwie noch mehr Geld zu besorgen. Ich selber werde vmtl. nur an einem Abendessen Teilnehmen. Wem es ähnlich geht, mit dem tue ich mich allerdings gerne zusammen, um irgendwo anders gemeinsam und Kostengünstig zu speisen.

Oftmals sind allerdings dennoch viele Tagungsteilnehmer*innen bei diesen Restaurantbesuchen anzutreffen, sodass man sie einmal ganz zwanglos kennen lernen kann. Bei dieser Gelegenheit ergeben sich nicht nur interessante Gespräche, sondern vielleicht findest Du auch eine neue Inspiration für Deine Abschlussarbeit, oder einen Kontakt, der dir in der Zukunft einmal nützlich sein wird.

5. Eine Sprache für die Öffentlichkeit finden

Die Zukunft des kulturellen Erbes liegt auch darin, wie Archäolog*innen kommunizieren. Der freie Zugang zu Informationen ist dabei ein wichtiges Thema. Im Zeitalter der Digitalisierung stehen Onlinemedien vermehrt im Fokus der Aufmerksamkeit. PD Dr. Frank Siegmund, wird dazu referieren, wie sich das Publikationswesen ändern muss, um die Öffentlichkeit weiterhin zu erreichen. Das Problem liegt hierbei oftmals in der Finanzierung von Arbeiten, welche im Anschluss kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Bringe Deine Ideen mit, wie Archäologie in der Zukunft öffentlichkeitsorientiert gestaltet werden kann.

Was ist aber, wenn die Öffentlichkeit nicht erreicht wird? Zu diesem Thema wird Carmen Löw referieren. Darauf können wir alle besonders gespannt sein, denn Carmen Löw ist nicht nur eine begnadete Rednerin, sondern sie wird über ein Beispiel referieren, bei dem diese Kommunikation gescheitert ist. Es heißt also Ohren aufsperren und aus Fehlern lernen! Zu einer guten Inspiration dazu, könnte ein weiterer Vortrag werden. Jens Crueger wird über die Öffentlichkeitswirksamkeit von Natur und Umweltschutz als mögliches Vorbild für den Schutz von Kulturerbe reden. Eine weitere spannende Idee, die Du nicht verpassen solltest

4. Der Umgang mit Dark Heritage

Ein wichtiges, wenngleich neues Thema der Archäologie wird angesprochen werden. Eigentlich verwundert das, denn auch Bauten wie beispielsweise das Kolosseum waren Schauplätze von Mord und Totschlag. Dennoch wird dies oftmals eher als beeindruckend, als schrecklich wahrgenommen. Heutzutage findet aber ein weiteres Thema vermehrt Eingang in die Archäologie. Die Erforschung des Holocausts. Dieses Thema ist für die Fachkreise noch relativ neu. Barbara Hausmair und Christian Bollacher werden hierzu referieren. Die Diskussionen zu diesem Thema können mit Spannung erwartet werden, denn diese archäologische Thematik unterscheidet sich in vielen Bereichen stark von dem, was wir bislang unter dem Wort Archäologie verstanden haben. Du kannst also dabei sein, wenn die Archäologie neue wissenschaftliche Gebiete betritt.

Ich freue mich darauf besonders, denn meiner Meinung nach, ist diese Form der Archäologie, die sinnvollste Anwendungsweise archäologischer Methoden. Kurzum, alleine für diesen Vortrag würde ich das teure München auf mich nehmen.

3. Raubkunst, illegale Archäologie und Provenienzforschung

Besonders interessant klingt die Einleitung zu dem Vortrag von Dr. Harald Schulze. Hier werden die spannendsten Beispiele der Entwendung von Kulturgütern gestern und heute thematisiert werden. Nicht immer hat sich die Archäologie in dieser Hinsicht mit Ruhm bekleckert. Immer wieder schafften Archäologen berühmte Fundstücke außer Landes, um sie in ihrer Heimat in ein Museum zu stellen. Der Umgang mit Rückgabeforderungen und Provenienzforschung sind dadurch mehr als die bloße Frage danach, warum bei uns heute eigentlich das im Museum steht was bei uns im Museum steht. Immer wieder sind Verhandlungen über den Besitz von Kulturgütern Bestandteil von politischer Diplomatie. Dieser Vortrag wird Dir die Fragen beantworten, wie archäologische Arbeit in diesem Spannungsfeld funktioniert.

