Der Ursprung der Welt – Ein Comic über die Geschichte der Vulva

Dieses Buch wäre mir vermutlich nie in die Hände gefallen, wenn ich es nicht von meiner Mitbewohnerin zum Geburtstag bekommen hätte. Also ein dickes Danke an dieser Stelle, für dieses Buch! Es hat mir bisslang viel Freude bereitet!
Die Geschichte der Vulva in Comic Form. Die Graphic Novell ist mehr als ein alberner Comic. Das Buch strotzt vor weiblichem Selbstbewusstsein. Für diejenigen die sich fragen warum man den Feminismus heute noch braucht, ist dies hier mehr als ein heißer Tipp mögliche Antworten zu finden. Und die Leser, die nicht wie ich jahrelang nebenbei noch queer- und/oder Genderstudies studieren wollen, finden hier eine kleine Zusammenfassung, in einer Form eines „Best Off“ über die Geschichte des weiblichen Geschlechtsorgans.

Mit Witz und Humor wird auf 140 Seiten die Geschichte der Weiblichkeit mit vielen Beispielen verschiedenster Epochen gezeigt. Hierbei wird auch die Biologie der Vulva erklärt, ohne sie auf die Vagina zu beschränken. „Was ist denn da jetzt der Unterschied?“, werden sich einige fragen. Ganz einfach: die Umgangssprache reduziert mit dem Wort „Vagina“ das weibliche Geschlechtsorgan einzig und allein auf ihr Loch. Die Vulva hingegen bezeichnet das gesamte Organ.

Ein Geschlechtsorgan, dass bis heute kaum erforscht ist, und immer noch wie ein Mysterium wirkt. Als Frau wird einem dies spätestens bewusst gemacht, wenn einem ein sichtbares Zeichen der Menstruation in der Öffentlichkeit enttarnt. Man hat sich bis heute dafür zu schämen. Da stellt sich die Frage, warum eigentlich? Dieses Buch ist dabei kein rein aufklärerisches oder Werk, sondern zeigt auch in kurzen Schlaglichtern die Hintergründe über Missverständnisse und historische Verwirrungen.

Vorgestellt werden Geschichten aus dem Absurdistan, dass in einer Patriarchal strukturierten Wissenschaft entstanden ist. Zum Beispiel die Exhumierung der schwedischen Königin Christina. Sie wollte nicht heiraten, war dafür aber in Staatsangelegenheiten oft bemerkenswert schlau. Diese und ähnliche Gründe ließen zweifel daran aufkommen, ob es sich bei Königin Christina wirklich um eine Frau gehandelt hat. Kurz gesagt: Die männliche Fachwissenschaft konnte sich einfach nicht vorstellen, dass es eine Frau gab, die sich durch einen Mann nicht beglücken lassen wollte. Stattdessen wurde ein Hermaphroditismus vermutet. Die Professoren die in den 1930ger Jahren die Untersuchung an den Knochen der Königin vornahmen konnten allerdings nur eines feststellen: Die Wissenschaft ist noch nicht weit genug entwickelt gewesen um diese Theorie naturwissenschaftlich untersuchen zu können. Zu diesem Ergebnis hätten sie zwar auch schon vor der Exhumierung kommen können, aber wie ein modernes Zitat zu sagen pflegt: „They grab her by the Pussy“!

Von Hexenverbrennungen, bis Sigmund Freud ist das Hauptmotto des Buches darzulegen warum es bestimmte Männer gibt, die sich auf gewisse Weise zu sehr für die Vulva interessieren. Dies geht bis hin auf die medizinischen Theorien vom Sinn und nutzen von Klitorisamputationen oder Nasenoperationen in der Vergangenheit. Gleichzeitig zeigen die Comics oft den Wahnsinn, den die Geschlechterrollen bis heute mit sich bringen. Dem gegenüber stehen unverkrampfte Darstellungen vergangener Kulturen, in der Vulven im Mittelpunkt stehen. Freudig grüßen neolithische Statuetten den Leser, während sie ihm stolz ihre Vulven entgegenstrecken.

Ein Manko hat das Buch jedoch. Es zeigt zwar die durchgeknallte Seite der Geschlechterbinarität, geht aber nur am Rande auf intersexuelle Menschen ein, und klammert Transsexualität vollständig aus. Allgemeine Queer-Theorien sind ebenfalls nur am Rande vertreten. Dennoch ist es ein gutes Buch, welches ich jedem empfehle, der sich mit dem Thema beschäftigen möchte, ohne dabei gleich einen Wissenschaftsschinken zur Hand zu nehmen. Es ist ein Werk, dass es schafft Wissen über teils ernste Themen mit viel Humor zu vermitteln.