Zu Besuch bei den Wikingern

FERIEN! Es sind Schulferien. So ein Mist, denke ich, als ich in Haithabu ankomme. Unglaublich viele Eltern und Großeltern mit Rudeln an Schulkindern umzingeln mich. Ganz wild auf Wikinger kommen die Menschen scharenweise nach Haddeby bei Schleswig um sich das Wikingermuseum Haithabu, das seit 2018 zum UNESCO Welterbe gehört, mit eigenen Augen anzusehen.

Das Gebäude des Wikigermuseums In Haithabu. Es ist dierekt am Wasser gelegen in einem Wald. Das Museum besteht aus eingeschossiegen Häusern, die aussehen wie silbergraue umgedrehte Schiffe.

Das Wikingermuseum aus der Ferne

Und ganz ehrlich ich kann es verstehen. Für mich gehört das Wikingermuseum in Haithabu definitiv zu den 10 besten Museen, die ich kenne. Die Ausstellung ist mitreißend gestaltet und am Originalschauplatz gibt es ein Freilichtmuseum. Wer sich das alles in Ruhe ansehen will, sollte sich einen ganzen Tag freinehmen. Faszinierte Augen von alten und jungen Menschen zeigen, dass dieses Museum dazu einlädt Menschen vollständig in ihren Bann zu ziehen.

Das Museum

Eine dunkle Vitriene mit vielen einzelnen gucklöchern. In diesen sind einzelne Metallobjekte eingesetzt. Die Vitirne ist mit Buchstaben beschriftet, so endsteht ein Metallgegenstände Alphabet. Obptisch erinnert die Konstruktion ein wenig an die magische Welt von Harry Potter.

Das Alphabet des Metallhandwerks

In den Ausstellungshäusern kann man sich verschiedenen Berufen der Wikinger widmen. Fertigungstechniken werden mit Hilfe von Halbfabrikaten erklärt. Alles ist sehr leicht zu verstehen. Das Alphabet des Metallhandwerks zeigt die Vielfalt in der Gegenstände die Hergestellt wurden. Besonders freue ich mich über die ausgestellten Glasperlen. Als ich sie näher ansehen will knalle ich mit der Nase so massiv gegen die Vitrine, dass sie noch zwei Tage später weh tut. Aber es hat sich gelohnt, es sind wunderschöne Perlen ausgestellt.

Die Faszination Tod

In einem anderen Raum geht es um das Thema Tod. Der Tod in der Kultur der Wikinger ist so eindrucksvoll erklärt, dass selbst die wildesten Schulkinder ganz ruhig werden, und fasziniert vor einem Modell eines Hügelgrabes stehen. Einige Grabinventare werden gezeigt, wobei ich mich besonders über einen Sturzbecher freue. Glas ist und bleibt eines der interessantesten Materialien. Aber auch die ein oder andere ausgestellte Fibel ist wunderschön.

Die Objekte aus dem Grabinventar einer Frau aus Haithabu. Es handelt sich um zwei schallenfiebeln, eine Spange und unzählbar viele Glasperlen einer Perlenkette.

Grabinventar einer Frau

Ein besonders tolles Element der Ausstellung ist die Darstellung des Skarthi-Steins. An diesem werden die Runen Wort für Wort beleuchtet, und vorgelesen. Die Bedeutung wird dabei unter dem Stein transkribiert. Ich habe versucht dies zu Filmen, leider habe ich keine einzige Aufnahme machen können. Die ganze Zeit war dieser Stein von scharen an faszinierten Kindern umstellt, die mir immer wieder durchs Bild liefen.

Vikings International

Die didaktische Installation zur erklärung welche Orte durch die Wikinger in Kontakt standen. Die Internationalen bezieheungen im Frühmittelalter werden mit Schriftzügen dargestellt, die Städtenamen zeigen. Auf dem Bild zu sehen sind weise Plastikbuchstaben, sie gehören zu den Worten Bagdad, Mainz und Bukharest. Ein weiterer Ortsname der auf Gar endet ist abgeschnitten. Zwischen den Ortsnamen sind kleine Erklärungatäfelchen angebracht.

Internationale Bezüge der Wikinger

Wunderschön gemacht ist auch der Bereich zum Thema globale Kontakte, der mit einzelnen Fundstücken globale Bezüge der Wikinger zeigt. Dieser Teil der Ausstellung geht thematisch nahtlos in einen Seefahrt und Hafenbereich über, der ebenfalls Modern und inspirierend gestaltet ist. In kleinen Bodenvitrine werden Abfälle gezeigt die im Hafenbecken Haithabus lagen. Das macht diese Ausstellung auch zukunftsweisend, da sie zeigt was Vermüllung anrichten kann.

In diesem letzten Bereich Der Ausstellung wird auch Pingsdorfer Keramik gezeigt. Auf diese bin ich erst wenige Tage zuvor in Stade gestoßen, diesmal allerdings ist die Keramik Vollständig.

Die neuste Technik und ihre Tücken

Doch schon zu beginn meines Museumsbesuches wurde ich an Stade erinnert. Denn auch im Museum in Haithabu gibt es ein Interaktives 3D Stadtmodell, dass durch einen Beamer betrieben wird. Und auch in Haithabu scheint dieses neue Konzept nicht ganz zu funktionieren. Die Idee hinter dieser Art Stadtplan ist gut, aber die Ausführung ist dringend verbesserungswürdig. Dies zeigen Kinder, die auf dem Stadtplan herum drücken, in der Hoffnung, dass etwas passiert. Irgendwann beginnen sie nahezu auf das Modell einprügeln, welches überraschend stabil ist. Die Eltern, die hinzu kommen, schaffen es zwar die Kinder zu beruhigen, aber es dauert nahezu 10 Minuten bis wir herausfinden wie das Modell Funktioniert. Dann gehen alle gelangweilt von einer viel zu trägen Präsentation weiter. Auch ein Haithabumuseum ist halt nicht perfekt.