2. Balsam für die Seele

Vor 2 Jahren berichtet ich an dieser Stelle unter dem Titel „Ein bisschen Balsam für die Seele – Die DGUF-Tagung 2016„, dies geschah nicht ohne Grund. Denn die Tagungen die DGUF bieten immer auch den Rahmen Problematiken anzusprechen. Dies führt nicht nur dazu, das Konzepte und Lösungsansätze formuliert werden können, sondern es ist auch immer ein bisschen Balsam für die Seele, nicht alleine vor den Herausforderungen zu stehen, die das Archäologenleben so mit sich bringt.

Wenn du also etwas ansprechen willst, Kritik äußern willst, oder so wie ich einen Archäologie-Blog betreibst, bei dem du dich Monat für Monat wieder Fragst, wie du ihn Finanzieren sollst, dann ist diese Tagung nicht unbedingt die Lösung der Probleme, aber immerhin ein Ort des Austausches!

1. Kulturerbe und Identitäten

Ein weiteres interessantes Thema, dass auf der Tagung angesprochen werden wird, ist der Zusammenhang zwischen Identitäten und historischem Kulturerbe. Wie können wir damit umgehen? Welche Gefahren gibt es? Und welche Auswirkung hat unsere Arbeit zum kulturellen Erbe auf die Gesellschaft? Das Thema ist nicht nur wichtig, weil es auch zeigt, dass archäologische Arbeit zu einem bestimmten Grad immer auch politisch ist, sondern auch weil Du in der Diskussion aktiv deine Meinung zum Umgang damit beisteuern kannst. Besonders interessant: Roland Linde wird hierzu die Externsteine als Beispiel hervorheben, und sich die Frage stellen, wie eine archäologische und weitervermittelnde Arbeit an einem Politisch aufgeladenen Ort wie diesem stattfinden kann. Ein Thema an dem Du nicht vorbei kommst, wenn Du dich mit aktuellen Problemen innerhalb der Archäologie auseinander setzen willst!

Da bleibt mir nur noch abschließen zu sagen, dass ich auf der Tagung mit dem Bloggerticket unterwegs sein werde. Das heißt, dass die DGUF mir die Tagungsgebühr erlässt, weil ich über die Tagung berichte, wobei ich allerdings meine eigene Meinung mit dem was ich schreibe vertrete.

Das heißt für euch: ihr könnt auf Twitter (#DGUF2018) mitlesen was passiert, falls ihr es nicht schafft selber zu kommen. Zum Beispiel weil das Geld nicht reicht, oder weil es auf der Tagung keine Kinderbetreuung gibt, und ihr nicht wisst wo ihr eure Kleinen unterbringen sollt in dieser Zeit. Gerade im letzten Falle würde es mich sehr interessieren, wenn ihr betroffen seit, denn es regt mich zunehmend auf, wie gerade Alleinerziehende immer wieder aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden.

Dennoch freue ich mich jetzt schon sehr auf dieses Wochenende, weil es bestimmt sehr inspirierend sein wird. Ausserdem freue mich mich auf viele alte und hoffentlich viele neue Gesichter. Also: Meldet euch an, Packt die Koffer, und wir sehen uns in München!

Da die Tagung jetzt leider schon Vorbei ist kannst du HIER lesen wie es war!

4 Gedanken zu „10 Gründe warum Du zur #DGUF2018-Tagung nach München fahren solltest

  1. Klasse Beitrag. Am besten finde ich den Punkt 6. „Lerne Deine Lieblingsarchäolog*innen beim gemeinsam Abendessen kennen.“

  2. Pingback: Sharing Heritage – ein Bericht über die Jahrestagung 2018 der DGUF | Miss Jones

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