Begeistert bin ich dagegen von dem Museumsshop. Hier gibt es Schmuck, Spielzeuge, Repliken des Sturzbechers den ich so bewundert habe, und auch Literatur. Von Kinderbüchern bis hin zur Fachliteratur ist alles dabei. Der Ausstellungskatalog der alten Ausstellung ist für 5 Euro zu erhalten. Das ist wirklich günstig in Hinblick der Qualität der Publikation. Diese ist zwar veraltet, hat aber dennoch gute Bilder und Grafiken, die gerade studierende gut gebrauchen können. Die Erklärungen über die Ausgrabung oder die Textiltechniken sind zu empfehlen. Eine Anschaffung die sich lohnt. Der Neue Ausstellungskatalog “Haithabu – Fernhandelszentrum zwischen den Welten. Begleitband zur Ausstellung im Wikinger Museum Haithabu.”ist ebenfalls hier zu erhalten. Dieser ist Wunderschön gemacht, und ich wollte ihn gar nicht mehr aus der Hand geben. Das Globale auftreten und die Kontakte Haithabus mit dem Rest der Welt stehen hier im Vordergrund. Doch leider liegt der gut gemachte Katalog außerhalb meiner Preisklasse.

Das Wikingerdorf

Zwei Gallowayrinder auf einer saftig grünen wiese. Die beiden Plüschkühe umhalsen sich während sie auf der Wiese liegen. Sie haben beide orangerotes kuschelig aussehendes Fell. Die eine ist dabei etwas heller als die andere.

Galloway Rinder im Freilichtmuseum

Der Außenbereich ist wunderschön gemacht. Es ist möglich ein kleines Stück über den alten Wall zu laufen. Auf dem Gelände werden alte Haustierrassen gehalten, die vom Archepark Warder betreut werden. Wenn man auf diesem Wall steht, dann wird einem klar wie groß die Wikingerstadt Haithabu war. Im inneren des Walls befinden sich einige nachgebaute Wikingerhäuser. Das tolle an Haithabu ist, dass die Rekonstruktionen hier auf mehr Basiswissen stoßen als bei vielen anderen Museen. Als der Originalschauplatz zerfiel ist beispielsweise die Giebelwand eines Hauses umgefallen, und dadurch im Schlick vollständig erhalten geblieben.

Der rekonstruierte Teil der Wikingerstadt Haithabu von weitem. Einige Holz-Lehm-Häuser sind von weitem auf einer Blumenwiese zu sehen. Sie sind von einer Palisade aus Holz umgeben und mit Schilf gedeckt.

Das Museumsdorf Haithabu

Die Hausrekonstruktionen sind gepflegt, und es gibt liebevolle Ecken, die aussehen als ob die Hausbewohner nur kurz weg gegangen wären. Es ist wie immer in Freilichtmuseen, am liebsten würde ich einziehen und da bleiben. Ein paar Hühner laufen hier herum, und auch Wikinger begrüßen einen Freundlich, und arbeiten dann weiter. Es gibt hier auch einen kleinen Marktstand, der allerlei Mitbringsel für zu hause zu bieten hat. Besonders schön ist der Bootsanleger auf dem ganze Familien zur Endspannung sitzen und sich dem Museumsbesuch noch einmal durch den Kopf gehen lassen.

Die Innenausstattung eines Wikingerhauses in Haithabu. Es handelt sich um eineige Reliefbandamaphoren, und gelagerte Dinge wie beispielsweise Lederstücke die zum Tockenen aufgehangen sind. Auf einem Regal stehen einige Gefäße aus Pingsdorfer Keramik. Auch einige Körbe sind zu sehen.

Bei den Wikingern zuhause

Alles in allem lohnt sich der Ausflug in das Wikingerdorf. Weitere Bilder habe ich in einer Galerie angelegt.

Die Wikingersiedlung Haithabu in der Rekonstrucktion. Nachgebaute Häiser aus verschiedener Bauweise bei denen Holz und Erde verwendet wurden. Im Vordergrund ist ein Haus mit einer Wand aus Spaltbohlen zu sehen. Das Haus daneben hat einen Lehmverputz. Beide Gebäude sind mit Schilf gedeckt.

Rekonstruktionen in Haithabu

14 Gedanken zu „Zu Besuch bei den Wikingern

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    • Das stimmt, dass währe mal ein Experiment. So ganz 100% wird es wohl nicht klappen, weil natürlich alltägliche Umgangformen, Redewendungen, und auch manche Materialien nicht 100 % rekonstruierbar sind. Aber natürlich ist es eine interessante Idee das auzuprobieren. Das gehört dann vielleicht ein Stückweit auch in die Kategorie selbsterfahrungen Sammeln. Aber es sind bestimmt interessante Selbsterfahrungen.
      Als Bloggerin einige Zeit teil zu nehmen, und darüber zu berichten könnte auch ganz reizvoll sein.

      Danke für deinen Kommentar!

      • Als Archäologiestudent*in der Uni Bamberg kann man das übrigens zumindest für ein Semester im Geschichtspark Bärnau tun. Ist halt eine leicht andere Zeitstellung und nicht wikingisch, sondern in erster Linie slawisch.

        • Ich hoffe, ihr habt viel Spaß dabei. Wir können Projekte im Steinzeitpark Dithmarschen machen. Das ist von vielen meiner Kommilitonen ein heißgeliebter Ort.

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